Gerd Stessun gehört zu den Sparfach-Sparern im Kolpingtreff. © Jürgen Wolter
Kolpingtreff

Wegen Corona: In Halterns Stammkneipe werden Sparfächer anders geleert

Der Kolpingtreff ist eine der letzten Halterner Kneipen, die noch einen Sparschrank für Stammgäste hat. Einmal im Jahr ist Ausschüttung, jetzt in Corona-Zeiten wird daraus leider kein Fest.

Gerd Stessun mag den Kolpingtreff und seine Gäste. Er ist hier Stammgast und als dieser seit zehn Jahren auch Mitglied der Sparfach-Gemeinschaft. Allein ist er mit seiner unkonventionellen Sparleidenschaft nicht: 99 weitere Gäste der Kneipe am Disselhof – Männer wie Frauen – pflegen sie ebenso. Jede Woche füttern sie kollektiv den blechernen Kasten mit Münzen oder Geldscheinen, um am Ende des Jahres beim Kassensturz ein nettes Sümmchen nach Hause zu tragen.

Gerd Stessun könnte genauso gut zu Hause Geld in ein Sparschwein werfen. „Aber man kennt die anderen Sparer und freut sich auf die Geselligkeit, wenn am Ende des Jahres abgerechnet wird“, erzählt der 65-Jährige. Die Gastwirte – damals das Ehepaar Eltrop, heute Andy Kleimann und Christian Zehren – machten und machen daraus nämlich ein kleines Fest mit leckerem Essen. Dazu sind auch die Partner eingeladen.

Sparer werden gebeten, sich per Mail zu melden

In diesem Jahr, angesichts von Corona, natürlich nicht. „Wir müssen uns jetzt alle zurückhalten“, das ist Gerd Stessun und allen Tresensparern schon klar. Auf die Auszahlung freut er sich natürlich trotzdem. Der Modus ist 2020 allerdings anders als gewohnt.

Die Wirte vom Kolpingtreff, Andreas Kleimann und Christian Zehren, haben ihrer Sparfachgemeinde eine Mail geschickt. Darin heißt es: „Leider sieht es so aus, als ob die Lockdown-Maßnahmen bis zu den Weihnachtstagen verlängert werden und ein Sparfest oder eine Auszahlung mit gemeinsamen Beisammensein unmöglich werden.“

Das ist ein Sparschrank

  • Ein Sparschrank ist mit Geldeinwurfschlitzen ausgestattet.
  • Jeder der nummerierten Schlitze führt zu einem eigenen Sparfach, das Stammgäste einmal in der Woche „füttern“.
  • Bei der regelmäßigen Leerung werden die Einlagen eines jeden Sparers notiert und auf ein Konto bei der Bank eingezahlt.
  • Am Ende des Jahres ist Auszahltag.
  • Diese Art des Sparens ist eine alte Tradition, es gab sie früher in fast allen Gaststätten. Das letzte Geld wurde nicht verprasst, sondern gespart.

Damit jeder Sparer aber zeitnah vor Weihnachten an den Inhalt seines Sparfachs kommt, haben sie sich mit ihrem Team einen Auszahlungsmodus überlegt, der dem Infektionsgeschehen und der aktuellen Corona-Verordnung Rechnung trägt. Sie bitten darum, unter der Mailadresse sparfach@rossini-haltern.de Kontakt mit dem Kolpingtreff aufzunehmen.

Wer das Sparfach nicht füttert, zahlt Strafe

Gerd Stessun wird wie immer von dem ersparten Geld Weihnachtsgeschenke kaufen. Das hält er Jahr für Jahr so, einmal sei er auch mit seiner Frau in Urlaub gefahren. Der Geschäftsmann hat gut gespart, hat regelmäßig 20 bis 50 Euro durch den Schlitz des Schrankes geschoben. Grundsätzlich zahlt jeder so viel ein, wie er möchte. Wer das Einzahlen vergisst, wird mit 50 Cent Strafe zur Kasse gebeten. Damit Langfinger nicht auf dumme Gedanken kommen, werden die Sparfächer regelmäßig geleert, über den Inhalt wird genau Buch geführt.

Früher, so erzählt Gerd Stessun, hat er in der Altherrenmannschaft des TuS Haltern gespielt. Mit seinen Jungs sei er häufig nach den Spielen im Vereinslokal Kolpingtreff eingekehrt. Auch heute noch verabredet er sich dort gern mit Freunden oder springt mal eben schnell rein, um sein Sparfach zu bedienen. „Das ist vor allem Spaß an der Freude.“

Andy Kleimann und Christian Zehren haben den Sparschrank von Ehepaar Eltrop übernommen. „Der Kolpingtreff ist eine Traditionsgaststätte, deshalb wird der Sparclub auch weiterhin eine Heimat bei uns haben“, verspricht Andy Kleimann. Schließlich ist es ein Gemeinschaftserlebnis, das bei den Halternern nach wie vor Gefallen findet.

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Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
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Elisabeth Schrief

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