Wie Eva Weyl den Holocaust überlebte

Vortrag in der Realschule

"Ich bin ein Glückspilz", findet Eva Weyl, denn die Jüdin hat den Holocaust überlebt. Am Montag berichtete die 79-Jährige in der Aula des Schulzentrums rund 160 Schülern der Alexander-Lebenstein-Realschule über ihr Leben während der nationalsozialistischen Herrschaft und was es mit dem Diamantring an ihrem Finger auf sich hat.

HALTERN

, 01.12.2014, 15:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Geschichte von Eva Weyl beginnt in Kleve. Dort wird ihr Vater Hans geboren. Wie schon ihr Großvater betreibt er in der Stadt am Niederrhein ein Textilkaufhaus. Als die ersten Transparente mit Sprüchen wie „Die Juden sind unser Verderben“ hängen, zieht ihre Familie nach Arnheim, wo Eva Weyl 1935 geboren wird. 1942 muss die Familie ihr Haus verlassen. Die Nazis zwingen sie in das Durchgangslager Westerbork im Nord-Osten Hollands. „Das war kein Vernichtungslager wie Auschwitz, aber von hier aus gingen die Züge dorthin“, erzählt sie. Dreimal sei ihre Familie dem Tod im letzten Moment von der Schippe gesprungen. Bis zum 20. Januar 1945, als die Kanadier das Lager auflösten, wurden von dort aus 107 000 Juden nach Auschwitz deportiert. Nur 5000 überlebten. Bei der Befreiung hätten lediglich noch 870 Menschen in dem 500-Quadratmeter-Dorf gelebt.

Besonders beeindruckend fanden viele Schüler die Geschichte ihres Fingerrings. Um für schlechte Zeiten eine Notfallreserve zu haben, hatte ihre Mutter Diamanten in den Wollknöpfen eines Wintermantels versteckt. Aus einem Diamanten ließ sie Jahre später als Erinnerung einen Ring anfertigen. „Seit dem Tod meiner Mutter trage ich diesen Ring an meiner Hand“, präsentierte sie den staunenden Schülern den funkelnden Edelstein. Als Zeichen der Mahnung soll der Ring später einmal der Gedenkstätte des ehemaligen Lagers Westerbork übergeben werden, um auf dieser Weise von der Geschichte der Familie Weyl zu zeugen. „Mein Leben ist gut gelaufen. Ich habe überlebt!“, zog Eva Weyl abschließend Bilanz. Von den Schülerinnen und Schülern in der Aula erntete sie lang anhaltenden Applaus.

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