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Familie Laschke vereinigt schlesische und westfälische Fleischerkunst

Geschmackvolle Geschichte

HEEK Die Jahrzehnte vorm Zweiten Weltkrieg schmecken wunderbar nach Kümmel - mit einem Hauch Knoblauch. Die ersten Jahre danach nur nach Heimweh und Entbehrung. Erst die Wirtschaftswunderjahre der jungen Bundesrepublik bringen den guten Geschmack zurück - dieses Mal eher salzig, aber zart: so wie es sich für echten westfälischen Knochenschinken gehört.

15.05.2009 / Lesedauer: 2 min

Im Schaufenster der Fleischerei Laschke an der Bahnhofstraße hängen sie eng nebeneinander: luftgetrocknete Schinken, die zehn bis zwölf Monate in Ruhe gereift sind - typisch Münsterland. Wer das Geschäft betritt, sieht neben Münsterländer Mettwurst auch Produkte, die nicht in die Region gehören: Wellwurst und Presswurst und dahinter eine Schüssel mit Weißwürsten. "Schlesische Spezialitäten", sagt Christoph Laschke: Metzgermeister in dritter Generation, waschechter Westfale - und Sohn eines Schlesiers.

Koffer? Christophs Vater, Lothar Laschke, lacht auf. Ein bitteres Lachen. 1946, als der damals Elfjährige zusammen mit seinen Eltern und sechs Geschwistern Martinsberg in Schlesien verlassen musste, habe jeder nur das mitnehmen dürfen, was er auf die Schnelle greifen konnte: einen Sack mit ein paar Anziehsachen und Lebensmittel. Nur sein Vater Josef habe zusätzlich noch etwas eingepackt: seinen Meisterbrief.

Das schon vergilbte Dokument hängt heute im Büro des Enkels - neben dessem eigenen Meisterbrief und dem goldenen des Vaters. Für Lothar Laschke ist das mehr als nur ein Andenken, sondern das eingelöste Versprechen auf eine glückliche Zukunft in einer neuen Heimat.

Als Familie Laschke 1946 auf dem Heeker Bahnhof eintraf war daran noch nicht zu denken. Als der Vater seine erste Arbeit im Westen annahm - als Torfstecher im Amtsvenn - ebenfalls nicht. Erst das Jahr 1950 brachte eine Wende: In dem ehemaligen Uhrmacherbetrieb Suek an der Bahnhofstraße eröffnete Josef Laschke wieder ein Fleischerfachgeschäft: Geschlachtet wurde in Gronau, gewurstet in Epe - alles per Fahrrad - , verkauft in Heek: ein Anfang. Ein Jahr später - schon per Motorrad - können Kunden im Ruhrgebiet mit schlesischen Wurstwaren beliefert werden. 1954 bauen die Laschkes ihr eigenes Haus - und eine neue Ära beginnt, in der der westfälische Knochenschinken eine Hauptrolle spielen sollte - bis heute. sy-

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