Begründeter Entschluss: Darum ruft die Gemeinde Heek (vorerst) keinen Klimanotstand aus

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Dass wir das Klima schützen müssen, steht außer Frage. Stattdessen stellt sich die Frage, wie die Kommunen das globale Problem angehen. Die Gemeinde Heek ist diesbezüglich schon sehr weit.

Heek

, 17.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gut vier Monate ist es her, dass die Stadt Konstanz den sogenannten „Klimanotstand“ ausgerufen hat – als erste Kommune in Deutschland. Diesem Beispiel sind seit dem viele Städte gefolgt, unter anderem Düsseldorf, Bielefeld oder Münster. Alleine in NRW sind es mittlerweile 30 Kommunen.

Etwas anders sieht die Sache im Westmünsterland aus. So haben es Reken, Bocholt und Ahaus bereits abgelehnt, den Klimanotstand auszurufen. Und auch in der Gemeinde Heek wird dieser Notstand (vorerst) keine Rolle spielen. Die Gemeinde verzichtet auf einen Ausruf.

Bürger fordert Ausrufen des Klimanotstandes mittels „Antrag“

Obwohl vor einiger Zeit der Antrag eines Heeker Bürgers bei der Gemeinde einging. Allerdings kommt der Antrag als solches ziemlich „nüchtern“ daher. In der Mail steht lediglich: Sehr geehrter Herr Bürgermeister der Gemeinde Heek hiermit erkläre ich den Klimanotstand unserer Kommune […].

Doch dieser „Symbolpolitik“ wird man in Heek nicht nachkommen. Runtergebrochen bedeutet „Klimanotstand“ nämlich nichts anderes, als dass eine Kommune eine Klimakrise einräumt und eingesteht, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichen, diese zu begrenzen.

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Dass dem in der Gemeinde Heek aber nicht so ist, stellt Bürgermeiste Franz-Josef Weilinghoff klar: „Wir befassen uns in vielen Bereichen mit dem Thema Klimaschutz und brauchen uns mit dem, was wir tun, nicht verstecken.“

Gezielte Maßnahmen sind für den Klimaschutz elementar

Doch worauf stützt sich die Aussage des Bürgermeisters? Auf viele Aspekte. Nicht zuletzt auf die zahlreichen Windkraft- und Fotovoltaikanlagen im Gemeindegebiet. Und nicht zu vergessen ist das „Integrierte Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept“, das die Gemeindeverwaltung im Juli 2018 bei der Gertec GmbH Ingenieurgesellschaft aus Essen in Auftrag gegeben hat.

Begründeter Entschluss: Darum ruft die Gemeinde Heek (vorerst) keinen Klimanotstand aus

In Sachen Ökostrom-Produktion ist die Gemeinde Heek bereits gut aufgestellt. © picture alliance / dpa

Denn Ziel des mit Bundesmitteln geförderten Konzeptes ist es, den Klimaschutz in Heek durch gezielte Maßnahmen und Projekte zu stärken. Dinge, die den Klimaschutzprozess den kommenden Jahren prägen sollen. Das Konzept ist komplex und enthält viele Maßnahmenvorschläge, deren Umsetzbarkeit nun geprüft werden muss. Zentral dabei ist aber die Stelle des Klimaschutzmanagers.

Ein Klimaschutzmanager ist der zentrale Posten

Dieser soll alles Prozesse vor Ort begleiten, anstoßen und - wenn nötig - regulierend eingreifen. „Ohne diese professionelle Begleitung habe ich die Sorge, dass wir nicht richtig vorwärts kommen“, stellt auch Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff klar.

Problematisch an diesem Posten ist letztlich trotz der Förderung die Finanzierung. Eine Gesamtsumme von etwa 500.000 Euro steht für die erste drei Jahre für solch eine Stelle im Raum. Verbrieft sind die Zahlen nicht. So oder so – denkbar wäre es aus Gemeindesicht, dass man sich den Klimaschutzmanager mit einer Nachbarkommune teilen kann.

Begründeter Entschluss: Darum ruft die Gemeinde Heek (vorerst) keinen Klimanotstand aus

Eine Botschaft mit weitreichender Bedeutung. Dem Problem des Klimaschutzes kann und muss nicht nur global, sondern auch lokal begegnet werden. © Dpa

Zum Beispiel mit Legden. Zwar ist die Gemeinde noch nicht soweit wie Heek, aber auch in Legden ist das Thema Klimaschutzkonzept seit 2017 akut. Möglich, dass die Erstellung eines Konzeptes 2020 angegangen wird. „Wir werden noch viele Gespräche führen müssen. Wichtig ist, dass wir das Leitbild des Konzeptes im Kopf behalten“, so Franz-Josef Weilinghoff.

Klimaveränderungen sind in Heek spürbar

Fakt ist: Mit Blick auf die bereits erfolgten Klimaveränderungen, die auch in Heek zu spüren sind, muss noch mehr passieren als bisher – lokal und global. Beispielhaft für Heek wertete Gertec auf Basis der seit den 1950er-Jahren erfassten Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) die klimatischen Veränderungen für die Gemeinde aus. Die Ergebnisse müssen wachrütteln.

„Wir werden noch viele Gespräche führen müssen.“
Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff

Einige Auszüge: Rückgang der Schneetage pro Jahr um zwei bis vier Tage. Die mittlere Temperatur ist um 0,8 Grad gestiegen. Auch die Anzahl heißer Tage (über 30 Grad) ist um drei bis fünf gestiegen. Und die Werte werden bis 2100, so die Prognose, jeweils noch deutlich weiter steigen. Alleine die mittlere Temperatur um weitere zwei Grad.

Heek produziert große Mengen Ökostrom

Aber: Es gibt auch gute Nachrichten. Sabine Lohoff, Diplom-Ingenieurin für Raumplanung und Prokuristin bei Gertec, erklärt: „Die Gemeinde Heek produziert eine große Menge erneuerbare Energien. Mehr, als in der Gemeinde verbraucht wird. Das ist beachtlich.“

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Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff macht es vor: Öfter mal das Fahrrad benutzen und damit das Klima schützen. Deshalb soll in der Gemeinde Heek perspektivisch auch das Radwegnetz weiter ausgebaut werden. So sieht es zumindest das Klimaschutzkonzept vor. © Markus Gehring

Und an dieser Stelle gilt es anzusetzen. So sollen laut Konzept noch mehr Fotovoltaikanlagen installiert werden, das Radwegnetz weiter ausgebaut und eine zentrale Beratungsstelle für die energetische Sanierung von Wohngebäuden eingerichtet werden. Viel Arbeit, die auf die Gemeinde zukommt.

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