Das Heil in der Krippe

Arbeit mit Holz hilft Günter Bendfeld

Günter Bendfeld hat sein Heil in der Krippe gefunden, genauer gesagt: im Krippenbau. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Der 56-jährige Heeker leidet an einer seltenen, neurologischen Krankheit, der zervikalen Dystonie. Seit er das Werken mit altem Holz an Krippen im orientalischen oder alpenländischen Stil begonnen hat, geht es dem früheren Justizwachtmeister besser.

Heek

, 23.12.2016, 17:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Extremes Verkrampfen, unkontrollierbare, abnorme Verdrehungen von Kopf und Hals, rhythmisches Zittern: Bendfeld war 38, als die Krankheit, über deren Ursache er nur spekulieren kann, zuschlug. Da arbeitete er noch als Justizwachtmeister am Amtsgericht Münster. Zwei Jahre später war Schluss, der Krankheit wegen. Wie viel Tragik in den nüchtern ausgesprochenen Worten liegt, lässt sich nur ahnen, wenn er sagt: "Ich bin mit 40 verberentet worden."

Lange nach Ursachen geforscht 

Lange suchte der Familienvater nach Ursachen und Therapiemöglichkeiten für die Krankheit, die ein normales Leben fast unmöglich macht. Doch eine Heilung gibt es bis heute nicht, die Auslöser sind oft unklar, die Behandlung selbst ist oft belastend - Botox und Beruhigungsmittel zählen noch zu den am wenigsten belastenden. Neben der physischen ist die psychische Belastung für Betroffene und deren Familien enorm.

Baubiologie

Bendfelds zogen um nach Nienborg, setzten auf Baubiologie bei Inventar und Möbeln, um Lösungsmittel als mögliche Trigger für die Erkrankung auszuschließen. Und Bendfeld fing wieder an, mit Holz zu werkeln. "Dann bin ich mit etwa 45 mit dem Bauen von Krippen angefangen", erinnert er sich, "für Freunde und Bekannte zuerst."

Basteln entspannt

Ein kleines Wunder: Erst auf den zweiten Blick erkennen Unvoreingenommene heute, dass Günter Bendfeld nicht gesund ist. "Das ist Entspannung", erklärt er die Wirkung der Bastelarbeit an den Krippen. "Sobald ich in der Werkstatt war, ging es mir besser", erinnert er sich. "Das ist auch heute noch so. Darum mache ich das auch."

Dabei bekommt er als Bonbon noch eine Menge Anerkennung. Denn Bendfelds Krippen sind ausgesprochen schön und stimmungsvoll gearbeitet. Sein Geheimnis: "Ich verwende keine Nägel und Schrauben." Ganz traditionell werden die Stücke verzapft, erklärt Bendfeld, "mit Holzpiggen, so wie man das früher machte."

Uralte Eiche

Und auch das Holz für die Krippen hat noch nie einen Baumarkt von innen gesehen. "Das ist nur uralte Eiche - 300 bis 500 Jahre alt." Die Bretter stammen aus einem alten Kotten, der abgerissen wurde. Die bekomme er von einem Bekannten, der sie ihm zur Verfügung stelle. "Viele schmeißen so etwas weg", sagt er. Bendfeld lacht: "Für mich ist das Kapital."

Oft wisse er gar nicht, wie das Stück am Ende aussehen soll, wenn er anfange. Fest steht nur, dass er sich auf zwei Stilrichtungen festgelegt hat: orientalisch oder alpenländisch. Der Rest ist Fantasie. Inspiration hole er sich oft aus dem Internet, erklärt er. Einen Monat bis sechs Wochen dauert die Arbeit an einer Krippe, schätzt er. "Größere brauchen auch schon mal 200 Stunden."

Ausstellung  beim Clemensmarkt

Umso schneller gehen sie weg. Beim Clemensmarkt vor zwei Jahren habe er zum ersten Mal eine kleine Ausstellung gemacht, erzählt er. Dann sei er gefragt worden, ob er nicht beim Heeker Weihnachtsmarkt mitmachen wolle. Bendfeld erweiterte sein Spektrum um Dekoartikel aus Holz - ebenfalls alles mit eigener Hand gearbeitet. Aber, so betont er: "Die Krippen sind mein Herzblut."

Die Resonanz war enorm. Noch immer steht Günter Bendfeld unter dem Eindruck des Erfolges, den er mit seinem Hobby hat. "Ich war echt baff." Wenn er davon erzählt, strahlt er. Und auch das Zittern ist weg. "Die Anerkennung ist auch schön."

 

Lesen Sie jetzt