Wer darf Wasser aus einem Fluss entnehmen?

mlzWasserentnahme

Grundwasser-Brunnen sind derzeit beliebt - sie zu bauen, ist aber nicht billig. Einfacher und günstiger wäre die Wasserentnahme aus einem Fluss. Aber ist das erlaubt? Und wer darf das tun?

Haltern

, 23.07.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die zunehmende Trockenheit in den Sommermonaten ist seit einigen Jahren auch in unserer Region mehr die Regel als die Ausnahme. Gärten und Äcker wollen bewässert, Pools gefüllt werden. Wer keinen Grundwasserbrunnen gebohrt hat, steht vor der Frage, wo er das Wasser nehmen soll, ohne die Wasserrechnung ins Unendliche zu steigern.

Genehmigung der Unteren Wasserbehörde

Grundsätzlich kann jedermann Wasser aus einem Fließgewässer entnehmen, er braucht allerdings eine Genehmigung der zuständigen Behörde. In Haltern wäre die Untere Wasserbehörde des Kreises Recklinghausen zuständig.

„Jeder kann einen Antrag stellen“, sagt Miriam Gruschka von der Pressestelle des Kreises. Ein Grund muss dafür angegeben werden, zum Beispiel, ob das Wasser zu Kühl-, Beregnungs- oder Reinigungszwecken benötigt wird. Das werde dann geprüft. „Die Kollegen schauen dann, ob das Gewässer zum Beispiel in einem Naturschutzgebiet liegt oder wie der aktuelle Wasserstand ist“, so Gruschka weiter.

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Die Untere Wasserbehörde entscheide nicht nur nach den aktuellen Gegebenheiten, sondern auch, wie die langfristige Prognose für das Gewässer sei. Bei einer Entnahme oberhalb von 200 Kubikmetern innerhalb von zwei Stunden sei wiederum die Bezirksregierung zuständig.

Gebiete unter Naturschutz

In Haltern stehen folgende Gebiete unter Naturschutz: Die Lippeaue und die Mühlenbachaue sowie der Bereich am Sandbach, dort gibt es besonders schützenswerte Flora und Fauna. Die Mühlenbachaue sei zudem noch Überschwemmungsgebiet, heißt es von der Unteren Wasserschutzbehörde des Kreises.

Wenn jemand aber zum Beispiel plant, aus der Lippe Wasser zu entnehmen, muss auch der Lippeverband sein Okay geben. Desweiteren fällt die Lippe als Gewässer 1. Ordnung (Bundeswasserstraße oder überregionale Wasserstraße) auch in die Zuständigkeit der Bezirksregierung Münster. „Die Behörden nehmen wiederum mit uns als Lippeverband Kontakt auf, um uns um Stellungnahme zu bitten. Aktuell würden wir als Lippeverband aber eher von weiteren Wasserentnahmen abraten, da die Gewässer mit ihrer Flora und Fauna durch die veränderten klimatischen Bedingungen – wenig Niederschlag, lange Trockenperioden – ohnehin strapaziert sind“, so Anne-Kathrin Lappe, Sprecherin des Lippeverbandes.

Bußgelder bis zu 25.000 Euro

Wie der Kreis weiter auf Anfrage mitteilte, liegen zurzeit für Haltern keine für Privatleute erteilten Genehmigungen vor. Interessant ist aber: Wer Anlieger eines Gewässers oder Eigentümer eines Grundstücks am Wasser ist, hat grundsätzlich ein Gebrauchsrecht, das heißt, er darf Wasser daraus entnehmen. „Das Grundstück muss ihm aber bis zur Hälfte des Fluss- oder Bachlaufs gehören“, schränkt Lena Heimers vom Kreis ein. Eine feste Vorrichtung darf hier nicht gebaut werden.

Wenn jemand widerrechtlich Wasser aus Gewässern entnimmt, können Bußgelder zwischen 250 und 25.000 Euro fällig werden.

Keine Gedanken müssen sich im übrigen diejenigen machen, die schon einmal mittels Eimer oder Gießkanne Wasser aus einem Gewässer entnommen haben: Das ist erlaubt, es gibt ein „Schöpfrecht“ für jedermann.

Fließgewässer in Westfalen

  • Die Nordsee bzw. das IJsselmeer sind die „Auffangbecken“ jeglichen aus Westfalen abfließenden Wassers. Westfalen (rd. 21.400 km2) wird hydrologisch unterteilt in die Gewässereinzugsgsgebiete der Flüsse Rhein, Weser und Ems (= Flüsse und Gewässereinzugsgebiete 1. Ordnung).
  • Flüsse 1. Ordnung münden direkt in ein Meer, Flüsse 2. Ordnung münden in einen Fluss 1. Ordnung usw.
  • Die Entwässerung zum Rhein, der selbst allerdings nicht in Westfalen fließt, geschieht größtenteils über Lippe und Ruhr. Sie sind aufgrund ihrer Einzugsgebietsgrößen und der darin hohen Niederschlagsmengen die mengenmäßig bedeutendsten „Wasserabführer“ Westfalens.
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