Stefanie Gausling steckt einen Geldschein in die Spendendose, die ihr Frank Schulten aus der Distanz entgegenhält. © Stefan Grothues
Tannenbaumaktion

Heeker Tannenbaumaktion unter Coronavorzeichen endet mit Rekordergebnis

Lange stand die Tannenbaum-Aktion der Kolpingsfamilie auf der Kippe. Mit einem strengen Hygienekonzept zogen die Sammler am Samstag aber dann doch durchs Dorf – und erzielten ein Rekordergebnis.

Maskierte Männer ziehen mit langen Holz- und Eisenstäben durchs Dorf und bitten an den Haustüren nach Geld. Das könnte wie ein bedrohliches Szenario klingen. Nicht in Heek. Man kennt sich ja. Die Spendensammler der Tannenbaumaktion waren am Samstagnachmittag überall hochwillkommen – wie in jedem Jahr, trotz Corona. Und die langen Stäbe dienten dem Schutz vor dem Virus.

Seit 46 Jahren holen freiwillige Helfer der Kolpingsfamilie Heek die ausgedienten Weihnachtsbäume ab und sammeln Spenden für die Arbeit des aus Heek stammenden Bischofs Ludger Alfert in Paraguay. Frank Schulten ist einer von ihnen. Der 46-jährige ist schon vor über 30 Jahren in diese Aufgabe hineingewachsen. „Mein Vater hat mich damals mitgenommen. Er und einige andere Kolpingbrüder haben die Sammlung ins Leben gerufen.“

Maske ist Pflicht: Kolpinghelfer holen die Tannenbäume ab.
Maske ist Pflicht: Kolpinghelfer holen die Tannenbäume ab. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Seither hat Frank Schulten jedes Jahr mitgemacht. Nur einmal nicht. Da war die Geburt seiner Tochter wichtiger. Als Schufterei hat Frank Schulten die Aktion nie empfunden, auch wenn die rund 60 Helfer in neun Gruppen über 1500 Tannenbäume verladen müssen.

Eher als geselliges Ereignis, das mittags mit einem Treffen an der Schirmschoppe begann. „Währender Sammelaktion hatten wir dann immer feste Adressen für ein Päuschen. Mal gab es ein Schnäpschen, mal ein Bier oder ein Stückchen Kuchen“, sagt Frank Schulten und lacht.

Die Spendenbereitschaft in Heek ist groß

„Hier zum Beispiel sind wir immer eingekehrt“, sagt Frank Schulten als er an der Tür von Stefanie Gausling klingelt. Ihr Bruder und ihr Vater gehören ebenfalls zu den Sammlern.

Dieses Mal aber bleibt Frank Schulten auf Distanz. An einem langen Metallstab hat er die Kolpingsammelbüchse befestigt und hält sie aus der Entfernung Stefanie Gausling entgegen. Die steckt lachend eine Geldschein hinein, während Frank Schultens Team die abgelegten Tannenbäume entlang der Bahnhofstraße auf den Anhänger eines Traktors wuchten.

Schon seit über 30 Jahren sammelt Frank Schulten die Tannenbäume ein. In diesem Jahr setzt er die Maske nur einen Moment fürs Foto ab.
Schon seit über 30 Jahren sammelt Frank Schulten die Tannenbäume ein. In diesem Jahr setzt er die Maske nur einen Moment fürs Foto ab. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

„Spenden ist für viele Heeker ein Ehrensache. Es geben auch viele Geld, die gar keinen Tannenbaum haben“, sagt Frank Schulten. Viele Heeker fühlten sich seit vielen Jahren mit Bischof Ludger Alfert verbunden, der die Gelder in Paraguay für Schulen, Missionsarbeit und die Ausbildung von Priesteranwärtern einsetzt. „Der Bischof zählt auf uns“, sagt Walter Mieling, der Vorsitzende der Kolpingsfamilie.

Darum wollte die Kolpingsfamilie die Sammlung auch nicht absagen. „Wir haben lange überlegt, ob wir die Aktion in Zeiten der Coronapandemie überhaupt durchführen können“, sagt Mieling.

Dann stellten die Verantwortlichen in Absprache mit dem Ordnungsamt ein strenges Hygienekonzept auf: Mundschutz und Handschuhe sind Pflicht. Spendendosen mit Distanzstäben ebenso. Walter Mieling protokolliert genau, wer mit wem sammelt. Keine Schwätzchen, keine Gruppenbildung und auch kein gemütlicher Abschluss. Dieses Jahr gibt es keine heiße Suppe für die Helfer im Kreuzzentrum.

Alle Sammler haben die Spendendosen an langen Stäben befestigt, um dem Virus keine Chance zu geben.
Alle Sammler haben die Spendendosen an langen Stäben befestigt, um dem Virus keine Chance zu geben. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Für Frank Schulten ist der Einsatz dennoch Ehrensache. Und ein Zeichen des Zusammenhalts in der Gemeinde auch in schwierigen Zeiten. Traktoren und Pritschenwagen pendeln derweil in die Bült, wo der Berg an ausgedienten Tannenbäume immer weiter wächst. Zu Ostern werden die Weihnachtsrelikte hier in Flammen aufgehen.

Der Friedhof der Tannenbäume. In der Bült werden die ausgedienten Weihnachtsbäume fürs Osterfeuer abgeladen.
Der Friedhof der Tannenbäume. In der Bült werden die ausgedienten Weihnachtsbäume fürs Osterfeuer abgeladen. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Dann wird Bischof Alfert in Paraguay längst über den Spendenerlös verfügen können. Und der ist in diesem Jahr so hoch wie nie. Walter Mieling verkündet am Samstagabend stolz das Ergebnis: „9700 Euro wurden eingesammelt. Das ist ein Spitzenergebnis, das wir so noch nicht hatten!“

Er freut sich, dass alles reibungslos und coronakonform über die Bühne gegangen ist. Walter Mieling: „In diesem Jahr ist alles anders. Aber auf die Helfer und Spender ist wie immer Verlass.“

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