Zu wenig Wissen bei der Planung

OLFEN Das Gutachten zu den Kanalunfällen an der Lippebrücke in den Jahren 2005 und 2006 liegt vor. Die Planung entsprach vermutlich nicht den Risiken bei laufendem Schiffsverkehr.

von Von Matthias Münch

, 15.01.2008, 16:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Möglicherweise lagen auch Mängel bei der Bauausführung vor. Fest steht dagegen, dass die Schiffskollision am 11. Oktober 2005 den Kanalbruch nicht verursacht hat.  Dies sind die Kernpunkte einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft Dortmund. Die Behörde formuliert ihre Schlussfolgerungen aus der Expertise vorsichtig und vermeidet Schuldzuweisungen. Das ganze ist kompliziert, weil der „Tatort“ weg geschwemmt wurde. So konnte der eigentliche Unfallhergang im Oktober 2005 nur durch Computersimulationen rekonstruiert werden.

"Risiken waren zum Zeitpinkt der Planung nicht bekannt"

Dabei, so die Staatsanwaltschaft, „ergab sich die Vermutung, dass die Entwurfsplanung, die nach dem damaligem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse korrekt durchgeführt worden war, den Risiken des Bauvorhabens bei laufendem Schiffsverkehr nicht gerecht geworden sein könnte. Die dieser Hypothese zugrunde liegenden Daten sind erst durch das Beweissicherungsverfahren gewonnen worden.  Sie waren zum Zeitpunkt der Planung nicht bekannt.“ Außerdem, so die Staatsanwaltschaft, fanden die Sachverständigen auch Indizien für einzelne Mängel bei der Bauausführung. In welchem Verhältnis diese möglichen Ursachen zueinander stehen und welchen Einfluss die alte Bausubstanz darauf habe, müsse nun aus juristischer Sicht bewertet werden.

Verantwortung?

Das heißt: Für die Staatsanwälte beginnt jetzt erst die eigentliche Arbeit. Fest steht also noch lange nicht, wer und ob überhaupt jemand angeklagt wird, was Pressestaatsanwältin Dr. Ina Holznagel gegenüber unserer Zeitung bestätigte: „In den Gutachten wurden der Druck und die Strömungsgeschwindigkeiten und deren Auswirkungen auf die Spundwände simuliert. Dadurch ist man also erst nach dem Unfall zu neuen Erkenntnissen gelangt, die vor her nicht vorlagen.“ Deshalb könnte es durchaus sein, dass letztlich niemand zur Verantwortung gezogen werden kann.

Bezüglich möglicher Baumängel so Holznagel, sei der spätere kleine Störfall vom 10. März 2006 an derselben Baustelle, allerdings auf der gegenüber liegenden Südostseite des Kanals, hilfreich gewesen. Weil dabei nicht alles Beweismaterial weg gespült wurde, konnten die Gutachter Baumängel feststellen und Rückschlüsse auf den großen Unfall ziehen. Auch hier sei allerdings noch nicht klar, ob es zu einer Anklage kommt.

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