Albert Bömers großer Traum vom Mauerbau

mlzSpahn in Nienborg

Gesundheitsminister Jens Spahn sollte bei einem Ortsbesuch in Nienborg als Unterstützer beim Wiederaufbau der Burganlage gewonnen werden. Gemessen daran wurde der Besuch zum Desaster.

Heek

, 08.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Albert Bömer hat eine Vision. Er will das historische Burggelände in Nienborg wieder aufbauen. So viel wie möglich. Dafür braucht er viel Geld. So viel wie möglich. „Von unten bei der Gemeinde kommt man da nicht weiter, deshalb will ich das von oben angehen“, sagt der Hobbyhistoriker vom Heimatverein Nienborg. Die Gemeinde weiß von seinen Plänen nichts.

Stattdessen habe er diverse Institutionen angeschrieben, unter anderem den LWL, um an Fördermittel zu kommen. Aber Bömer will ganz oben anklopfen – beim Bund. Dabei helfen soll ihm Jens Spahn. Denn als der Gesundheitsminister am Donnerstag den CDU-Kreisverband besuchte, stand auch ein Gang über das alte Burggelände in Nienborg auf dem eng getakteten Zeitplan.

Es ist Bömers Chance, seine Pläne vorzustellen. Als der Minister mit zehn Minuten Verspätung in Nienborg einrollt, wird er von ihm empfangen.

„Ich habe mir lange den Kopf zerbrochen, wie ich Sie ansprechen soll. Herr Minister, Herr Spahn oder einfach Jens?“ „Einfach Jens“, gibt sich Spahn unkompliziert. Das hat schon mal geklappt.

Keine Zeit für Jahreszahlen

Doch als Bömer über die historische Bedeutung Nienborgs referiert, setzt Spahn zur ersten Spitze an: „Warum heißt es denn dann Heek-Nienborg und nicht Nienborg-Heek“, fragt er ketzerisch.

„1764 wurden die Burgmauern abgetragen“, fährt Bömer ungerührt fort. „Die Jahreszahlen kann ich mir sowieso nicht merken“, unterbricht ihn der Minister. Die Zeit ist knapp. Eine halbe Stunde bleibt Spahn in Nienborg, bevor es zum Festakt nach Ahaus geht.

Also geht es von der Vergangenheit direkt zur Zukunftsvision. „Es ist mein Bestreben, hier Radtouristen anzulocken“, so Bömer. Davon kämen schließlich genug in die Region und Nienborg sehe er dabei als „Zentrale für das Münsterland“.

Albert Bömers großer Traum vom Mauerbau

Albert Bömer stellte dem Bundesminister seine Pläne vor. © Falko Bastos

Da gebe es nur ein Problem: „Es kommt mir manchmal vor, als wäre hier alles ausgestorben.“ Es fehle an gastronomischen Angeboten für Touristen. „Ohne Kundschaft?“, fragt Spahn. Die Grundlage für alles sei eben der Wiederaufbau der Burganlage, meint Bömer. Originalgetreu. Das heißt: fast 10 Meter hoch. Inklusive Türmen. „Türme wieder aufbauen? Und die Mauer soll einmal rumgehen?“, fragt Spahn ungläubig.

Als er die Summe hört, muss Spahn lachen

„Das muss nur noch einer bezahlen“, ahnt er. Viele Unterstützer seien schon auf seiner Seite, entgegnet Bömer. „Ja klar, solange die nichts zahlen müssen“, antwortet der Minister. „Was kostet der Spaß denn?“„Knapp 10 Millionen“ schweben Bömer vor. Der Rest geht in Spahns Gelächter unter.

„Ich will Sie nicht abhalten“, wird er wieder ernst. „Wenn die Gemeinde das bezahlen will.“

Aber Bömer denkt größer. „Mit Kleckerbeträgen können wir nichts erreichen.“ Es müsse doch im Rahmen der Denkmalpflege möglich sein...“ „Denkmalpflege heißt ja in erster Linie die Erhaltung vorhandener Denkmäler“, nimmt ihm Spahn den Wind aus den Segeln. „Gibt es denn noch eine kleine Variante?“, fragt er. „Wir müssen das große Ganze anpacken“, findet Bömer. „Also nee“, folgert der Minister. Er wolle keine Dinge in Aussicht stellen, die nicht realistisch sind.

„Aber Sie sitzen doch in der Bundesregierung. Sie können da doch was machen“, sagt Bömer mit dem Mute der Verzweiflung. „Aber für die Denkmalpflege ist nicht das Gesundheitsministerium zuständig“, kontert Spahn.

Bessere Statik durch die Mauer

Bömer: „Davon würde auch Ottenstein profitieren.“ Spahn: „In Ottenstein stand auch mal eine Burg. Wenn wir die wiederaufgebaut haben, dann bauen wir hier auch.“

Es sieht nicht gut aus für Bömers Pläne. Aber vielleicht findet sich ja doch noch ein Ansatzpunkt. Eine Mauer würde auch Geld sparen, meint er. Die Statik des hohen Hauses sei durch die fehlende Mauer eingeschränkt, was regelmäßig enorme Reparaturkosten verursache. „Das müssen Sie verknüpfen, wenn sie über die Denkmalpflege etwas erreichen möchten“, gibt ihm Spahn mit auf den Weg, bevor er abfährt.

Aber so ganz will Bömer sich von seinem Traum nicht verabschieden. Ihm strebt ein kleiner historischer Markt vor, mit gastronomischen Angeboten. „Das klingt vielleicht verrückt. Aber Neuschwanstein zu bauen war auch verrückt – und heute ist es ein Touristenmagnet.“

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