Am liebsten reicht Peter Pater Joy den Kelch

Messdiener mit Downsyndrom

Pater Joy weiß: Er kann sich auf Peter Holtkamp verlassen. "Peter ist der Chef hier", sagt Pater Joy in der Sakristei schmunzelnd und streicht dem Elfjährigen über die rechte Schulter. Peter Holtkamp ist Messdiener in der St.-Peter-und-Paul-Kirche - und hat das Downsyndrom.

HEEK

01.04.2016, 18:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Messdiener Peter Holtkamp hat  viel Freude an seinem Ehrenamt als Messdiener.

Messdiener Peter Holtkamp hat viel Freude an seinem Ehrenamt als Messdiener.

An diesem Morgen übernimmt er die Aufgabe, Pater Joy bei der Wandlung den Kelch zu reichen. "Das mache ich am liebsten", sagt Peter. Es ist die Aufgabe, bei der er am meisten dem Priester zuarbeitet. Und damit auch am meisten im Blickfeld der Gläubigen steht. Jeder Fehler fiele hier sofort auf. Doch dem Jungen aus der Bauerschaft Callenbeck unterläuft kein Fehler. Er kennt die Liturgie aus dem Effeff.

Zu Hause übt er schon mal. Dann deckt der Elfjährige in seinem Zimmer den Tisch und stellt die Situation nach. "Am liebsten zieht er sich dabei einen Mantel an", sagt Vater Bernhard Holtkamp lächelnd. Dann übernimmt der Sohn gerne mal die Rolle des Priesters.

Übung ist gefragt

Was anderen Messdienern leicht von der Hand geht, hat sich Peter Holtkamp intensiv aneignen müssen. "Küsterin Petra Broosch hat extra mit ihm geübt", sagt Elisabeth Holtkamp. Die 48-jährige Mutter arbeitet als Pfarrsekretärin und kann so Einfluss auf die Messdiener-Einteilung nehmen.

Meistens versieht der Elfjährige donnerstagabends seinen Dienst am Altar, in den Ferien aber auch schon mal morgens. Dann muss er nicht zur Montessori-Schule nach Ahaus, die seine Eltern mitgegründet haben.

Für den Schüler stand früh fest, dass er seinen älteren Brüdern Felix (17) und Anton (16) als Messdiener nacheifern wollte. "Ich will jetzt auch", hatte Peter Holtkamp seiner Mutter direkt nach seiner eigenen ersten heiligen Kommunion gesagt.

Einkleidung

Und er kann es. An diesem Morgen ist Peter schon um kurz nach acht da. Petra Broosch hält ihm den violetten Rock hin, um die richtige Größe auszuwählen. Auch den später eintrudelnden Eva Terwolbeck, Luis Waltermann und Karla Stöcker-Herbers reichen die Küsterinnen Petra Broosch und Birgit Hericks die Kleidung. Zum Schluss gibt's noch das Kreuz zum Umhängen.

In der Messe singt Peter nach besten Kräften mit, blättert dabei im Gotteslob, auch wenn er nicht richtig lesen kann. Der Elfjährige ist mit Feuereifer bei der Sache. Einmal mit etwas zu viel Eifer: Während des Gesangs schwingt er seinen rechten Arm, als dirigiere er den Chor. Aber alles andere meistert er. Nach der Messe segnet Pater Joy in der Sakristei noch einmal alle Beteiligten. Dann zieht auch Peter Holtkamp seine Sachen aus und verschwindet durch die Hintertür - bis zum nächsten Mal.

 

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