Holocaust-Gedenken

„Wir haben zu reden!“ – Stadt gedenkt der Halterner Holocaust-Opfer

Auch die städtische Feier zum Holocaust-Gedenken musste ausfallen. Bürgermeister Stegemann legt aber ein Gesteck nieder und Pfarrer Michael Ostholthoff gibt ein Versprechen.
Bürgermeister Andreas Stegemann legte auf dem Jüdischen Friedhof ein Gesteck nieder und einen Stein auf die Gedenktafel. © Stadt Haltern

An den Tag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 wurde in Haltern jährlich mit einer offiziellen Gedenkveranstaltung der Stadt auf dem jüdischen Friedhof erinnert. Auch das ist in Zeiten der Coronapandemie nicht möglich. Deshalb legte Bürgermeister Andreas Stegemann allein auf dem Friedhof ein Gesteck im Gedenken an die Halterner Opfer des Holocaust nieder und legte einen Stein auf den Gedenkstein auf dem Friedhof.

Als Hauptredner war in diesem Jahr Pfarrer Michael Ostholthoff von der Pfarrei St. Sixtus vorgesehen. In seinem jetzt nur schriftlich vorliegenden Text fordert er, die Sprachlosigkeit, die angesichts des unvorstellbaren Leidens und Sterbens vor Millionen von Menschen aufkommen kann, zu überwinden.

„So etwas darf nie wieder geschehen“

„Die Größe des Unrechts, der Grausamkeit und der Demütigung, die die Verfolgten erleiden mussten, macht uns sprachlos“, so Michael Ostholthoff. „Wir finden keine Worte für das, was damals mitten in der deutschen Gesellschaft geschehen ist. Schweigen aus Ohnmacht, aus Respekt vor den Opfern, aus Scham, weil jedes Wort so weit hinter erlittenem Leid zurückbleiben muss. Und doch haben wir zu reden. Weil wir gerade das den Kindern, Frauen und Männern schuldig sind, denen damals so großes Unrecht widerfuhr.“

„Wir haben zu reden, haben Worte für das zu finden, was uns am heutigen Tag ein so großes Anliegen ist“, mahnt Michael Ostholthoff. „Wir wollen die Erinnerung wachhalten, zuerst an die Menschen, die aus ihrem Leben gerissen wurden. Wir wollen erinnern an Unrecht und Verbrechen. Und wir wollen uns zurufen: So etwas darf nie wieder geschehen! Als gesamte Gesellschaft müssen wir uns dafür sensibilisieren, wo mit Hass und Hetze gegen Menschen polemisiert wird. Wir müssen den Mut haben, Unrecht auch als solches zu benennen.“

Das Unrecht beim Namen nennen

Wie fragil unser demokratisches Zusammenleben ist, hatten die Ereignisse der vergangenen Wochen in den USA gezeigt. Eine Politik, die Andersdenkende und Anderslebende als Feinde brandmarke, untergrabe die Fundamente unserer Verfassung. „Der Ort eines jüdischen Friedhofes in unserer Stadt ist ein stummer Zeuge dafür, wohin Hass und Hetze unser Zusammenleben in kürzester Zeit eskalieren können“, schreibt Michael Ostholthoff. „Deshalb ist das Schweigen am heutigen Tag keine Alternative. Wir haben die Toten zu ehren und das Unrecht damals wie heute beim Namen zu nennen. In der Zeit des Holocaust wurden Menschen in Haltern mundtot gemacht und ihrer Rechte beraubt. Wir geben ihnen am heutigen Tag unsere Stimme und das Versprechen, sie nicht zu vergessen!“

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