Anne Schlorff, Hannah Weber und Julia Osemannn freuen sich mit Kindern über den neuen Elefantenspielplatz. Der Nachbar hat indes den Zaun höher ziehen lassen. © Ingrid Wielens
Elefantenspielplatz

Zaun erhöht: In Sythen ist ein Streit um Spielplatz-Lärm entbrannt

Bei Kinderlärm ist Streit oft vorprogrammiert. Nach Bürgerbeschwerden hat die Stadt die Öffnungszeiten für einen Spielplatz in Sythen geändert. Mütter fühlen sich von diesem Vorgehen überrumpelt.

Seit Mai wird auf dem „Elefantenspielplatz“ in Sythen am Reiherhorst wieder getobt. Die Stadt freut sich, dass das Gelände nach der Renovierung „so gut von den Bürgern aufgenommen wird“, heißt es in einer Mitteilung. Zugleich beschränkt sie jetzt die Öffnungszeiten. Nach Bürgerbeschwerden sei dieser Schritt erforderlich geworden, heißt es auf Anfrage.

Die neuen Öffnungszeiten des Elefantenspielplatzes sind am Eingang nachzulesen.
Die neuen Öffnungszeiten des Elefantenspielplatzes sind am Eingang nachzulesen. © Ingrid Wielens © Ingrid Wielens

Mit dem hohen Besucheraufkommen gehe auch eine gesteigerte Geräuschkulisse im Wohngebiet einher. Daher seien die Zeiten „angepasst“ worden. „Benutzung bis Einbruch der Dunkelheit, spätestens bis 19 Uhr“ liest der Spielplatzbesucher nun am Eingang auf einem Schild. Das ruft die Mütter auf den Plan, die sich hier regelmäßig mit ihren Kindern aufhalten. Sie fühlen sich von der städtischen Anordnung überrannt.

„Von uns wurde niemand angesprochen“

„Warum hat niemand mit uns gesprochen?“, fragt beispielsweise Julia Osemann, die in unmittelbarer Nähe des Geländes wohnt. „Kinder machen Krach und das sollen sie ja auch“, stellt die Mutter zweier Kinder fest. Aber natürlich müsse man auch Rücksicht aufeinander nehmen. Nur müsse man eben auch darüber sprechen, wenn es Probleme gibt. „Von uns wurde aber niemand angesprochen“, stellt Julia Osemann fest. Mit „uns“ meint sie die Mütter aus dem Wohngebiet, die sich nun beschweren.

„Diese Entscheidung ist nicht kinderfreundlich“, ärgert sich Anne Schlorff. Im Winter sei es schon sehr früh dunkel. „Dann müssen wir ja spätestens um 16.30 Uhr den Platz verlassen.“ Anne Schlorff ist oft mit ihren zwei Kleinkindern und dem Baby auf dem Elefantenspielplatz . Sie ist enttäuscht: „Ich hätte mir mehr Verständnis von der Stadt gewünscht.“

Einige wenige wiegeln offenbar auf

Die Sythenerin ist in der Siedlung am Reiherhorst groß geworden. „Der Spielplatz war immer schon da, es war immer schon laut und die Nachbarn sind auch keine Neuzugezogenen“, sagt sie. „Es ärgert uns, dass einige wenige versuchen, auch andere Anwohner gegen den Kinderlärm aufzubringen.“

Rund 50.000 Euro hat der neue Holzelefant die Stadt gekostet. Jetzt ist ein Streit um Spielplatzlärm in Sythen entbrannt. © Ingrid Wielens © Ingrid Wielens

Das haben die Frauen nach eigener Aussage erlebt. Sie sprechen von maximal drei Kritikern. Der Großteil der Nachbarschaft hat demnach nichts gegen den Spielplatzlärm. „Viele Anwohner distanzieren sich von dem Vorgehen und bringen uns gegenüber ihr Wohlwollen zum Ausdruck“, erklärt Hannah Weber.

Treffen mit dem Bürgermeister

Mitte Juli habe es ein klärendes Gespräch zwischen ein paar Anwohnern, Vertretern des angrenzenden Naturkindergartens „Glückspilze“ und dem Bürgermeister gegeben. Dabei sei es um die Parksituation und den Kindergarten-Lärm gegangen, erklärt Hannah Weber, die auch Mitglied der Elterninitiative des Kindergartens ist. Danach hätten die drei Anwohner noch allein mit dem Bürgermeister über die Situation auf dem Elefantenspielplatz gesprochen. Auch die Stadt bestätigt, dass unabhängig vom Treffen mit Kita und Anwohnern noch über die Lärmsituation gesprochen worden sei. Die Mütter, die sich oft dort aufhalten, waren allerdings nicht zu diesem Treffen eingeladen worden. Wenige Tage später reagierte der Bürgermeister dann.

„Größere Grundschulkinder werden ausgegrenzt“

„Die Öffnungszeiten stoßen uns sauer auf“, betont Hannah Weber. Die Stadt erklärt: „Es ergibt sich eigentlich von selbst, dass ein Spielplatz von (Klein-)Kindern nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr genutzt werden soll, auch um mögliche Verletzungen zu verhindern.“ Die späteste Schließung um 19 Uhr diene der gegenseitigen Rücksichtnahme.

„Größere Grundschulkinder wurden aber nun komplett ausgegrenzt“, kontert Weber. Diese hätten sich in der Vergangenheit ab und zu auf dem Spielplatz getroffen. Offenbar kletterten sie dabei auch auf den Kopf des Holzelefanten. Nur so erklärt sich der Hinweis der Stadt in der Mitteilung „auf die richtige Nutzung des Elefanten-Klettergerüstes“. Kopf und Rücken seien nicht zum Klettern geeignet.

Nachbar zieht Zaun mit Hilfe der Stadt höher

Der Zaun zum Eigentümer des an den Elefanten angrenzenden Grundstücks wurde inzwischen höher gezogen. Die Stadt beteiligte sich nicht nur an den Kosten, wie Stadtsprecher Thomas Gerlach bestätigte. Städtische Mitarbeiter montierten den Zaun auch, haben Anwohner beobachtet. Der Sythener fühlte sich offenbar gestört.

Julia Osemann und Anne Schlorff sind einmal von einer Anwohnerin angegangen worden. „Man kann ja gar nicht in Ruhe auf der Terrasse Kaffee trinken“, habe die Frau sie nachmittags angeschrien. „Warum kann man nicht vernünftig darüber reden“, fragt Osemann. Und bedauert, „dass die Stadt einfach so reagiert hat“. Weitere Gespräche in dieser Angelegenheit sind unterdessen nicht vorgesehen, erklärt Stadtsprecher Thomas Gerlach. Es stehe jedoch jedem Bürger offen, in die Bürgermeistersprechstunde zu kommen.

Über die Autorin
Redaktion Haltern
Geboren in Dülmen, Journalistin, seit 1992 im Medienhaus Lensing - von Münster (Münstersche Zeitung) über Dortmund (Mantelredaktion Ruhr Nachrichten) nach Haltern am See. Diplom-Pädagogin und überzeugte Münsterländerin. Begeistert sich für die Menschen und das Geschehen vor Ort.
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Ingrid Wielens

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