Etliche Kleintransporter im Kreis Borken geklaut: Ist eine Bande am Werk?

mlzAutodiebstahl

In den vergangenen Monaten sind etliche Kleintransporter in Heek, Vreden, Südlohn und Stadtlohn gestohlen worden. Laut Polizei liegt der Verdacht nahe, dass eine Bande am Werk ist.

Heek

, 16.08.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das kann doch kein Zufall mehr sein. In den zurückliegenden drei Monaten sind im Kreis Borken zahlreiche Kleintransporter gestohlen worden. Jüngst in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (13./14. August) in Nienborg. Ein weißer Citroen Jumper, der auf der Weberstraße abgestellt war, verschwand bisher spurlos.

Auch in Vreden, Ahaus, Südlohn und Stadtlohn verschwanden in den vergangenen Monaten Kleintransporter. Hinzu kommen in diesem Jahr noch zahlreiche Aufbrüche dieser Fahrzeugkategorie, bei denen zumeist Werkzeug entwendet wurde.

Die Polizei verzeichnet einen klaren Anstieg

Nachfrage bei der Kreispolizeibehörde. „Man kann von einem klaren Anstieg dieser Vorfälle in den vergangenen drei Monaten sprechen“, sagt Polizei-Pressesprecher Frank Rentmeister ohne Umschweife. Und die exakte Zahl? „Zwölf geklaute Kleintransporter in diesem Jahr.“

Davon alleine mehr als sechs in den vergangenen drei Monaten. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Dass es sich um Auftragsarbeiten handelt, kann Frank Rentmeister aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht bestätigten. Er sagt aber: „Es sieht zumindest danach aus.“

Etliche Kleintransporter im Kreis Borken geklaut: Ist eine Bande am Werk?

Wie die Täter in den jüngsten Fällen die Autos aufbrachen, ist nicht klar. © dpa

Doch wenn es sich tatsächlich um Auftragsarbeiten handeln sollte, dann steckt dahinter vermutlich eine organisierte Bande mit Hintermännern, die die Aufträge verteilen. „Fahrzeugdiebstähle finden oft in Bandenarbeit statt. Die Täter klauten dabei praktisch auf Bestellung“, erklärt der Polizei-Pressesprecher.

„Polizei, Versicherung und so weiter. Das ist ein langer Rattenschwanz.“
Hubert Thies

In der Summe wird die Beute für die Täter attraktiv

Zwar ist ein Kleintransporter als solches weniger wert als eine Limousine, aber der oftmals zusätzliche geladene Inhalt macht die Sache für die Täter attraktiv. Teures Werkzeug treibt den Wert des Diebesguts schnell in die Höhe.

Und gleich den gesamten Transporter mit Inhalt zu stehlen, erspart den Tätern zudem noch das zeitintensive Umladen. „Je schneller und risikoärmer Täter eine Tat durchführen können, desto attraktiver ist es für sie.“

Etliche Kleintransporter im Kreis Borken geklaut: Ist eine Bande am Werk?

Die (Bundes-) Polizei kontrolliert auf Autobahnen regelmäßig Kleintransporter. Im Idealfall stoßen die Beamten bei diesen Überpfüngen auch auf gestohlene Fahrzeuge (Symbolbild). © dpa

Wie lange sich die Täter derweil am Kleintransporter der Firma Thies Bürotechnik aus Stadtlohn zu schaffen gemacht haben, ist nicht klar. Die Tat geschah, wie vermutlich alle, in der Nacht. Vom 31. Juli auf den 1. August stahlen der oder die Täter einen grau lackierten Fiat Ducato, der auf dem frei zugänglichen Parkplatz der Firma am Südlohner Weg parkte.

„Fahrzeugdiebstähle finden oft in Bandenarbeit statt. Die Täter klauten dabei praktisch auf Bestellung.“
Frank Rentmeister

Die Täter machen fette Beute

„Wir können das Areal nicht komplett einzäunen lassen, aber wir werden die Autos jetzt in der Halle parken“, sagt Hubert Thies, den vor allem der aus dem Diebstahl resultierende Papierkram nervt. „Polizei, Versicherung und so weiter. Das ist ein langer Rattenschwanz. Einfach ärgerlich.“

Besonders bitter: Der Kleintransporter hatte neben Werkzeug auch noch verpackte Büromöbel geladen, die ausgeliefert werden sollten. „Da sprechen wir von einem Verkaufswert von etwa 10.000 Euro“, so Hubert Thies. Dazu der Transporter im Wert von 25.000 bis 30.000 Euro und das Werkzeug. Fette Beute für die Täter.

„Zum Glück haben wir eine Transportversicherung und bekommen den Schaden ersetzt, aber die Sache ist einfach nur ärgerlich.“

Jetzt lesen

Am 31. Mai dieses Jahres ereignete sich ein merkwürdiger Vorfall

Und Hubert Thies verweist auf den 31. Mai dieses Jahres. Denn rückblickend habe er festgestellt, dass sich Unbekannte an diesem Dienstag bereits an einem Kleintransporter der Firma zu schaffen gemacht hatten. „Die Typen waren im Fahrzeug. Aber wir wissen nicht, ob der Diebstahl scheiterte oder sie den Wagen nur ausgelesen haben.“

Etliche Kleintransporter im Kreis Borken geklaut: Ist eine Bande am Werk?

Eine Sicherungsmöglichkeit für Fahrzeuge: eine so genannte Lenkradkralle. Sie soll verhindern, das Diebe mit Auto wegfahren können. © picture alliance/dpa

So oder so - in derselben Nacht entwendeten Unbekannte nur wenige Kilometer entfernt einen Kleintransporter der Firma Thomes in Südlohn. Heinrich Thomes sagt auf Nachfrage: „Das alles beunruhigt schon ganz enorm.“ Im Falle seiner Firma stand der Transporter auf der Doornte.

Kommen die Täter aus den Niederlanden?

Über diese Straße gelangt man schnell in die Niederlande. Kommen die Täter also aus dem Nachbarland? „Das können wir nicht sagen. Derzeit ist keines der zwölf Fahrzeuge wieder aufgetaucht“, sagt Frank Rentmeister. Aber: Die Polizei habe in der Vergangenheit durchaus schon mal einen gestohlenen Transporter in den Niederlanden sicherstellen können.

Heinrich Thomes ärgert sich ebenfalls über den lästigen Papierkram, den so ein Diebstahl nach sich zieht. „Das ist Irre, was da anfällt.“ Und er stellt klar: „Unser neuer Kleintransporter ist jetzt mit einer Alarmanlage versehen.“

Tipps der Polizei für den Kleintransporterschutz:
  • Fahrzeuge auf dem Firmengelände, das möglichst gesichert sein sollte, parken.
  • Lenkradsicherung installieren
  • Heckklappensicherung einbauen
  • Alarmanlage installieren
  • Radkrallen nutzen
  • Im öffentlichen Raum möglichst an frequentierten und beleuchteten Orten parken

Doch wie reagieren andere Unternehmen mit Kleintransportern auf die jüngsten Ereignisse? „Eigentlich müssten die Firmen jetzt sensibilisiert sein“, merkt Frank Rentmeister an.

Nachtwächter sollen die Firmen-Areale sichern

Und zumindest in Heek scheint dem so. Genauer gesagt im Gewerbegebiet Heek-West. Dort sollen Nachtwächter ihre Runden drehen. Das sagt ein Mitarbeiter der Firma Elektro Gausling. Zudem sei ein weiterer Wachmann auf dem Areal der Firma 2G und Elektro Gausling sowie der näheren Umgebung im Einsatz.

„Zudem haben wir eine Videoüberwachung. Wir machen uns deshalb aktuell keine Sorgen“, so der Mitarbeiter. Und zusätzliche Schutzmaßnahmen an und für die Kleintransporter sind es, die Frank Rentmeister allen Firmeninhabern empfiehlt. „Sicht- und mechanischer Schutz können den Tätern das Leben deutlich erschweren.“

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt