Wieder treiben in der Stever tote Fische - das Ökosystem ist aus dem Gleichgewicht

mlzErneutes Fischsterben

Am Montagmorgen fischten Gelsenwasser-Mitarbeiter wieder tote Fische aus der Zwischenstever. Muss die Ökologie des Flussabschnitts grundsätzlich verändert werden?

Haltern

, 03.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind nicht so viele wie vor drei Wochen, aber am Montagmorgen trieben wieder tote Fische in der Stever zwischen Hullerner und Halterner Stausee. Viele hatten sich auch in den Wasserpflanzen unter der Oberfläche verfangen. Mitarbeiter von Gelsenwasser fischten die toten Tiere vom Boot aus dem Wasser und ermittelten die Sauerstoffkonzentration im Gewässer.

„Das ist doch ein Skandal“, findet eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht nennen möchte. Sie fragt sich, warum keine weiteren Maßnahmen ergriffen werden. „In Münster am Aasee haben die Behörden nach dem Fischsterben doch auch reagiert.“

120.000 Kubikmeter Wasser werden täglich in die Stever gepumpt

„Wir pumpen zurzeit 120.000 Kubikmeter Wasser täglich aus dem Hullerner Stausee in die Zwischenstever“, sagt Heidrun Becker, Pressesprecherin der Gelsenwasser AG. Nach wie vor wird Wasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal über die Stever in den Hullerner Stausee eingeleitet. Die erneut hohen Temperaturen erwärmten aber auch das Wasser wieder und die zahlreichen Wasserpflanzen entzogen ihm den Sauerstoff, den die Fische zum Überleben brauchen.

Der Sauerstoffgehalt betrug am Montag lediglich 0,95 Miligramm pro Liter. „Das reicht für die Fische bei Weitem nicht aus“, so Heidrun Becker. „Unsere Mitarbeiter haben die noch lebenden Fische in den Stausee gebracht und etwa 15 Kilogramm tote Fische geborgen.“

Fließgeschwindigkeit der Stever ist sehr gering

„Wenn Wasserpflanzen einem Fluss so viel Sauerstoff entziehen, dass die Fische das nicht überleben, dann ist das Ökosystem zerstört“, schätzt Nils Ribbrock von der Biologischen Station Lembeck die Lage ein. „Die Zwischenstever ist grundsätzlich ein problematisches Gewässer.“ Der Zu- und Ablauf werde an beiden Enden durch Wehre geregelt. Die Funktion der Zwischenstever sei zunächst die Regulierung der Wasserstände in den Stauseen, die für die Trinkwasserversorgung von Gelsenwasser betrieben werden. „Dadurch ist die Fließgeschwindigkeit in dem Abschnitt zum Teil sehr gering, manchmal nahezu bei Null. Die Stever hat hier die natürliche Selbstreinigungsfunktion verloren, die andere Flüsse auch in der Umgebung haben. Sie kann auch das Laub, das von den Bäumen am Ufer ins Wasser fällt, nicht richtig abbauen.“

Über nachhaltige Lösungen nachdenken

„Andere Flüsse reinigen sich selbst“, sagt Ribbrock. Er nennt als Beispiel den Mühlenbach, der ebenfalls in den Halterner Stausee fließt. „Auch hier gibt es vielleicht einige Stellen, aus denen sich Fische zurückgezogen haben, aber es gibt kein Fischsterben, das Ökosystem ist grundsätzlich noch intakt.“ Die Wassertemperatur in der Zwischenstever sei auch deshalb zu hoch, weil das Wasser aus dem Hullerner Stausee sich dort schon stark erwärmt hat, insbesondere bei dem derzeitigen niedrigen Wasserstand.

Fischsterben könnte sich wiederholen

Ribbrock befürchtet, dass sich das Fischsterben in der Stever immer wiederholen könnte, wenn ähnliche Wetterlagen auftreten. Es könne sinnvoll sein, darüber nachzudenken, wie sich die Wasserqualität der Zwischenstever grundsätzlich verbessern ließe. Voraussetzung dafür seien Verwirbelungen, die dem Fluss Sauerstoff zuführen könnten oder auch Sauerstoffeinleitungen. Neue Fische einzusetzen hält er für wenig sinnvoll. „Es müsste über nachhaltigere Lösungen nachgedacht werden“, so Ribbrock.

Das Thema soll auch im Gesprächskreis behandelt werden, der sich regelmäßig trifft und dem neben Vertretern der Gelsenwasser AG auch Vertreter der Angelvereine, der Stadt Haltern und der Fischereibehörden angehören.

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