Abschied von Schnepfen

Brutvögel

Wenn Theo Rosing auf der Terrasse seines Hauses im Südesch steht, kann er auf fast baumloses Grün schauen: die Weiden des Naturschutzgebietes Dinkelniederung – und damit die Kinderstube der Uferschnepfen.

HEEK

von von Sylvia Lüttich-Gür

, 16.08.2011, 18:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dieses Foto einer Uferschnepfe hat Theo Rosing von seinem Haus im Südesch aus gemacht.

Dieses Foto einer Uferschnepfe hat Theo Rosing von seinem Haus im Südesch aus gemacht.

Dass im Moment kein einziger der braunen Watvögel mehr dort auszumachen ist, hat nicht mit dem besorgniserregenden Rückgang der Population in ganz Europa zu tun, sondern mit dem Datum: Die Uferschnepfen haben sich in diesen Tagen mitsamt ihrem Nachwuchs auf den Heimweg in den Senegal gemacht. Eine echte Gewalttour, die die hochbeinigen, braunen Vögel mit einer Spannweite von 75 Zentimeter da machen: „Man hat festgestellt, dass die älteren Uferschnepfen in der Lage sind, den 4500 Kilometer langen Weg ununterbrochen in etwa 72 Stunden zu bewältigen“, sagt Theo Rosing. Sein Fachwissen ist anerkannt – auch bei der Biologischen Station Zwillbrock, die die Dinkelniederung betreut – aufgrund der stark gekürzten Landesmittel allerdings nicht mehr so intensiv wie noch vor Jahren. „Wir können nicht mehr die bis dahin routinemäßigen Bestandserhebungen machen“, so Christoph Rückriem von der Biologischen Station. Daher freue er sich über aufmerksame Naturfreunde wie Theo Rosing. „Jahrelang haben wir in der Dinkelniederung ein bis drei Uferschnepfenpaare beobachtet, die dort brüten“, so Rückriem.

Häufig brüten Uferschnepfenpaare jedes Jahr an derselben Stelle, wie Theo Rosing beobachtet hat. Das Gelege bestehe meistens aus vier Eiern. Bei Uferschnepfen herrscht Gleichberechtigung: Sowohl beim Brüten (22 bis 24 Tage lang) als auch bei der Kükenaufzucht (vier Wochen lang) teilen sich die beiden Altvögel die Arbeit. Wenn Raubvögel ihren so sorgsam gehegten Nachwuchs versuchen anzugreifen, sind es wieder beide Elternteile, die laut rufend schnelle, aggressive Luftangriffe zur Verteidigung fliegen. Die Brutplätze liegen rechtsseitig der Dinkel. Rosing hat immer wieder festgestellt, dass auch Jungvögel, die noch nicht fliegen können, von den Alttieren auf die linke Seite des Flüsschens geführt werden – schwimmend. Sorgen um die Zukunft seiner ebenso seltenen wie eleganten Nachbarn macht sich nicht nur Theo Rosing. „Wir registrieren einen langsamen, aber stetigen Rückgang“, sagt Christoph Rückriem. Das gelte nicht nur für die Brutgebiete in Heek – die Dinkelniederung, die Dinkelwiese und die Dinkeltalung – und für die Brutplätze im Strönfeld und im Amtsvenn, sagt Christoph Rückriem. Er sehe darin eher ein gesamteuropäisches Phänomen. Durch großflächige Umwandlung von Wiesen und Weiden in Ackerland und intensiv bewirtschafteten Weiden nahm der Uferschnepfenbestand insgesamt rapide ab. In den Niederlanden, wo geschätzte 90 Prozent der westeuropäischen Uferschnepfen brüten, sei die Population in den letzten zehn Jahren um mehr als die Hälfte zurückgegangen, weiß Theo Rosing. Auch vom Klimawandel seien die Uferschnepfen betroffen.

Wie genau dagegen zu steuern sei, wissen er und Rückriem auch nicht: „Wir verfügen hier über geeignete Habitat-Flächen, die ausreichend groß sind“, sagt der Biologe. Allerdings gebe es dort – auch in Heek – zu viele Störfaktoren: frei laufende Hunde, wildernde Katzen, Füchse und Marder.  

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