Heeker Landwirte sorgen sich um ihr Geschäft

mlzWinterversammlung der Ortsverbände

Dürresommer, Seuchengefahr und schwindende Erlöse – die Landwirtschaftlichen Ortsverbände Heek und Nienborg haben bei ihrer Winterversammlung auf ein mageres Jahr zurückgeblickt.

Heek

, 17.01.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Jan Gerd Weilinghoff auf das abgelaufene Jahr zurückblickte, hatte er wenig Positives zu vermelden. „Nach Sturmtief Friederike ging es direkt in den Dürresommer“, so der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Heek. Erhebliche Ernteausfälle und Kostensteigerungen für Futtermittel waren die Folge. „Auch daran mussten wir uns gewöhnen.“

Verdachtsfälle bei der Rinderseuche BHV1 und der Afrikanischen Schweinepest hatten zu erhöhten Vorsichtsmaßnahmen geführt. „Dafür müssen wir selbst sorgen“, so der Vorsitzende. Auch bei der Vermarktung von Schweinen, Kühen und Milch gab es keine guten Nachrichten. Diese Sektoren seien stark durch den Dürresommer betroffen gewesen. Während bei Schweinen und Rinden die Erlöse einbrachen, litten die Milchbauern bei konstanten Preisen unter steigenden Futterkosten.

Auch Bürgermeisters Franz-Josef Weilinghoff machte den Landwirten zunächst wenig Hoffnung: „Bei der Bürokratie kann ich versprechen, das wird so bleiben. Der Erfahrung nach kommt immer mehr obendrauf.“ Anschließend rief er aber zur Gelassenheit auf. „Da wird vieles heißer gekocht als gegessen.“

Keine Glasfaserversorgung bis zum letzten Hof

Der Bürgermeister blickte zurück auf den Glasfaserausbau in Ahle, rund 2 Mio. an Fördergeldern seien nach Heek geflossen, und kündigte an, das Thema Glasfaser 2019 abhaken zu wollen. Eine Komplettversorgung bis zum letzten Hof sei aber nicht realistisch. Dafür seien rund 7,5 Mio. Euro nötig.

Bei den Wirtschaftswegen sieht er die Gemeinde auf einem guten Weg. Auf Nachfrage, warum sie mit einem Wegeverband nicht schon weiter sei, stellte er klar: „Der Wirtschaftswegeverband befindet sich in Warteposition.“ Gescher und Metelen seien dort Vorreiter, die Gemeinde wolle zunächst dortige Ergebnisse abwarten.

Von dem Umspannwerk auf Heeker Gebiet hätte er „gerne eher erfahren.“ Letztlich sei die Krux aber immer die Gleiche: „Vor der Haustür will es keiner haben.“ Auch die Nord-Süd-Trasse von Amprion führe höchstwahrscheinlich durch Heeker Gebiet, wahrscheinlich durch Wichum. Auch andere Standorte seien möglich, hätten aber mehr Auswirkungen auf Heek.

Insgesamt sei die Fläche stark belastet „und es wird nicht weniger.“ Auch im Hinblick auf das Zwischenlager in Ahaus („Das wird zum Endlager“) entstehe der Eindruck, mit dem Münsterland könne man es machen. „Da muss die ganze Region aufstehen. Denn wer sich nicht wehrt, hat schon verloren.“ In diesem Zusammenhang lobte er die Stohballen-Aktion der Landfrauen und verwechselte prompt die Nienborgerinnen mit den Heekerinnen. „Ich als Nicht-Heeker und Nicht-Nienborger kann mir das erlauben“, so der Bürgermeister.

WLV wollte lieber Gewinnrücklage

Mehrere Vorträge informierten über Themen rund um die Landwirtschaft. So sprach Fabian Klönne vom WLV über die Gesetzlichen Rahmenbedingungen der Hofnachfolge. Ulrike Janßen-Tapken von der Landwirtsschaftskammer klärte über Veränderungen im Baurecht bei Gefahrensilos auf und Ludger Laurenz referierte über Klimawandel und Extremwetter.

Kreislandwirt Heinrich Emming warb bei der Ferkelkastration für den 4. Weg, lokale Betäubung. „Da wollen wir hin.“ Eile sei angesichts der zweijährigen Übergangszeit geboten. „Da müssen wir schnell dran.“ Er dankte den Mitwirkenden bei der Drückjagd im Graeser Moor. Diese zwei zwar nur mäßig erfolgreich gewesen. „Aber es ist wichtig, den Holländern zu vermitteln, dass sie auch jagen müssen.“ Die Gefahr sei aber gerade angesichts der zwei neuen Fälle an der französischen Grenze nicht gebannt. „Die müssen wir mit allen Mitteln ausmerzen.“

PR-Profis für die Imagepflege?

Die Sommerliche Dürre habe mächtig auf die Bilanzen geschlagen, so Emming. Gerade im Westmünsterland. 103 Anträge auf Dürrehilfen seien im Kreis Borken gestellt worden. Der WLV habe eine andere Lösung favorisiert, die Bildung einer steuerlichen Gewinnrücklage. Der Verwaltungsaufwand sei erheblich. Und: „Uns immer an den Staat zu wenden, hat uns nie gutgetan.“

Für die Öffentlichkeitsarbeit regte Emming an, künftig PR-Profis zu engagieren. „Sonst stehen wir auf verlorenem Posten. Es laufen so viele Kampagnen gegen die Landwirtschaft“, so Emming.

Immerhin sei angesichts von über 200 Landwirten in Ausbildung die Zukunft des Berufsstandes gesicht. Und die Stimmung? „Die wird auch wieder besser“, meint Jan Gerd Weilinghoff.

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