Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Eine Stunde bei Edeka Münstermann: Filterkaffee und Maurermarmelade

mlzEinzelhandel in Heek

Die Serie „Eine Stunde mit...“ hat Volontär Falko Bastos in den Heeker Edeka Münstermann geführt. Für eine Stunde besuchte er den traditionsreichen Familienbetrieb an der Bahnhofstraße.

Heek

, 05.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Hier gibt es keinen Soja Chai Latte. Filterkaffee schwarz, ohne Gedöns. 1,45 Euro. „Bitte sofort bezahlen“ steht an der Theke. Sonja schenkt einen ein. Sie begrüßt die meisten Gäste per Du, viele per Vornamen. Nachnamen sind hier selten, denn man kennt sich. Seit 1994 arbeitet sie hier - „mit Unterbrechungen, aber ich komme immer wieder“. Das gilt nicht nur für die meisten Angestellten bei Edeka Münstermann.

Willi steht draußen und raucht. Einmal wöchentlich kommt er noch vorbei, seit er Rentner ist. Früher hat er täglich hier an der Bahnhofstraße angehalten, um sich nach der Nachtschicht zu stärken. „Schon morgens um vier klopfen hier die ersten an die Scheibe“, verrät Junior-Chef Jochen.

Der ist an diesem Nachmittag gerade erst aufgestanden und hat eigentlich frei. Aber so richtig frei hat er nie. „Dafür muss ich schon weit wegfliegen“. Er wohnt über dem Laden mit Bäckerei. Um zwei Uhr nachts klingelt sein Wecker, eine Viertelstunde später steht er in der Backstube. „Eine herrliche Arbeitszeit“, sagt er. Wenn er die erste Ladung Brötchen in den Ofen schiebt, spielt der integrierte Lautsprecher die Schalker Vereinshymne „Blau und weiß, wie lieb ich dich“.

Mit elf Jahren an der Kasse

Der Bäckermeister ist hineingeboren worden in den Familienbetrieb. „Als Kind wurde ich öfter im Einkaufswagen abgesetzt“, sagt er. „Mit Elf stand ich das erste mal an der Kasse.“ Vor fast 70 Jahren, im September 1949, hatte sein Opa die Bäckerei eröffnet. Später kamen das Stehcafé und der Laden hinzu.

Die Kunden, die Zeit haben bleiben auf ein Pläuschchen. So wie Brigitte Lürick. „Schon immer“, antwortet sie auf die Frage, seit wann sie hier her komme. „Ich kenne den Karl seit dem Sandkasten.“ Der Karl, das ist Jochens Onkel und kennt jeden Kunden. „Jeden einzelnen“, betont Jochen. Karl ist seit 1971 da. „Ich bin die graue Eminenz“, stellt er sich vor. Mit 20 Jahren fing er als jüngster Bäckermeister Deutschlands an. „Ich weiß gar nicht, was ich anderes machen soll“, sagt er über sein Leben im Laden.

Eine Stunde bei Edeka Münstermann: Filterkaffee und Maurermarmelade

Pläuschchen an der Kasse: Brigitte Lürick kennt Karl Münstermann seit dem Sandkasten. © Falko Bastos

Die Kunden, die keine Zeit haben, trifft man vor allem früh am Morgen. Pendler, die vor der Arbeit oder nach der Nachtschicht frühstücken wollen. „Dann geht das hier wie im Taubenschlag“, sagt Willi. Kaffee und belegte Brötchen im Vorbeigehen. Und wer öfter kommt, braucht gar nichts mehr zu sagen. „Denen drücken wir dann die Brötchentüte in die Hand. Denn dafür steht keiner fünf Minuten eher auf“, sagt Jochen. „Die wissen, was ich will“, bestätigt Willi. Morgens Kaffee, Nachmittags Kakao.

Nächste Woche gibt es Schlöffkenbrot

Nachmittags Gemütlichkeit, morgens Hektik. Dann werden Brötchen im Akkord geschmiert. Backe mit Zwiebeln, Käse oder Kochschinken, ohne Gedöns. Aber Zwiebelmett geht am besten, sind sich alle einig. „Maurermarmelade“, sagt Jochen.

Hermann-Josef Schepers schwört auf den Pflaumenkuchen - aus der hauseigenen Konditorei. „Wir machen hier alles von Hand“, sagt Jochen. Nächste Woche gibt es wieder Schlöffkenbrot - Körnerbrot mit Mettwurst.

Feste Aufgaben scheint es nicht zu geben. Hier macht jeder alles. Brötchen schmieren, Wurst schneiden, kassieren. Birgit, die gerade noch Hubert seinen Bienenstich serviert hat, übernimmt an der Kasse. Wie viele der 26 Angestellten hat sie schon ihre Lehre hier gemacht. Seit vier Jahren ist sie wieder hier, insgesamt seit 17 Jahren. „Dazwischen war ich 16 Jahre zu Hause“, sagt sie. Sie kommen eben alle wieder.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt