Wasserversorger Gelsenwasser muss in Haltern auf den Klimawandel reagieren

mlzNachhaltige Wasserwirtschaft

Zwei Millionen Menschen versorgt die Gelsenwasser AG mit Trinkwasser. Kann die Lieferung auch in Trockenphasen auf Dauer sichergestellt werden?

Haltern

, 20.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Klimawandel stellt auch die Wasserwirtschaft und Trinkwasserversorgung vor neue Herausforderungen. „Starkregenfälle und Trockenheit, das sind alles Anzeichen von Klimaveränderungen, die von den Fachleuten vorhergesagt worden sind“, sagt Ulrich Peterwitz, der Leiter der Wasserwirtschaft bei der Gelsenwasser AG.

Das Unternehmen versorgt rund zwei Millionen Menschen der Region Ruhrgebiet und südliches Münsterland mit Trinkwasser. Ein großer Teil davon wird im Wasserwerk Haltern bereitgestellt.

Das „Doppeltrockenjahr“

Zwei Jahre hintereinander sind die Wasserstände in den Halterner Stauseen inzwischen in den Sommermonaten sehr niedrig. „Wir haben zurzeit in beiden Talsperren zusammen 55 Prozent Füllstand, das entspricht noch dem Normbereich“, sagt Ulrich Peterwitz. Im Bereich der Ruhr liege der Pegelstand allerdings teilweise schon unter der Normgrenze.

Das Doppeltrockenjahr – das ist ein Planungsmodell, mit dem die Wasserwirtschaft arbeitet. „Es bildet auch die Grundlage unserer Planungen“, so Ulrich Peterwitz.

Ähnlich trockene Jahre habe es schon gegeben, so der Fachmann: 1959/60 oder auch 1976, als Wasser eingespart werden musste und Autos zeitweise nicht mehr gewaschen werden durften.

In Haltern hat Gelsenwasser die Möglichkeit, durch das Einleiten von Kanalwasser den natürlichen Zufluss über die Stever zu den Talsperren zu ergänzen. „Wir dürfen bis zu 200.000 Kubikmeter pro Tag entnehmen“, sagt Ulrich Peterwitz. Der Spitzenwert der Wasserabgabe im Wasserwerk Haltern belief sich in diesem Jahr auf eine Tagesmenge von rund 384.000. Das war am 24. Juli. Acht Millionen Kubikmeter Kanalwasser wurden 2018 benötigt, in 2019 waren es bisher knapp vier Millionen.

Einleitung von Kanalwasser

Größere Sorge bereitet Ulrich Peterwitz das Absinken der Grundwasserstände. „An einem Viertel der Messstellen sind die Grundwasserstände inzwischen so niedrig wie noch nie seit Beginn der Messungen“, so Peterwitz. Bis sie wieder den Normalzustand erreichen, wären mehrere regenreiche Jahre notwendig.

Wie kann die Wasserwirtschaft reagieren? Ulrich Peterwitz nennt drei zentrale Maßnahmen, die beispielsweise wirksam sein könnten:

1. Es können Verbundsysteme mit benachbarten Wasserversorgungsunternehmen gebildet werden.

2. Neue Brunnen können gebohrt werden. Zurzeit werden längst noch nicht alle Grundwasservorkommen in Deutschland zur Trinkwasserversorgung genutzt.

3. In Gebieten ohne zusätzliche Einspeisemöglichkeiten, z. B. aus Kanälen, ist ein Niedrigwassermanagement hilfreich. Hierbei kann der Zuschuss von Wasser aus Talsperren in Flüsse gedrosselt werden, um für Trockenphasen genügend Reserven zu haben.

Auch die Qualität des Trinkwassers muss gesichert werden

Nicht nur die Quantität, auch die Qualität des Trinkwassers muss Gelsenwasser im Blick behalten. „Wir müssen weiter am Thema der Vermeidung von Spurenstoffeinleitungen forschen und arbeiten“, sagt Ulrich Peterwitz. Diese stammen nicht nur aus Industrie und Gewerbe, auch die Bürger können zur Wasserqualität beitragen, indem sie beispielsweise Medikamente über die graue Tonne und nicht über die Toiletten entsorgen.

Mit der Landwirtschaft bleibt der Wasserversorger seit 1990 im ständigen Dialog, was das Einleiten von Stickstoff bzw. Nitrat aus der Düngung und Rückständen aus dem chemischen Pflanzenschutz angeht. „Mit 17 mg pro Liter Nitrat liegen wir in Haltern deutlich unter dem Grenzwert von 50 mg“, sagt Ulrich Peterwitz.

Gelsenwasser beteiligt sich am nationalen Wasserdialog, den das Umweltministerium initiiert hat, um an Zukunftslösungen zu arbeiten. „Dabei stehen wir aber noch ganz am Anfang“, sagt Ulrich Peterwitz. „Der Prozess hat gerade begonnen.“ Ziel ist das Erreichen einer komplett nachhaltigen Wasserwirtschaft bis spätestens 2050.

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