Bischof Lucio Alfert kämpft vor Ort für Überschwemmungsopfer in Paraguay

mlzHeeker in Paraguay

Der in Heek geborene Bischof Lucio Alfert schlägt Alarm. Denn in seiner Wahlheimat Paraguay wird eine Überschwemmung zur Katastrophe. Er kämpft für die Opfer und wünscht sich Unterstützung.

Heek

, 28.05.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 47 Jahren lebt Lucio Alfert in Paraguay, seit 33 Jahren ist er dort als Bischof tätig. „Aber so schlimm habe ich es hier noch nie gesehen“, sagt der 77-Jährige, der in Heek als Ludger Alfert zur Welt kam. Denn seine Wahlheimat ist derzeit fast vollständig überschwemmt. „Das ist eine totale Katastrophe“, so Alfert. „Auf einer Länge von 350 Kilometern sieht man nur Wasser.“

Wochenlange Regenfälle hatten den Chaco, ein Gebiet, das sich über den gesamten Westen des Landes erstreckt, heimgesucht. „Auch viele andere Landesteile sind überschwemmt“, berichtet der Bischof.

Bischof Lucio Alfert kämpft vor Ort für Überschwemmungsopfer in Paraguay

Problematisch ist vor allem der Transport der Hilfsgüter. © Privat

Hilfe zu organisieren, ist in dem dünn besiedelten Gebiet extrem schwierig. „Hunderte Familien können nicht mehr mit Wasser und Lebensmitteln versorgt werden“, erklärt er. Denn: Fast alle Wege in der Gegend sind durch die Überschwemmung unbefahrbar geworden. Die Bevölkerung, die zur Hälfte aus Indio-Gruppen besteht, wohnt weit verstreut. „Unsere Diözese ist so groß wie ein Drittel Deutschlands. Aber die Region ist dünn besiedelt.“ 75.000 Menschen auf 125.000 Quadratkilometern.

Viele Dörfer seien vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten und nur per Hubschrauber zu erreichen, berichtet Alfert. Besonders an Lebensmitteln und Trinkwasser fehlte es. „Die Leute leben im Wasser, aber haben kein Trinkwasser.“

„Vielleicht wird alles noch schlimmer“

Die Überschwemmung trifft vor allem die Ärmsten in der Bevölkerung. „Die meisten Leute arbeiten auf den Farmen der Großgrundbesitzer und verlieren ihre Arbeit. Dann haben sie überhaupt nichts mehr“, so Alfert.

Vor Ort versucht der Bischof, Hilfe zu organisieren. „Wir sammeln Lebensmittel, Trinkwasser und Kleidung und versuchen mit den Regierungsstellen, die Sachen zu den Leuten zu bringen.“ Das aber sei praktisch kaum umzusetzen. „Selbst Traktoren bleiben im Schlamm stecken.“ Zu Fuß seien die Entfernungen von bis zu 100 Kilometern nicht zu bewältigen. Und im Umkreis von 200 Kilometern gibt es kein Krankenhaus.

Ein Ende der Katastrophe ist nicht in Sicht. „Heute ist wieder Regen angekündigt“, sagt Alfert am Montag. „Und es wird Monate dauern, bis das Wasser verdunstet ist, da es nicht abfließt und auch kaum versickert.“ Und so wächst auch die Angst vor Infektionskrankheiten wie Cholera. „Vielleicht wird alles noch schlimmer“, fürchtet Alfert.

Kritik an der Regierung

Verantwortlich für die humanitäre Katastrophe macht er irdische Kräfte. „Die Regierung tut viel zu wenig. Die sagen immer, es gebe kein Geld.“ Dabei verhindere sie zugleich, dass internationale Hilfsgelder ins Land kommen können. Denn dafür müsse sie die Gegend erst offiziell zum Katastrophengebiet erklären.

Bischof Lucio Alfert kämpft vor Ort für Überschwemmungsopfer in Paraguay

Bischof Lucio Alfert lebt seit 47 Jahren in Paraguay. © Privat

Dabei kämpfe er seit Jahren für eine Verbesserung der Situation im Chaco. „Es muss hier eine Organisation eingerichtet werden, die im Katastrophenfall helfen kann.“ Außerdem versäume es die Regierung, für befahrbare Straßen zu sorgen. Und auch der Raubbau an der Natur im Land mache sich bemerkbar. „Hier werden bis zu 1000 Hektar Tropenwald im Jahr abgeholzt. Das hat dramatische Effekte.“ Dazu komme die soziale Ungleichheit im Land: „Geld gibt es genug, aber das verteilt sich auf wenige Leute, die nichts abgeben wollen.“

Eigentlich wollte sich Lucio Alfert schon zur Ruhe setzen. Den Antrag auf Emeritierung hat er schon nach Rom geschickt. „Aber der Papst reagiert noch nicht“, sagt der 77-jährige. Es scheint so, als sei seine Mission in Paraguay noch nicht beendet.

  • Die Sonderkollekte in allen Gottesdiensten von Heilig Kreuz am Wochenende (1. und 2. Juni) geht an die Hilfe für die Überschwemmungsopfer.
  • Spenden können auch im Pfarrbüro Heilig Kreuz, Kirchplatz 8, abgegeben werden. Dort kann auch eine Spendenquittung ausgestellt werden.
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