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Ermittler schildern den langen Weg, der zum Geständnis des Ehemanns führte

mlzTotschlag-Prozess

Beim Fortsetzungstermin im Heeker Totschlag-Prozess schilderte der Leiter der Mordkommission die polizeilichen Ermittlungen. Diese stockten lange – bis zu einer entscheidenden Vernehmung.

Heek

, 12.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Am dritten Prozesstag in der Verhandlung gegen den Ehemann der getöteten Heekerin stand der Verlauf der polizeilichen Ermittlungen im Mittelpunkt des Interesses. Joachim Poll, Leiter der Mordkommission, war als Zeuge geladen und schilderte am Freitagvormittag den langen Weg bis zum Durchbruch, dem Geständnis des 32-jährigen Angeklagten, das auch zum Fund der Leiche im Teich des Stiegenparks führte.

Die Polizei sei schon früh davon ausgegangen, dass der 27-Jährigen etwas zugestoßen sei, so Poll. Schließlich hatte die Frau drei Kinder, darunter einen zwei Monate alten Säugling, zurückgelassen. Außerdem habe es Hinweise auf Streitigkeiten zwischen den Eheleuten gegeben. Hinweise auf ein Lebenszeichen gab es nicht. Die Aussage des Ehemannes, die Frau sei an der Bahnhofstraße in einen Bus gestiegen, erwies sich als falsche Fährte.

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Als die Kinder im September an die aus Russland angereisten Großeltern übergeben werden sollten, sei es zum Streit zwischen dem Angeklagten und seiner Schwiegermutter gekommen, weil diese dem Sohn kein Fleisch zu essen gegeben habe. „Ich habe deine Tochter fertiggemacht. Du bist die nächste. Ich werde dich abschlachten“, soll der Angeklagte gedroht haben. Auch mit einem Messer soll er nach seiner Schwiegermutter geworfen haben. Kurz darauf wurde er festgenommen. Größere Mengen von Blut fanden die Ermittler bei zwei Durchsuchungen der Heeker Wohnung an der Bahnhofstraße aber nicht.

„Die Bemühungen verliefen im Sande“

Mehr Aufschluss sollte ein Zeuge aus Frankreich geben. Dem soll der Angeklagte erzählt haben: „Man braucht nicht nach ihr zu suchen. Nur Allah weiß, wo sie ist.“ Auch soll er angedeutet haben, sie mit einem „Loch im Bauch“ in einen Fluss geworfen zu haben. Zu einer Vernehmung des Zeugen kam es nicht, denn ein Rechtshilfeersuchen an Frankreich hätte zu lange gedauert, so Poll.

Auch ein Brief eines Mitgefangenen des Angeklagten ging bei der Polizei ein. Diesem gegenüber habe der 32-jährige Ex-Soldat die Tat eingeräumt und sich Tipps für eine mögliche Schuldunfähigkeit erhofft.

Doch die Suche nach der Leiche blieb ergebnislos. Dabei waren die Ermittler schon früh auf den späteren Fundort im Stiegenpark gekommen. „Das war ein Punkt, den wir uns gut vorstellen konnten“, berichtet Poll. Doch die Leichenspürhunde schlugen nicht an. Auch Teiche und Seen in Metelen durchsuchten die Ermittler.

„Die Bemühungen verliefen im Sande“, berichtet Poll. Im Dezember habe der Angeklagte sich über die JVA gemeldet, um erneut mit den Ermittlern zu sprechen. Dabei habe er zunächst auf seine damaligen Anwälte geschimpft, aber auch abfällig über seine Ehefrau gesprochen. „Es waren frauenverachtende Worte“, so Poll. „Ich hatte den Eindruck, dass sie für ihn nichts wert ist.“

Der Angeklagte habe ihr Untreue vorgeworfen. Einen Hinweis auf Männerbekanntschaften hatten die Ermittler bei der Auswertung der Handy-Daten der Heekerin nicht gefunden. Zugleich ergaben diese, dass ihr Ehemann im Internet nach Prostituierten gesucht hatte.

Appell an die Ehre führte schließlich zum Geständnis

Zu einem Geständnis kam es zunächst nicht. Als Poll die Vernehmung schon abbrechen wollte, appellierte er noch einmal an die Ehre des 32-Jährigen. Die Kinder hätten ein Recht zu wissen, was mit ihrer Mutter passiert sei – und auf eine Beerdigung in geweihtem Boden, habe Poll dem Angeklagten gesagt. Den Angeklagten habe er als „ehrbesessen“ eingeschätzt, so Poll. „Und ich wollte ein Geständnis.“

Daraufhin habe der Angeklagte, den Teich im Stiegenpark auf einem Blatt Papier skizziert und die Tat gestanden. Die Situation der 17 Messerstiche habe er besonders plastisch mit Gesten geschildert. „Da war viel Wut und vielleicht Hass dabei“, so der Ermittler. Nur anfangs habe die Frau geschrien, so die Aussage des Angeklagten. Als sie schon leblos am Boden lag, habe er einen „Aussetzer“ gehabt. Dabei sei noch mal alles hochgekommen, worauf er sie gepackt habe, um ihr die Luftröhre durchzuschneiden.

Die Leiche habe er nach eigenen Angaben noch in der Nacht im Teich versenkt, um den Kindern auf dem Spielplatz den Anblick am nächsten Tag zu ersparen. Mit dem schreienden Säugling im Kinderwagen sei er deshalb zur Wohnung gelaufen, um einen Koffer zu holen. Auf einer Leinwand im Gericht wird ein Unterwasser-Video von der Leichenbergung eingespielt. Es zeigt ein robustes Netz auf dem Grund des Teichs, das mit Hunderten von großen Steinen beschwert war. Das Opfer sei zum Zeitpunkt der Bergung nicht mehr erkennbar gewesen, so Poll. Erst ein DNA-Test habe ihre Identität bestätigt.

„Gab es ein Zeichen von Reue bei der Vernehmung“, fragte Verteidigerin Susanne Tombrink. „Könnte so sein“, antwortete Joachim Poll. Der Angeklagte habe seine Schwiegereltern um Verzeihung gebeten. „Aber was ich nicht verstanden habe: Als ich ihm angeboten habe, etwas seinen Kindern etwas auszurichten, schrieb er nur eine kurze Nachricht an seinen Sohn.“ „Wach auf“, so die einzige Botschaft an ein 7-jähriges Waisenkind. Dies sei als ein allgemeiner Rat für das Leben gemeint, erklärte der Angeklagte im Gerichtssaal.

Der Prozess vor dem Landgericht Münster wird am 26.4. (Freitag) fortgesetzt.

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