Müll, der Waldbrände entfachen kann: „Das macht mich rasend wütend“

mlzAltglas im Wald

Die Waldbrandgefahr hat Stufe 4 von 5 erreicht. Das scheint einige Waldbesucher aber nicht zu interessieren. Wie jetzt in Holtwick, wo eine Halternerin einen Haufen Altglas entdeckte.

Haltern

, 25.07.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Waldbrandgefahr in Haltern und Umgebung hat Stufe 4 von 5 erreicht. Ebenso hoch ist der sogenannte Graslandfeuerindex - die Gefahr also, dass Gelände mit abgestorbenen Gräsern schnell Feuer fangen können. Erst am Dienstag war die Feuerwehr zu mehreren Flächenbränden im südlichen Dülmener Stadtgebiet ausgerückt. Die angespannte Wetterlage scheint Waldbesucher in Haltern aber trotzdem nicht davon abzuhalten, sich fahrlässig im Wald zu verhalten. Wie jetzt am Wanderparkplatz Holtwick.

Als die Halternerin Anika Stock hier am vergangenen Freitag mit ihrem Hund zum Gassigehen unterwegs war, konnte sie ihren Augen kaum trauen. Da im Gebüsch vor ihrem Auto lag ein kleiner Haufen Altgläser: „Und das Ganze bei dem Wetter“, sagt Stock. „Das macht mich rasend wütend.“

Müll, der Waldbrände entfachen kann: „Das macht mich rasend wütend“

Anika Stock hat am Freitag diesen Altglas-Haufen im Wald am Wanderparkplatz Holtwick gefunden. © Anika Stock

Das Problem ist der sogenannte Brennglas-Effekt. Sonnenlicht, das in das Glas einfällt, wird gebündelt und kann trockene Blätter oder Gräser in Brand setzen. Auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe warnt die Waldbesucher eindringlich davor, beispielsweise Glasflaschen im Wald zurückzulassen.

„Man findet immer wieder Glassplitter im Wald“

„Man findet immer mal wieder Glassplitter im Wald, auch an Brennstellen“, sagt Werner Schulte, Leiter der Feuer- und Rettungswache in Haltern am See. „Ob die aber dann ursächlich für einen Brand sind, ist fraglich. Dass durch Glas Brände zustande kommen, ist unstrittig.“ Wie oft dies der Fall sei, sei nicht zu beziffern, da nach einem Waldbrand in der Regel nicht wie bei etwa einem Wohnungsbrand eine weitreichende Ursachenermittlung durch ein Kriminalkommissariat durchgeführt werde.

Müll, der Waldbrände entfachen kann: „Das macht mich rasend wütend“

Dieser Rettungspunkt befindet sich in der Haard in Haltern. © Archiv

Für Waldbesucher gilt: Wer Rauch entdeckt, sollte schnellstmöglich die Feuerwehr alarmieren. Rettungspunkte in der Haard und der Hohen Mark dienen dabei als Orientierungshilfe für den eigenen Standort und können an die Feuerwehr weitergegeben werden. Dadurch kann ein Brand im Zweifel schneller lokalisiert werden.

Verhalten im Wald

Diese Dinge können Brände im Wald und auf Grasflächen auslösen

  • Offene Feuer
  • Rauchen
  • Glasflaschen und -behälter
  • Fahrzeuge auf trockenen Wald- und Grasflächen: Durch erhitzte Teile wie den Auspuff können Brände entstehen

Die Rettungspunkte sind Schilder mit einer Buchstaben- und Zahlenkombination, die den genauen Standort benennt. Unterstützung bietet auch die Smartphone-App „Hilfe im Wald“. Sie zeigt den nächstgelegenen Rettungspunkt über die GPS-Ortung des Telefons an. Die Haard und die Hohe Mark seien mit ihren großen Kiefernbeständen und den oft sandigen Böden besonders waldbrandgefährdet, sagte der Regionalverband Ruhr dazu bereits im vergangenen Jahr.

Anika Stock hat den Glashaufen im Wald bei Holtwick eingesammelt und entsorgt. In den Altglascontainer, der sich 200 Meter weiter am Lünzumer Weg befindet. Dass jemand in den Wald fährt, um hier seinen Müll abzuladen, kann die Halternerin nicht verstehen.

Kommentar

Wie schwer kann es sein?

Jedes Jahr, wenn es auf den Sommer zugeht, bereiten wir in der Redaktion uns schon darauf vor, dass es täglich soweit sein kann: Ein Waldbrand bricht aus. Und dann ist es meist auch nur der erste von vielen. Jedes Jahr schreiben wir über Flächen, die abgebrannt sind, Feuerwehrkräfte, die teils über Stunden mit dem Löschen von brennenden Landschaften beschäftigt sind und auch darüber, was man in dieser trockenen Zeit auf keinen Fall tun sollte. Grünstreifen an Straßen bis hin zu Tausenden Quadratmetern Wiese oder Böschung brannten in der Vergangenheit bereits. Und warum? Durch eine achtlos weggeworfene Zigarette? Oder möglicherweise Glas? Bei einem Brand am Silbersee im vergangenen Jahr konnte die Feuerwehr nach stundenlangem Löschen die Überreste von vier bis fünf (!) Einweggrills ausfindig machen. Vor allem im Wald sind die Brände dabei oft schwer zu lokalisieren. Auch ohne vorhandene Wege bis zur Feuerstelle zu kommen, gestaltet sich manchmal durchaus schwierig. Und dabei ist es immer ein Rennen gegen die Zeit. Wie schwer, oder vielleicht besser, wie egal kann es einem sein, dass nicht nur ganze Flächen abbrennen und Feuerwehrkräfte ihr Leben für einen absolut vermeidbaren Brand aufs Spiel setzen müssen, sondern im schlimmsten Fall auch Mensch und Tier dabei sterben? Es gibt eine simple Regel: Feuer + Trockenheit = Gefahr. Jedes Jahr erzählen uns ungläubige RVR-Förster, wie ihnen im Sommer rauchende Waldspaziergänger entgegenkommen und sie diese abmahnen. Liebe künftige Pyromanen, fangt bitte, bitte, bitte an, mitzudenken! Denn die Kosten für die eigene Fahrlässigkeit tragen im schlimmsten Fall die anderen!
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