Zur Reparatur nach Nizza: Kfz-Mechaniker Franz Haverkamp im Ruhestand

44 Jahre „Schrauber“

An seinem ersten Arbeitstag kam er zu spät, danach in 44 Jahren nie wieder: Franz Haverkamp, Kfz-Mechaniker beim Vestischen Reisedienst, ging Ende Juni in den Ruhestand.

Haltern

09.07.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
44 Jahre arbeitete Franz Haverkamp (hier mit Oldtimerbus Eddi) als Kfz-Mechaniker beim Vestischen Reisedienst.

44 Jahre arbeitete Franz Haverkamp (hier mit Oldtimerbus Eddi) als Kfz-Mechaniker beim Vestischen Reisedienst. © Vestischer Reisedienst

44 Jahre lang hat Franz Haverkamp (63) beim Vestischen Reisedienst als Kfz-Mechaniker gearbeitet und einiges erlebt. Ende Juni ging er in den Ruhestand. Ausgerechnet an seinem ersten Arbeitstag kam er zu spät. Zum Eintritt in die Rente blickt er auf eine spannende Zeit zurück, in der er die Busse des Reisedienstes immer reparieren konnte, obwohl gerade zu Beginn die heute so selbstverständliche Technik fehlte.

Dass er schließlich 44 Jahre beim Vestischen Reisedienst bleiben würde, war am ersten Tag noch nicht abzusehen. Franz Haverkamp verspätete sich um 15 Minuten, was der Chef natürlich nicht positiv aufnahm. Doch Haverkamp war auf dem Weg zur Arbeit von der Polizei angehalten worden und wurde mit 20 DM zur Kasse gebeten. Geld hatte er jedoch nicht in der Tasche und so holte sich die Polizei das Geld mittags auf dem Betriebsgelände des Reisedienstes ab. Der einzige Tag in 44 Jahren, an dem Franz Haverkamp zu spät zur Arbeit erschien.

Winterfahrt ohne Windschutzscheibe

Auch die weiteren Arbeitsjahre verliefen teilweise spektakulär, vor allem die 1980-er Jahre. In dieser Zeit war die Technik der Reisebusse noch nicht ausgereift, auch gute Navigationssysteme sowie Notdienstsysteme fehlten. So reiste Haverkamp einmal für ein Wochenende nach Nizza in Frankreich. Dort war ein Bus liegengeblieben und musste repariert werden. Also machte Franz Haverkamp sich Freitagabend auf den Weg, kam Samstagvormittag an und reparierte den Bus, und fuhr Sonntag wieder zurück nach Haltern. Auch an der Mautstelle in Lyon reparierte er schon die Lüfterkupplung eines Reisebusses.

Bei einem anderen Reisebus war die Windschutzscheibe bei einem Unfall komplett zerstört worden. Bei eisigen Temperaturen fuhr Franz Haverkamp also mit dickem Parka und Skibrille los und fuhr den Bus in die nächstgelegene 60 Kilometer entfernte Werkstatt.

WDR drehte eine spektakuläre Reparatur

Sogar im WDR-Fernsehen war Franz Haverkamp schon zu sehen. Der Hydraulikschlauch eines Linienbusses war in Haltern geplatzt, was für ein großes Feuerwehraufgebot sorgte. Dieses wiederum lockte den Westdeutschen Rundfunk an. Der WDR verfolgte den abgeschleppten Bus bis in die Grube auf dem Betriebsgelände und filmte die Reparatur.

Auf 44 ereignisreiche Jahre blickt Franz Haverkamp nun zurück, gerade die internationalen und spontanen Einsätze bleiben in Erinnerung und die Fahrgäste waren froh und dankbar, dass der Bus sicher am Zielort ankam.

Am Abschiedstag wurde in der Werkstatt nicht gearbeitet. Familie Zieger und die Belegschaft bedankten sich für die lange Firmentreue.

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