Zu viel Wissen belastet nur

Haltern Da steht er nun im roten Hemd. Ein Grinsen im Gesicht. Irgendwo zwischen verschmitzt und verschämt.

14.09.2007, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seine ersten Sätze wirken fast ein wenig ungelenk. Aber das gehört schon zum Programm. Horst Evers hat durchaus schauspielerisches Talent, aber das zeigt er erst später. Er will die Herzen des Publikums gar nicht im Sturm erobern, sondern es zum Zuhören zwingen. Nur so erschließt sich die Welt und der Witz des Berliners.

Die Gäste der Kulturboitel-Veranstaltung im Trigon wollten hören und fühlen. Mitfühlen mit der Figur, die an einem heißen Sommertag eingeseift unter der Dusche steht, als plötzlich das Wasser im Haus abgedreht wird. Der Versuch, mit Orangensaft die Haare auszuspülen, misslingt ebenso wie das Kaffeekochen mit der letzten Flasche Bier. Das sind die Tage, an den man nach draußen schaut und sich nach Regen sehnt. Die Zuhörer spüren es fast körperlich.

Viele Preise

Es sind diese skurrilen Alltagsgeschichten, mit denen Horst Evers Auszeichnungen und Preise sammelt und die auch die Jury des Kiep im März 2006 überzeugte. Zum Auftakt der Kulturboitel-Saison 2007/2008 präsentierte er erstmals sein komplettes Programm "Gefühltes Wissen" in Haltern. Wer unbeschwert durchs Leben gehen will, sollte nicht zu viel wissen. Eine Erkenntnis, die Evers mühelos mit einer kleinen Geschichte belegt. Sorglos sei er mit seinem Auto durch die Gegend gefahren, bis es ein Fachmann in die Finger bekommen habe. "Au, au", habe der nur gesagt: "Dass das Ding überhaupt noch fährt."

U-Bahn

Aber Horst Evers fährt sowieso lieber mit der U-Bahn durch seine Heimatstadt Berlin. Was passiert, wenn ein Kunde des öffentlichen Nahverkehrs eine Arbeitsplatte aus dem Baumarkt abtransportieren will, das entwickelte sich zu einer höchst amüsanten Geschichte, die darin gipfelte, dass Evers mit zwei Arbeitsplattenstücken im Park übernachtet und am nächsten Morgen in einem Berg Sperrmüll aufwacht. "Da soll noch jemand sagen, in Berlin bekommt man nichts geschenkt."

Geboren ist Evers allerdings in Diepholz/Niedersachsen, einem Bundesland, dessen Schönheit nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, sondern die man eher von innen erfahren muss. "Man muss sich schon mal die Zeit nehmen und 10 bis 20 Jahre dort leben." Thomas Liedtke

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