Familie Avdija fühlt sich jetzt an der Dinkel zuhause

Pizzeria-Betreiber

"Mama, was essen wir heute Abend?", schallt es oftmals an den Abenden am Wochenende durch die Haushalte im Dinkeldorf. "Wir bestellen Pizza bei Melis", ist oft die Antwort, die vom Fragenden gleich mitgeliefert wird. Kurze Zeit später werden die Speisen angeliefert, aus der Pizzeria am Kirmesplatz abgeholt oder aber im Restaurant verspeist.

HEEK

von Martin Mensing

, 07.01.2016, 17:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Seit acht Jahren betreiben Melida und Sami Avdija ihr Lokal in Nienborg und fühlen sich bestens integriert.

Seit acht Jahren betreiben Melida und Sami Avdija ihr Lokal in Nienborg und fühlen sich bestens integriert.

Seit acht Jahren betreiben Melida und Sami Avdija das Lokal. Der Name "Melis" steht für ihre Vornamen Melida und Sami. "Wir sind stolz auf das, was wir hier erreicht haben", sagen Melida und Sami Avdija. Mit ihren in Deutschland geborenen Söhnen Enis und Meti wohnen sie in ihrem eigenen Haus auf der Meteler Straße. Sie alle fühlen sich sehr wohl in Nienborg und in die Ortsgemeinschaft integriert. "Wir fühlen uns gar nicht als Flüchtlinge. Wir sind Nienborger, das bleiben wir auch. Wenn wir aus dem Urlaub zurückkehren und das Schild "Münsterland" auf der A 31 sehen, dann wissen wir, wir sind zu Hause", freut sich die Familie, heimisch zu sein.

Melida und Sami Avdija gehören zu den 350000 Bürgerkriegsflüchtlingen, die in den 90er-Jahren aus den Gebieten des ehemaligen Jugoslawiens einen Zufluchtsort in Deutschland fanden. Bis sie in Nienborg ankamen, war es ein langer und beschwerlicher Weg.

"Ich war 16 Jahre alt, als wir hierhin kamen", sagt Melida Avdija. Mit ihren Eltern und Geschwistern war sie bereits 1991 und 1992 in Heek, dann wurden sie abgeschoben. Im November 1999 machten sie sich wieder auf Weg.

Flucht aus Montenegro

"Es ist nicht einfach, du verlässt alles", betont Melida Avdija. Sie erinnert sich noch gut, dass sie nur das nötigste Hab und Gut in zwei Koffern verstauten und ihren Heimatort Bijelo Polje im Norden von Montenegro verließen. "Das ist ein sehr schönes Dorf. Bijelo Polje heißt übersetzt ,Weißes Feld' und hat seinen Namen nach den weißen Blumen, die dort überall zu finden sind", sagt sie. Dort besuchte sie das Gymnasium. Sie wollte Polizistin werden.

In der Nähe der Polizeischule aber war ein Terrorist mit seinen Leuten untergebracht. Da wollten ihre Eltern nicht, dass sie den Beruf erlernt. Bei ihrer Flucht wurden sie durch einen Schlepper unterstützt. Mit dem Bus ging es zunächst nach Bosnien. Dort blieben sie vier Monate. Dann ging es mit dem Auto weiter über Kroatien, Slowenien, Italien, Frankreich, Luxemburg und dann nach Deutschland. "Das war sehr hart", blickt sie zurück. Ihren eigenen Kindern, die dem Gespräch lauschen, würde sie das nicht antun. Ihren "Mann für’s Leben" lernte sie in der Diskothek "Skala" im Dorf Münsterland in Legden kennen.

"Ich wusste nicht, wo wir hinfahren", erinnert sich Sami Avdija an seine Flucht. Er wurde in Pristina geboren und wuchs in Serbien auf. Er war 13 Jahre, seine Mutter hochschwanger. Beim Anblick der Fernsehbilder der gegenwärtigen Flüchtlingswelle kommen bei ihm Emotionen auf. Zuerst kamen sie nach Minden, wo eine Tante von ihm wohnt. Dort gab es ein Aufnahmestopp für Flüchtlinge.

Zuerst an die Vennstraße

Nach der Registrierung zogen sie weiter nach Heek, in die Unterkunft an der Vennstraße. Seine Eltern und Geschwister flohen später weiter nach Frankreich. "Ich arbeite sieben Tage in der Woche", sagt Sami Avdija, der bei einem Paketdienst tätig ist. Nach dem Ausliefern der Pakete geht es in der Pizzeria weiter. Am Montag ist die Pizzeria geschlossen. Dann steht die Familie im Mittelpunkt und sie gehen mit ihren Söhnen und einem Freund von Enis ins Kino. 

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