In Heek deckt eine Polizeikontrolle plötzlich einen kuriosen Kriminalfall auf

mlzGerichtsprozess

Damit hatten wohl auch die Polizeibeamten nicht gerechnet, als sie am 15. August 2019 in Heek einen Pkw kontrollierten. Einer der zwei Insassen wurde mit mehreren Haftbefehlen gesucht.

Heek

, 26.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Handschellen und in Begleitung von zwei Justizvollzugsbeamten wird der wegen Urkundenfälschung in Heek angeklagte 35-jährige am Freitagmorgen in den Verhandlungssaal im Amtsgericht Ahaus geführt. Glatze, roter Pulli, Jeans, ein stark osteuropäischer Akzent und um keine Ausrede verlegen – so präsentiert sich der Mann dem Richter. Dass die Sicherheitsvorkehrungen höher als gewöhnlich sind, hat seine Gründe.

Und das hat weniger mit der angeklagten Tat als mit der Vorgeschichte des Mannes zu tun. Denn als er am 15. August des vergangenen Jahres in Heek in eine Polizeikontrolle gerät, wird der Mann mit mehreren Haftbefehlen gesucht. Das Kuriose: Der 35-Jährige fährt den kontrollierten PKW nicht mal selber. Dennoch wollen die Beamten routinemäßig auch seine Personalien überprüfen. Und dabei „zaubert“ der Angeklagte einen Führerschein aus Lettland hervor.

Die Polizeibeamten werden misstrauisch

Die Beamten werden misstrauisch. Sie ziehen den Führerschein ein und verhaften den Mann. Eine Untersuchung des Führerscheins unter einer UV-Licht-Quelle zeigt wenig später: Der Lappen ist eine stümperhafte Fälschung. Das erfüllt den Straftatbestand der Urkundenfälschung. Und: Der Mann soll laut Anklageschrift so bewusst versucht haben, seine wahre Identität zu verschleiern.

In Heek deckt eine Polizeikontrolle plötzlich einen kuriosen Kriminalfall auf

Bei einer Polizeikontrolle in Heek im August 2019 fiel der Betrug des Angeklagten auf (Symbolbild). © dpa

Zu diesem Zwecke wurden das Geburtsdatum und der Name auf dem Lappen verändert. Beim Namen beispielsweise durch das Hinzufügen weiterer Buchstaben. So weit so gut. Problematisch für die Urteilsfindung: Der 35-Jährige leugnete die Vorwürfe. Zumindest die Sache mit dem bewussten Täuschen. „Ich wusste, dass der Führerschein eine Fälschung war.“ Er habe nur vergessen, diesen zu entsorgen.

Angeklagter hatte Probleme mit dem „Idiotentest“

Bei der Kontrolle durch die zwei Polizeibeamten will er den Führerschein auch nicht bewusst vorgezeigt haben. „Genau weiß ich das nicht mehr. Aber ich glaube, der ist mir aus dem Portemonnaie gefallen.“ Eine Aussage, die beim Richter nur für ein Kopfschütteln sorgte. „Wo haben sie den überhaupt hergehabt?“, hakte dieser nach.

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Und auch diese Geschichte war kurios. Der 35-Jährige hatte in seinem Heimatland Probleme mit der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) – in der Umgangssprache auch „Idiotentest“ genannt. Das belegten auch die Unterlagen, die dem Gericht vorlagen. „Ich bin dann auf eine Anzeige aufmerksam geworden“, sagte der Angeklagte aus.

Ein dubioser Anbieter stellte den lettischen Führerschein aus

Ein dubioser „Anbieter“ habe ihm gegen entsprechende Bezahlung trotz der MPU einen Führerschein ausgestellt. „Das stinkt doch bis zum Himmel so ein Angebot“, schüttelte der Richter abermals mit dem Kopf. „Ich habe Arbeit, habe Kinder und eine Familie“, entgegnete der 35-Jährige. Der Sinn? Mutmaßlich eine Besänftigung des Richters. Natürlich ergebnislos. „Sie dürfen bei ihrer Vorgeschichte gar keinen Mist bauen“, stellte dieser klar.

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Zu einem Urteil kam es Freitag dennoch nicht. Da die Polizeibeamten nicht als Zeugen geladen waren, konnte der Umstand, ob der Angeklagte den Führerschein bewusst vorzeigt hatte oder ob dieser tatsächlich herausgefallen war, nicht geklärt werden.

Doch dies ist natürlich elementar in Sachen Härte der Strafe. Und diese wird kommen. Die Frage ist nur in welcher Höhe. Der Prozess wird in den kommenden Wochen fortgesetzt. Mit den Polizeibeamten als Zeugen. Nach knapp 30 Minuten klickten wieder die Handschellen. Der 35-Jährige wurde wieder aus dem Saal geführt.

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