Eine Mut-Mach-Werkstatt im Schatten der Burg

mlzTrauerbegleitung

Gisela Sendfeld glaubt an Wunder. Daran, dass ihr Leben sie mitunter auf wundersame Weise weiterträgt. Wie jetzt wieder, als sie auf ihre „Mut-Mach-Werkstatt“ praktisch gestoßen wurde.

Heek

, 17.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich war Gisela Sendfeld aus Wessum auf der Suche nach einer neuen Wohnung, als sie durch Zufall und private Kontakte auf eine alte Schreinerei im Schatten der Burg in Nienborg stieß. Es sei wohl Liebe auf den ersten Blick gewesen, sagt sie. Eine, die plötzlich ein neues Projekt in ihr reifen ließ. Die Idee von einer „Mut-Mach-Werkstatt“. Und daraus ist ein konkretes Projekt geworden:

In dem alten Gemäuer findet ab Januar eine Kombination aus klassischer Trauerarbeit und handwerklichem Arbeiten statt, sozusagen die Fortsetzung der Trauerarbeit. Mit Hand und Herz.

Noch wird hier kräftig umgebaut, damit die "Mut-Mach-Werkstatt" in die alte Schreinerei einziehen kann. Der Blick auf die Burg steht schon jetzt fest.

Noch wird hier kräftig umgebaut, damit die „Mut-Mach-Werkstatt“ in die alte Schreinerei einziehen kann. Der Blick auf die Burg steht schon jetzt fest. © privat

Nach dem Umbau bietet die Schreinerwerkstatt genügend Raum für gemeinsames Töpfern oder das Bemalen von Keramik zum Beispiel, aber natürlich vor allem für Gespräche und Emotionen. Später sollen pädagogisch und handwerklich ausgebildete Fachkräfte Gisela Sendfeld in der „Mut-Mach-Werkstatt“ unterstützen.

Eine kleine Anzeige mit großer Wirkung

Bis Gisela Sendfelds Vision aber in der Realität Bestand hatte, musste noch einige Überzeugungsarbeit geleistet werden. Vor allem bei sich selbst. Auf dem Heimweg vom Arbeitsplatz bei einem Bestatter in Gronau kam es ihr in den Kopf: „Wie soll ich das bloß alles stemmen?“ Schließlich war auch der Eigentümer, Bauunternehmer Hajo Elsbernd, sich zuerst unschlüssig, was er von dem Sendfeld-Projekt halten soll. Der hatte den Gebäudekomplex, zu dem neben einem Wohnhaus auch die besagte Werkstatt gehört, gekauft und eine neue Nutzung angestrebt.

Diese kleine Anzeige weckte Gisela Sendfeld Interesse. Mit überraschenden Folgen...

Diese kleine Anzeige weckte Gisela Sendfeld Interesse. Mit überraschenden Folgen... © Archiv

Und erneut fügten sich die Dinge. In der Münsterland Zeitung stieß sie auf eine kleine Anzeige, in der Unterstützung für kreative Ideen angeboten wurde. Gisela Sendfeld bewarb sich und bekam den „Zuschlag“. Der Sponsor, der sie und ihr Vorhaben seitdem ideell und finanziell unterstützt, möchte allerdings im Hintergrund bleiben. Für Gisela Sendfeld ist es ihr Mutmacher.

Diese außergewöhnliche Unterstützung hat auch Hajo Elsbernd überzeugt, ab 1. Januar ist er ihr Vermieter. „Der hat leuchtende Augen bekommen und nimmt während der Bauphase sehr viel Rücksicht auf meine Wünsche“, sagt Gisela Sendfeld. Noch steckt man aber noch mitten in der Sanierung des Gebäudes. Klar ist aber, dass man bei der Einrichtung bewusst auf Nachhaltigkeit setzt. Auf gebrauchtes Mobiliar. „Mit Patina, ganz wie die Lebensgeschichten der Menschen“, sagt Gisela Sendfeld.

Exot in Zeiten von Corona

Warum aber eine „Mut-Mach-Werkstatt“? Und das ausgerechnet in Zeiten von Corona? Dazu gehört schließlich auch Mut. „Ich weiß, dass ich da ein Exot bin, aber es wird auch wieder andere Zeiten geben, und ich glaube fest an das Morgen“, sagt die 56-Jährige.

Jetzt lesen

Aus ihrer Erfahrung als Trauerbegleiterin weiß sie, dass es den Trauernden guttut, wenn sie in die Aktion gehen. Zum Beispiel, wenn Kinder mit ihr zusammen die Urne ihrer lieben Verstorbenen gestalten, oder den Sarg bemalen. Und so wird die „Handarbeit“, das Formen von Ton einen wichtigen Teil in der „Mut-Mach-Werkstatt“ bekommen. Ein zusätzliches Puzzleteilchen auf dem Weg zurück ins Leben.

Gestiegener Wunsch nach Begleitung

Dass der Stellenwert solcher Angebote stetig steigt, hat sie in den vielen Begegnungen mit Trauernden festgestellt. „Und erst recht während der Pandemie, wo Nähe oft gar nicht mehr zugelassen ist, sehnen sich die Menschen besonders danach.“ Eine „megaschwere“ Zeit, die sie als Trauerbegleiterin schon während des ersten Lockdowns erlebt hat und jetzt wieder erlebt: „Menschen, die sich manchmal nur per Skype von ihren Lieben verabschieden konnten, furchtbar!“

Jetzt lesen

Da liege es nahe, dass in einer solchen Phase die Begleitung noch intensiver gebraucht wird. Sie hat aber auch erfahren, dass das nicht mit der Bestattung vorbei ist, sondern weitergeht.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt