Außengestaltung Bürgerhaus: Schlammschlacht geht in die nächste Runde

mlzEppingscher Hof

Der Eppingsche Hof ist ein zentraler Orte in Heek. Seit Jahren steht eine Umgestaltung im Raum. Doch anstatt die Sache gemeinsam anzugehen, beschießen sich SPD und CDU mit Giftpfeilen.

Heek

, 26.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Angelegenheit ist zäher als jeder Kaugummi und längst zu einer politischen Schlammschlacht geworden – die Umgestaltung des Eppingschen Hofes. Innen- und Außenbereich sind die primären Bausteine. Auch der angrenzende Marktplatz soll neu konzipiert werden. Doch so wie die politischen Diskussionen jüngst im Bauausschuss und Gemeinderat verlaufen sind, ist eine schnelle Realisierung weiter entfernt denn je.

Es flogen etliche Giftpfeile in der jüngsten Ratssitzung. So stellte Hermann-Josef Schepers (SPD) klar: „Das ist von Ihnen (in Richtung CDU - d. Red.) politisch einfach nicht gewollt. Punkt. Sagen Sie das doch einfach mal!“ Und Schepers legte nach: „Sie werden am Ende alles durchwinken, aber nicht mehr in dieser Legislaturperiode!“ Ob dem tatsächlich so ist? Noch Spekulation. Erst die kommenden Wochen werden es zeigen.

Es ist ein politischer Machtkampf

Schepers dürfte damit auf den Fakt angespielt haben, dass die CDU sich dieses „Scheitern“ im Wahlkampf zu nutzen machen könnte, um den amtierenden Bürgermeister damit anzugreifen. Immerhin wirbt dessen Herausforder Markus Janning (CDU) ganz offensiv damit, dass er den Bereich bei einem Wahlsieg mit einem Gesamtkonzept umgestalten will.

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Im Gegenzug kämpft Franz-Josef Weilinghoff seit der Wahl zum Bürgermeister 2014 in der CDU-Hochburg Heek für die Umgestaltung des Marktplatzes. Ein Baustein dieses Konzeptes ist auch die Umgestaltung des Außenbereiches vom Eppingschen Hof. Jenem Ort, der für viele Heeker eine große Bedeutung hat.

Passiert ist bisher praktisch nichts

Doch passiert ist bisher praktisch nichts. Bürgermeister und Verwaltung werden immer wieder aufs Neue von der Politik ausgebremst. Dabei, so viel ist klar, votierte die SPD klar für eine zeitige Umgestaltung, während die CDU stets Gründe parat hatte, warum die Sache noch nicht angegangen werden könne. Wohlgemerkt: Ein Förderbescheid über 62.500 Euro für den ersten Bauabschnitt Marktplatz liegt längst vor.


Doch über allem thront bei den Christdemokraten der Vorwurf, es läge kein Gesamtkonzept vor und die Vereine seien nicht ausreichend berücksichtigt worden. Stichwort Bürgerbeteiligung. Dazu sagte Jörg Rosery (CDU) im Ausschuss: „Wir können froh sein, dass wir noch nichts gemacht haben.“

Für die Vereine ist der Innenbereich am wichtigsten

So weit so gut. Fakt ist, dass der Vorsitzende des Heimat- und Schützenvereins Ralf Münstermann im Ausschuss der Verwaltung eine Unterschriftenliste von Vereinsmitglieder überreichte, die das Bürgerhaus nutzen. Und er sagte dazu: „Für uns hat die Innengestaltung Vorrang.“

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Dazu gehören unter anderem die Renovierung des Bestandes wie Tenne und Toiletten. Aber auch über die Notwendigkeit eines Anbaus am Giebel des Bürgerhauses wurde debattiert. Ob das mit Blick auf den Denkmalschutz überhaupt möglich ist, seht noch mal auf einem ganz anderem Blatt. Dies wird die Verwaltung nun prüfen. Immerhin darauf einigten sich die Parteien im Rat.

Sanierungskonzept auf die Beine stellen

Ebenso wurde politisch abgesegnet, dass die Verwaltung zusammen mit den Vereinen ein Sanierungskonzept auf die Beine stellen soll und dieses zu den Haushaltsplanungen 2021 vorlegen solle. Heißt im Umkehrschluss, dass kurzfristig gar nichts passieren wird. Mal abgesehen von den mobilen Blumeninseln, welche die Verwaltung als Statement auf dem Marktplatz hat aufstellen lassen.

Diese mobilen Blumeninsel ließ die Verwaltung schon vor Wochen auf dem Marktplatz aufstellen, um zu zeigen: Wir wollen und können den Platz gestalten.

Diese mobilen Blumeninsel ließ die Verwaltung schon vor Wochen auf dem Marktplatz aufstellen, um zu zeigen: Wir wollen und können den Platz gestalten. © Markus Gehring

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Der CDU-Fraktionsvorsitzende Walter Niemeyer bezog übrigens wie folgt Stellung zu den Vorwürfen der SPD: „Wir wehren uns gegen den Vorwurf, alles zu blockieren. Wir sollten jetzt die Bürgerbeteiligung durchführen und dann weitersehen.“

Frust macht sich spürbar breit

Die Verwaltung merkt dazu an, dass eine solche Bürgerveranstaltung bereits stattgefunden habe. Allerdings mit nur wenig Interessierten. „Leider“, so der Bürgermeister. Dass es jetzt aber mehr oder weniger mal wieder „Sackgasse“ heißt, hinterließ dann doch Frust beim Gemeindeoberhaupt.

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„Alle aus der Verwaltung geben sich die größte Mühe, aber wir kommen so nicht vorwärts. Wir müssen hier inhaltlich arbeiten und diskutieren und dürfen daraus keine politische Diskussion machen. Wenn man etwas nicht möchte, muss man das einfach sagen.“

CDU stimmt geschlossen dagegen

Und das mit dem nicht wollen - zumindest für den Moment - manifestiert sich an Punkt drei des Beschlussvorschlages im Rat, in dem es heißt: „Die Verwaltung wird beauftragt, die Ausführungsplanung zur Gestaltung der Außenanlage zu beauftragen, falls die Erweiterung des Eppinschen Hofes hiermit nicht kollidiert.“

Abstimmungsergebnis: Die SPD stimmte geschlossen dafür, die CDU geschlossen dagegen. Damit war das Thema vom Tisch. Mal wieder. Und damit bis zur Kommunalwahl im September wohl endgültig.

Ein Kommentar von Redakteur Till Goerke: Seit Jahren wird über eine Umgestaltung des Marktplatzes und des Bürgerhauses debattiert. Passiert ist bisher nichts. SPD- und CDU-Ortsfraktion kamen einfach nicht auf einen Nenner. Traurig. Mehr noch: ein Armutszeugnis der ersten Güte. Vor allem, weil schon seit Monaten die sachliche Diskussionsebene verlassen wurde. Viel mehr erinnert der politische Machtkampf an den Streit zweier Kinder im Sandkasten um die Schaufel. Leidtragende sind alle in der Verwaltung, die bisher nichts unversucht ließen, die Sache auf den Weg zu bringen. Nicht zu vergessen die Bürger und Vereine, die das Bürgerhaus nutzen. Und sollte dieses Thema im Wahlkampf vor der Kommunalwahl am 13. September von irgendeiner Seite politisch instrumentalisiert werden, wäre dies das allergrößte Armutszeugnis.
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