Warnung vor Hantavirus im Münsterland überzogen? Erste Fälle auch in Haltern

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Der Kreis Recklinghausen und das Münsterland sind für das Hantavirus prädestiniert. Laut Medienberichten gebe es einen regelrechten Ausbruch in diesem Jahr. Was sagen offizielle Stellen?

Haltern, Dorsten

, 14.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Laut Medienberichten in der vergangenen Woche gebe es derzeit einen Hantavirus-Ausbruch im Münsterland. 60 Fälle seien dort seit Beginn des Jahres aufgetreten. „Das ist ganz klar ein Ausbruch mit einem Brennpunkt hier in Westfalen“, wird der Chefarzt des Herz-Jesu-Krankenhauses in Münster-Hiltrup, Wolfgang Clasen, zitiert. Über 20 Patienten seien dort in diesem Jahr bereits behandelt worden.

Das Jahr 2019 ist auch ein Hantavirus-reiches Jahr. Aber: Von einer im Vergleich zu anderen Jahren herausragenden Hantaviruswelle könne man nicht sprechen, sagt Mirko Kösterke vom Landeszentrum für Gesundheit Nordrhein-Westfalen in Bochum. Bisher habe es in NRW in diesem Jahr 139 laborbestätigte Hantavirus-Fälle gegeben. Im Vergleichszeitraum 2017 (1. bis 31. Kalenderwoche) habe man mit 164 Fällen bis zu dieser Kalenderwoche aber mehr Fälle gehabt. „In Ostwestfalen haben wir so gut wie gar keine Fälle“, sagt Mirko Kösterke. Im Kreis Recklinghausen und im Münsterland kämen die meisten Fälle vor. Im Rest NRWs nur vereinzelt.

Münsterland und Kreis Recklinghausen prädestiniert für das Virus

„Im Kreis Recklinghausen gibt es in diesem Jahr bisher keine besonderen Auffälligkeiten“, sagt Jochem Manz, Pressesprecher beim Kreis Recklinghausen. 14 Fälle seien bisher protokolliert worden. 8 waren es im ganzen Jahr 2018. Auch in Haltern hat es in diesem Jahr offenbar bereits erste Fälle gegeben. Die Fachärztin für Innere Medizin und Geriatrie Dr. Annette Rudolph berichtet von drei Fällen in ihrer Praxis in Haltern seit Anfang des Jahres, von denen zwei ins Krankenhaus eingeliefert worden seien - eine entgegen der Aussage des KKRN ins St.-Sixtus-Hospital. Ursula Stessun, Fachkrankenschwester für Krankenhaushygiene im St.-Sixtus-Hospital in Haltern, hatte zuvor auf Anfrage gesagt: „Mit dem Hantavirus sind wir seit Jahren nicht mehr in Kontakt gekommen.“ In Dorsten hat es vor sechs Jahren zuletzt einen Verdacht auf das Virus gegeben, heißt es vom St.-Elisabeth-Krankenhaus. Der habe sich damals allerdings nicht bestätigt.

Wahr ist auch, dass im Kreis Recklinghausen und im Münsterland das Virus häufiger vorkommt. Der Grund: Die Rötelmaus, die als einer der Hauptüberträger des Virus gilt, ist in diesen Regionen stark vertreten. „2019 ist ein Jahr, in dem das Hantavirus vermehrt auftritt, weil wir einen milden Winter hatten und es viele Buchäckern als Nahrungsquelle gab, sodass sich in dem diesjährigen darauffolgenden Frühjahr viele Rötelmäuse vermehrt haben“, so Kösterke.

So können Sie eine Ansteckung mit dem Hantavirus vermeiden

Übertragen wird der Erreger insbesondere durch die Kadaver und den Kot der Rötelmäuse, teilt das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen aus Bochum mit. Andere Überträger sind die Wühlmaus und auch Spitzmäuse, Maulwürfe oder Fledermäuse. Etwa bei der Gartenarbeit kann der Erreger aufgewirbelt werden. Der Hiltruper Chefarzt Wolfgang Clasen empfiehlt deshalb, bei der Gartenarbeit einen Mundschutz zu tragen, damit aufgewirbelte Erreger nicht eingeatmet werden. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist laut Robert-Koch-Institut (RKI) kaum möglich.

Weitere Maßnahmen empfiehlt das RKI:

  • Nager aus dem Wohnbereich fernhalten
  • Kontakt zu Nagern und deren Kot und Urin vermeiden
  • Lebensmittel, Tierfutter, Abfall und Essensreste unzugänglich aufbewahren
  • Unterschlupf und Nistmöglichkeiten sowie Eintrittstellen ins Haus verschließen und beseitigen
  • Schlagfallen und zugelassene Gifte nutzen (für Kinder und Haustiere unzugänglich aufbewahren)
  • Bei starkem Befall: Schädlingsbekämpfer rufen

Kadaver sollten nur mit Handschuhen und Mundschutz entsorgt, befallene Räume gut durchlüftet und Staubaufwirbelung vermieden werden. Weitere Informationen dazu, wie Sie eine Infektion vermeiden können, finden Sie auf der Seite des RKI.

Laut dem RKI beginnt die Krankheit meist mit einem abrupt einsetzenden Fieber, das drei bis vier Tage anhalten kann. „Begleitend treten unspezifische grippeähnliche Symptome wie Kopfschmerzen und Myalgien [Muskelschmerzen, Anm. d. Red.] auf“, schreibt das Robert-Koch-Institut auf seiner Internetseite. Auch Fieber über 38,5 Grad, Rücken-, Kopf- und Schmerzen im Bauchbereich, blut- oder proteinhaltiger Urin bis hin zu akutem Nierenversagen sind möglich.

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