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Die van Almsicks haben ihre musikalischen Spuren in der Region hinterlassen

mlzAbschied aus LMA

Unzähligen Chören aus dem Münsterland haben Bernhard und Helen van Almsick ihr Wissen vermittelt. Ihren Abschied sehen sie mit gemischten Gefühlen.

Heek, Legden

, 05.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Kisten sind schon gepackt, ein neues Haus in Süddeutschland gekauft und überall gibt es derzeit Abschiedsworte. Bernhard und Helen van Almsick ziehen in diesem Monat nach Trossingen, weil Bernhard van Almsick im Juli die Geschäftsführung des dortigen Hohner-Konservatoriums übernimmt. Von seinem Stadtlohner Männerchor gab es bereits ein Abschiedskonzert, am Wochenende hat er zum letzten Mal die Jazzakademie in der Landesmusikakademie begleitet. „Jetzt kommt die Zeit, wo es immer heißt: Das war das letzte Mal“, sagt er.

Der Stadtlohner Männerchor, das Legdener Frauen-Ensemble und natürlich die Landesmusikakademie – beide haben ihre musikalischen Spuren in der Region hinterlassen. Seit 1997 ist Bernhard van Almsick als Bildungsreferent an der LMA tätig. Die Planung der akademieeigenen Kurse, die Dozentenauswahl und der Ablauf der Seminare gehören zu seinen Aufgaben. „Anfangs war ich für den kompletten inhaltlichen Bereich zuständig. Heute ist das auf mehrere Schultern verteilt“, sagt er.

1999 begann auch Helen van Almsicks Arbeit an der LMA als Dozentin für Stimmbildung. Aber nicht nur beruflich wurde die Akademie ein „Herzensort“ für sie. Denn hier lernten sich beide kennen. „Das war bei unserem ersten C-Kurs“, erinnert sich Bernhard van Almsick. „Es war ein langes Kennenlernen, erst waren wir einfach Kollegen“, sagt seine Ehefrau. „Irgendwann habe ich gemerkt, ich freu mich schon dolle, wenn ich nach Heek fahre.“ Selbst ihre Hochzeit feierten die beiden in der Landesmusikakademie. „Sie ist für uns ein zweites Zuhause geworden“, sagt Bernhard van Almsick.

„Viele Verbindungen werden bleiben.“

Ganz leicht fällt ihm der Abschied nicht. „Ich werde viele persönliche Kontakte vermissen. Musik läuft immer über Emotionen und mir sind hier viele Wegbegleiter ans Herz gewachsen“, sagt er. „Aber viele Verbindungen werden bleiben.“

Nun freue er sich „uneingeschränkt“ auf die neue Aufgabe in Süddeutschland. „Das ist jetzt auch dran, mal eine Leitungsposition zu übernehmen.“ Und der Musikakademie schade es auch nicht, wenn nach 22 Jahren jemand mit anderen Vorstellungen komme. Es sei ein guter Zeitpunkt, um zu gehen, denn vieles sei schon für die Zeit danach vorbereitet. „Ich hinterlasse kein riesengroßes Loch.“ Seine Nachfolge in der LMA steht noch nicht fest.

„Ich gehe mit flatterndem Herzen“, sagt seine Frau. Für sie bedeutet der Umzug den nächsten Neustart. Zwar kommt sie ursprünglich aus Süddeutschland, „aber eine richtige Heimat habe ich nicht.“ Auch mit dem Münsterland wurde sie nicht immer warm. „Für Zugezogene ist es hier wie auf dem Mond“, sagt sie. „Man wird nie Teil davon.“ Die Leute seien zwar freundlich. „Aber darüber hinaus bleiben die Kreise geschlossen.“ Dies zu akzeptieren sei ihr schwergefallen. „Aber mich hat es versöhnt, zu verstehen, in welchem Verbund die Leute sind.“ Stammtische und Schützenfeste seien nicht ihr Ding.

Chorprobe bei offenem Fenster

Mit ihrem Wohnort in Legden habe das Ehepaar aber „großes Glück gehabt.“ Zuvor in Gescher hätten sich immer die Nachbarn über Ruhestörung beschwert, wenn es wieder eine Chorprobe bei offenem Fenster gab. „Wir machen eben jeden Tag Musik“, so Helen van Almsick.

Auch beruflich fängt sie nun von vorne an. „Dort muss ich wieder Klinken putzen“, sagt sie. So wie in ihrer Anfangszeit im Münsterland. „Da war ich total verzweifelt.“ In vielen Musikvereinen habe man ihr gesagt, es gebe hier keinen Bedarf für Stimmbildung. „Heute weiß ich: Das ist totaler Quatsch.“ Es gebe eher zu wenig Stimmpädagogik. Es brauche eben ein paar Jahre, bis sich die Leute melden. Einer habe ihre Nummer drei Jahre am Kühlschrank hängen gehabt, bis er sich meldete. „Nach 15 Jahren braucht man dann keine Akquise mehr.“

Mit dem Stadtlohner Männerchor, dem westfälischen Kammerchor Münster und dem Frauen-Ensemble verbrachten beide viele Stunden. Mit unzähligen Chören und Ensembles aus der Region haben die beiden darüber hinaus zusammengearbeitet. Fast alle haben sie in ihr Haus eingeladen. Und so gibt es doch noch etwas, das Helen van Almsick vermissen wird: „Die Arbeit mit den Chören war immer das Schönste.“

  • Zu ihrer letzten musikalischen Lesung im Münsterland lädt Helen van Almsick am Donnerstag, 6. Juni um 19.30 Uhr ein. Sie findet im Karl-Feldhaus-Saal der „Alten Schule“ in der Landesmusikakademie statt. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.
  • Es gibt einen Liederabend mit Lesung. „Schumanns Schatten“ ist der Titel des Künstlerromans, aus dem van Almsick lesen wird. Peter Härtling berichtet vielstimmig und melancholisch vom Leben und Sterben des großen romantischen Komponisten Robert Schumann.
  • Zudem singen Sänger der Musikschule Gelsenkirchen, mit denen Helen van Almsick seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit verbindet. Sie werden Werke der großen Liedkomponisten Schubert, Schumann und Mozart zu Gehör bringen. Begleitet werden sie vom Pianisten Christian van den Berg aus Enschede.
  • Dieser Abend sei ihr eine wahre „Herzensangelegenheit“, sagt van Almsick. Sie werde zwischen den Liedern kurze Ausschnitte aus dem Roman lesen. „So bilden die Lieder und Texte eine Einheit und erzählen vom Ankommen, von der Liebe und dem Abschied.“
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