Alte Molkerei muss weichen

HEEK Es ist ein regnerischer Nachmittag, als die Abrissbagger anrollen. Mechthild Mensing-Raschper, Initiatorin der Unterschriftenaktion für den Erhalt der alten Molkerei, versucht verzweifelt, alle Hebel in Bewegung zu setzen - zu spät: Die Baggerschaufel setzt am Dach des Gebäudes an, fast 100 Jahre Industriegeschichte werden Zug um Zug vernichtet.

11.03.2009, 16:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Allein der alte Schornstein soll als sichtbares Zeichen erhalten bleiben. Mechthild Mensing-Raschper nennt dieses Andenken "lächerlich". Ihre Listen, in die sich bereits mehrere hundert Heeker Bürger eingetragen haben, liegen noch an vielen Stellen im Ort öffentlich aus - inzwischen gegenstandslos. Sie ist entsetzt und kann einfach nicht verstehen, "dass nichts für den Erhalt des Dampfkessels mitsamt Öltank der Heeker Molkerei spricht". Auch den Erhalt des Wohnhauses der Familie Borgesholtförster hält sie für ein Muss und erhebt schwere Vorwürfe: "Ich sehe im aktuellen Geschehen eine große Unterlassungssünde von Seiten des Rates der Gemeinde Heek." Vor diesem Gremium hatte sie noch am Montagabend in einer Sitzungsunterbrechung vorgesprochen und für ihr Anliegen geworben. Das Problem: Der Gemeinde als Nichteigentümerin der Fläche waren zu dem Zeitpunkt längst die Hände gebunden, denn bei der Firma Prokonzept, die das Projekt "Nahversorgungszentrum am Gabelpunkt" betreut, war die beim Kreis beantragte Abrissgenehmigung bereits eingegangen. Ein Rechtsanspruch auf Erhalt bestehe nicht, da das Objekt nicht unter Denkmalschutz stehe, erläuterte Bürgermeister Zwicker. Der Rat kam überein, den Antrag Mensing-Raschpers als Einwand im Rahmen der "Frühzeitigen Bürgerbeteiligung" zu werten - ein Vorgang, der nun ins Leere läuft. mel Dauer: Die Abbrucharbeiten dauern nach Schätzungen des Bauamtes vier bis sechs Wochen. Umfang: Neben der alten Molkerei lässt der Eigentümer und Investor des künftigen Einzelhandelszentrums Gabelpunkt, die Firma Prokonzept, auch den Bahnhof und die Gebäude der inzwischen ins Industriegebiet West umgezogenen Genossenschaft abreißen. Asbest: zu Beginn der Abbrucharbeiten an allen drei Objekten entfernen die Mitarbeiter der Abbruchfirma die Eternitplatten von den Dächern und – im Fall der Genossenschaft – von den Fassaden. Das einst wegen seiner Isolationsfähigkeit verwendeten Baumaterial ist asbesthaltig und muss als Sondermüll entsorgt werden. Gefahren für die Anwohner bestünden nicht, so das Bauamt, da die Platten lediglich abgenommen, aber nicht etwa zersägt würden.   Aufbau: Einige Wochen wird das Gelände kahl bleiben. Mit dem Beginn des Aufbaus des neuen Einzelhandelszentrums bestehend aus einem Lidl, einem weiteren Einzelhandel, einer Apotheke, einem Textil-Discounter und dem Parkplatz ist während der Sommerferien zu rechnen. sy-

    

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