Mobiles Internet im Test: Diese Orte sind von LTE noch weit entfernt

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Empfangsprobleme und langsames Internet: Wir haben die Netzabdeckung in der Region getestet. Das Ergebnis: Welcher Anbieter das beste Netz bietet, variiert von Ort zu Ort.

Ahaus, Stadtlohn, Vreden, Heek

, 13.02.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Kein Empfang und Internet im Schneckentempo - viele Bewohner im Westmünsterland kennen das. Wir haben dazu aufgerufen, uns Orte mit schlechter Mobilfunk-Versorgung zu nennen. Die Resonanz bei Facebook war groß, rund 80 Meldungen gab es für Ahaus, Stadtlohn, Vreden und Heek.

Doch blickt man auf die Netzabdeckungs-Karten der drei großen Netzanbieter Telekom, Vodafone und O2, wollen die so gar nicht zu den Beschwerde-Meldungen passen. So zeigt die Karte der Telekom zwar einzelne Lücken in der LTE-Versorgung an, aber kein einziges Funkloch im Telefonnetz (GSM). Die Karte hüllt sich in Magenta. Weiße Flecken? Fehlanzeige.

Mobiles Internet im Test: Diese Orte sind von LTE noch weit entfernt

Keine Weißen Flecken: Netzabdeckung der Telekom laut Karte auf der Website © Screenshot - telekom.de

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Vodafone. Zwar ist das gesamte Gebiet von Stadtlohn LTE-frei, doch gibt Vodafone überall im nördlichen Kreisgebiet mindestens die Verfügbarkeit von GSM und Edge an.

Mobiles Internet im Test: Diese Orte sind von LTE noch weit entfernt

Kein LTE in Stadtlohn: Netzabdeckung von Vodafone laut Unternehmens-Website © Screenshot - Vodafone.de

So auch O2: Neben einer Komplett-Abdeckung bei der Telefonie verspricht der Betreiber zumindest im Freien lückenloses LTE-Netz.

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Draußen überall LTE: Netzabdeckung von O2 laut o2online.de © Screenshot - o2online.de

Grund genug, das ganze selbst zu testen. Mit zwei Smartphones (ein Google Pixel 3 mit O2-Simkarte und ein iPhone 7 mit Telekom-Vertrag) machen wir uns auf den Weg zu den meistgenannten Orten mit Empfangs-Problemen.

O2 enttäuscht in Heek

Häufig genannt wurden rund um Heek die Bauerschaft Ahle sowie Nienborg, besonders im Netz von O2. Im Test zeigen sich dann auch deutliche Unterschiede zwischen den Netzbetreibern. Während die Telekom sowohl im Heeker als auch im Nienborger Ortskern ordentlichen Empfang und LTE-Geschwindigkeit bietet, müssen O2-Nutzer zumindest auf schnelles Internet verzichten. Selbst an zentralen Orten wie dem Gabelpunkt surft man hier meist mit Edge. Noch schlechter sieht es in Nienborg aus, denn dort war im Test durchgehend weder UMTS noch LTE verfügbar. Die Netzabdeckungskarte des Anbieters verspricht sowohl in Heek als auch in Nienborg lückenloses LTE-Netz im Freien.

Ein ähnliches Bild ergibt sich in Ahle. Während rund um die Kapelle die Telekom LTE-Netz bietet, ist dieses für O2-Kunden nur sporadisch verfügbar.

Die Probleme mit O2 in und um Heek sind nicht neu. Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff wechselte nach einer längeren Störung des Netzbetreibers entnervt den Anbieter - und mit ihm viele Diensthandys der Gemeindemitarbeiter.

Die Telekom schwächelt in Wüllen

In Ahaus konzentrieren sich die Beschwerden vor allem auf Wüllen. Dies ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Zum einen, weil es sich nicht um eine dünn besiedelte Bauerschaft handelt und zum anderen, weil es hier vor allem die Telekom ist, die für Ärger sorgt.

Häufig genannt wurden uns die Straßen „Grüner Weg“, „Lohweg“ und „Zur Windmühle“. Und tatsächlich zeigen sich hier Empfangsprobleme mit der Telekom-Sim. Selbst im Freien vermeldet unser Testgerät nur einen Empfangsbalken und Edge-Geschwindigkeit. Schwacher Empfang draußen bedeutet meist: gar kein Empfang in Gebäuden. Anwohner und Telekom-Kunde Ludwig Knocke bestätigt: „Im Haus geht hier gar nichts.“ Überraschend: Konkurrent O2 schneidet hier besser ab. Im Test gab es durchgehend LTE-Netz.

Das Telekom-Problem in Wüllen bestätigt sich selbst entlang der Stadtlohner Straße mitten im Ortskern. Während O2-Kunden hier mit LTE surfen, müssen Telekom-Nutzer mit Schneckentempo leben. Kurios: Verlässt man den Ort in Richtung Stadtlohn, gibt es im dünner besiedelten Sabstätte wieder vollen Empfang.

Die Telekom-Website lässt dagegen keine Probleme vermuten. Sie verspricht flächendeckendes LTE-Netz im Wüllener Ortskern. Und Telekom-Sprecher Andre Hofmann behauptet: „Uns sind keine größeren Beschwerden bekannt.“

Lünten surft in der Internet-Steinzeit

Gleich vier Orte auf Vredener Gebiet gehören zu den am häufigsten gemeldeten bei unserer Umfrage: Lünten, Doemern, Ellewick-Crosewick und die Blumensiedlung am Stadtrand.

In Lüntenener Ortskern ergab der Test bei beiden Anbietern zumindest im Freien keine großen Empfangsprobleme. Außerorts und in Gebäuden dürfte es dort anders aussehen. Schlecht steht es in Lünten aber um die Internet-Versorgung. Sowohl mit der Telekom als auch mit O2 war selbst im Ortskern ausschließlich das langsame Edge verfügbar.

Dass auch die Blumensiedlung zu den Orten mit Netzabdeckungs-Problemen gehören soll, überrascht zunächst, liegt sie doch am Rand des Vredener Stadtgebiets in unmittelbarer Nachbarschaft zum Firmengelände von Schmitz Cargobull. Besonders in der Tulpenstraße erlebten wir im Test schwachen Empfang im Telekom-Netz, auch LTE war hier nicht durchgehend verfügbar.

Gar kein Empfang in Büren

Auch Büren rund um das Landgut Ritter werden bei Facebook immer wieder genannt. Bei allen drei Netzbetreiber meldeten uns Nutzer Empfangsprobleme. Der Test vor Ort bestätigt dies. Denn selbst im Freien gibt im Bürener Ortskern auf beiden Testgeräten keinen Empfang.

Für Anne Ritter, Inhaberin des Landguts ein echtes Ärgernis. „Da gab es schon viele Beschwerden von Gästen, denn viele müssen erreichbar sein.“ Selbst mit einer Unterschriftenaktion hatten sich die Bürener vor einigen Jahren an die Telekom gewendet. Ohne Erfolg.

Mobiles Internet im Test: Diese Orte sind von LTE noch weit entfernt

Viele Beschwerden: Kein Netz im Landgut Ritter © Falko Bastos

Ritters Alternative: Sie nutzt das Netz von Vodafone. „Damit geht es zumindest ansatzweise - an manchen Punkten sogar im Haus.“ Nur für die Gäste sei dies oft keine Lösung. „Die müssen sich dann unser Festnetz nutzen.“

Weder die Telekom noch O2 geben hier ein Funkloch an. Während die Telekom 2G-Empfang und damit zumindest Telefonnetz verspricht, behauptet O2 sogar LTE außerhalb von Gebäuden zu bieten.

Doch wie kommen die Diskrepanzen zwischen Nutzererfahrung und Anbieter-Angaben zustande? Wir haben bei den Netzbetreibern nachgefragt.

Die Netzbetreiber suchen die Schuld bei anderen

„Beim Mobilfunkempfang spielen viele Faktoren eine Rolle, die man berücksichtigen muss“, sagt Telekom-Sprecher Andre Hofmann. „Haben die Kunden ein LTE-fähiges Gerät? Haben sie einen Tarif der LTE erlaubt? Geht es um Outdoor- oder Indoor- Versorgung? Geht es um Sprache oder Daten? Wurde ggf. eine Störung gemeldet?“ Ähnlich lautet die Antwort von Telefonica-Sprecher Florian Streicher. „Eine subjektiv wahrgenommene eingeschränkte Handy- und Internetverbindung muss nicht zwangsweise auf ein Funkloch zurückzuführen sein. Dies kann grundsätzlich unterschiedliche Ursachen haben, u.a. kann es an dem mobilen Endgerät, der aufgerufenen Website, temporären Netzmaßnahmen etc. liegen.“

Der Tenor: Schuld haben die anderen. Nur mangelnde Netzabdeckung scheint nicht infrage zu kommen. Die Erklärungsversuche überzeugen kaum: Schließlich haben wir mit LTE-fähigen Flaggschiff-Smartphones im Freien getestet.

Für Selbstkritik sehen die Netzbetreiber keinen Anlass. „Das Vodafone-Mobilfunknetz im Kreis Borken befindet sich in einem guten Zustand“, so Vodafone-Sprecher Volker Petendorf. Sogar „eine sehr gute Netzabdeckung“ bescheinigt Telefonica-Sprecher Streicher dem O2-Netz im Kreisgebiet. Selbst explizit auf die Probleme in Heek angesprochen, behauptet er: „Die genannten Orte verfügen über eine LTE-Versorgung - wobei der Empfang innerhalb von Gebäuden aufgrund der physikalischen Dämpfung durch Wände etc. in Teilen eingeschränkt sein kann.“

Alle reden vom Netzausbau

Das Thema Mobilfunk-Versorgung hat in der Politik Hochkonjunktur – zumindest rhetorisch. Kaum eine Politiker-Rede kommt ohne die Forderung nach einem schnellen Netzausbau aus. Die NRW-Landesregierung schloss einen „Mobilfunkpakt“ mit den Netzbetreibern, eine freiwillige Vereinbarung. Der Kreis Borken will mit der Stadt Münster und den anderen Münsterland-Kreisen das Modellprojekt „Verbesserung der Mobilfunkversorgung im Münsterland“ mit der Fachhochschule Südwestfalen umsetzen. „Wir wollen uns da auf den Weg machen, um weiße Flecken in der Mobilfunk-Versorgung zu beseitigen“, erklärt Michael Weitzell, Abteilungsleiter Kreisentwicklung beim Kreis Borken.

Auch die Netzbetreiber stimmen ein in die Rhetorik. „Die Bagger rollen so schnell wie nie zuvor“, verspricht Vodafone-Sprecher Petendorf. Sechs LTE-Bauvorhaben und Investitionen von 600.000 Euro seien für 2019 und 2020 geplant. Telefonica-Sprecher Streicher behauptet, sein Unternehmen treibe den „Ausbau unseres leistungsstarken LTE-Netzes auch im Landkreis Borken mit umfassenden Maßnahmen voran.“

Allein: Es passiert wenig. Weder der Stadt Ahaus noch dem Kreis Borken als Genehmigungsbehörden sind derzeit neue Bauvorhaben von Funkmasten bekannt. „Im Moment gibt es keine anhängigen Genehmigungen im Kreisgebiet“, verrät Michael Weitzell. Einzig in Ahle könnte sich etwas tun. Dort ist ein neuer Mast in Planung, der bereits 2018 genehmigt wurde.

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