Heeker Politik fühlt sich von geplantem Windenergie-Umspannwerk überrumpelt

mlzÄrger im Rat

Ein geplantes Umspannwerk für Windenergie hat im Heeker Rat für Unmut gesorgt. Die Politiker fühlten sich von der Planung überrumpelt – und versagten ihr Einvernehmen.

Heek

, 21.12.2018, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aber der Reihe nach: Die Bürgerwind Schöppingen-Strönfeld GmbH & Co. KG (BSS) plant zusammen mit Bürgerwind Schöppingen-Ramsberg sieben neue Windkraftanlagen in Schöppingen. Um den Strom von dort ins Netz einzuspeisen, muss ein neues Umspannwerk gebaut werden. Das soll auf einem Acker an der Kreuzung des Düstermühlenwegs, der Lange Moot und Am Blömerbach entstehen und etwa 50 mal 15 Meter groß werden.

Alternativloser Standort am Düstermühlenweg

Die BSS stellte den Standort dort als alternativlos dar. Einerseits müsse das Umspannwerk nah an einem der Masten der Hochspannungsleitung stehen, andererseits werde das Grundstück durch Gas- und Stromleitungen eingekeilt. Das Umspannwerk auch nur leicht zu verschieben, sei nicht möglich. Projektmanager Benjamin Rotherm erklärte, dass die BSS in einem mehrere Kilometer großen Umkreis nach einem Standort gesucht habe. Der jetzt vorgestellte sei die einzige mögliche Alternative.

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Mit der Planung zeigte sich der Heeker Rat in seiner Sitzung am Mittwochabend aber überhaupt nicht einverstanden.

Dreifache Kritik der Heeker Politiker

Aus ihrer Sicht sprechen vor allem drei Gründe gegen die Planung:

  • Zu dicht an den Wirtschaftswegen: Franz Epping (CDU) brach eine Lanze für die Landwirte. Sie seien auf die Wirtschaftswege angewiesen. Bei den heutigen Tonnagen und Breiten der landwirtschaftlichen Fahrzeuge seien die Wege aber jetzt schon bis an die Grenze ausgereizt. Wenn nun ein Umspannwerk so dicht an den Weg gebaut werde, sei es nicht mehr möglich, mit zwei Gespannen aneinander vorbeizufahren. „Der Standort ist äußerst ungünstig“, so Epping.
  • Nicht mit der Natur und Ökologie vereinbar: Reinhard Brunsch (SPD) forderte, zumindest Hecken großzügig rund um das Umspannwerk zu pflanzen, um es so wenigstens optisch etwas verstecken zu können. Wegen der begrenzten Fläche ist aber auch das nicht möglich.
  • Großer Zeitdruck: Der sorgte für den meisten Ärger: Die Planungen seien erst kurz vor der Sitzung den Politikern zugestellt worden, jetzt werde aber schon eine Entscheidung von ihnen verlangt. „Wir haben am 28. November zum ersten Mal davon gehört, dabei lief die Planung da schon über ein Jahr“, sagte Hermann-Josef Schepers (SPD). Er fühlte sich von der Planung nicht mitgenommen und zeigte sich enttäuscht darüber.

Gerade den letzten Grund versuchte Josef Berghaus, BSS-Geschäftsführer der im Publikum saß, zu entkräften. Die Gemeinde hätte schon am 1. Februar von den Planungen Kenntnis bekommen. Herbert Gausling, Fachbereichsleiter Bauen und Planen in der Heeker Verwaltung, ließ das so nicht stehen. Im Februar habe er zwar allererste Planungen zum Umspannwerk gesehen, aber schon damals habe er den Standort kritisiert. Danach habe es bis zum Oktober keinen neuen Stand gegeben. Auch Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff berichtete von deutlichem Unmut in der Heeker Bevölkerung.

Kein Einvernehmen möglich

Er fasste die Diskussion schließlich zusammen: „Ein Einvernehmen ist so ja offensichtlich nicht möglich.“ Benjamin Rotherm verwies dann auf Fristen im Baugenehmigungsverfahren, die davon betroffen sein könnten. „Wollen Sie uns etwa drohen?“, stieg Reinhard Brunsch wiederum darauf ein. Nein, das habe ihm ferngelegen. „Es ging mir nur um eine Information“, sagte er. Bei einer Enthaltung versagte der Rat einstimmig sein Einvernehmen.

Gegen den Bau des Umspannwerkes wird dieses Veto jedoch wohl nur wenig ausrichten können. Über die Genehmigung entscheidet der Kreis Borken.

Der Geschäftsführer vom Bürgerwind Schöppingen Strönfeld, Josef Berghaus, reagierte verschnupft auf die Entscheidung des Rates: „Ja – dann ist das eben so“, stieß er aus, als er zusammen mit den anderen Vertretern der BSS die Versammlung verließ.

Versagt oder vertagt?

Verwirrung über den Inhalt der Abstimmung

Verwirrung war nach der Sitzung offenbar darüber entstanden, was man denn nun überhaupt entschieden hatte. Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff und die CDU-Fraktion waren sich auf Nachfrage sicher, dass der Rat sein Einvernehmen versagt hatte. Die SPD-Fraktion war zunächst davon ausgegangen, man habe die Entscheidung noch vertagt.
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