Jannik Bröcker brachte den Strom in laotische Bergdörfer

mlzHilfsprojekt in Laos

Der Heeker Jannik Bröcker hat seinen Urlaub genutzt, um in einer der ärmsten Regionen der Welt Photovoltaik-Anlagen zu installieren – eine Grenzerfahrung für den 22-jährigen Elektriker.

Heek

, 01.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als Jannik Bröcker nach zwölf Stunden Flug in Vientiane landete, begann die Arbeit erst richtig. Die Container mit Solarplatten, Kabeln und Regelungssystemen standen schon in der Laotischen Hauptstadt bereit, mussten aber noch in ein entlegenes Bergdorf im Norden geschafft werden. Keine Zeit zu verschnaufen vor dem Weiterflug nach Phongsali.

Es war kein Abenteuerurlaub, der den Heeker Jannik Bröcker nach Laos führte. Zusammen mit anderen Freiwilligen der Organisation „Elektriker ohne Grenzen“ brachte er den Strom in die Bergdörfer rund um die Provinzhauptstadt Phongsali. 30 Haushalte und eine Schule statteten sie mit Photovoltaik-Anlagen aus, um den Dorfbewohnern erstmals regelmäßigen Zugang zu Elektrizität zu ermöglichen. Es war die erste Etappe eines Projekts, das rund 300 Haushalte und sieben Schulen mit Solarstrom versorgen soll.

Vier Stunden Fußmarsch mit Material

„In den Hütten gab es nur offenes Feuer als Lichtquelle“, schildert der 22-jährige. „Das ist ein Riesenproblem, weil viele Kinder davon Atemwegserkrankungen haben.“ Auch die Beleuchtung in den Schulen ist für die Dörfer ein Meilenstein. „Die Kinder müssen tagsüber auf dem Feld helfen, da können sie nur abends in die Schule gehen“, erklärt Bröcker.

Doch bis das erste Haus erleuchtet wurde, war es ein weiter Weg. Denn die letzten Kilometer bis zum Dorf musste das dreiköpfige Elektriker-Team zu Fuß zurücklegen, inklusive des Materials aus zwei Lkws. „Wir mussten alles vier Stunden lang bergauf tragen“, berichtet Böcker. „Aber sehr viele Leute haben mit angepackt.“

Dorfbewohner halfen beim Transport des Materials in die Berge.

Dorfbewohner halfen beim Transport des Materials in die Berge. © Privat

Gemeinsam installierte das internationale Team Photovoltaik-Platten an den Häusern und sorgte für die Verkabelung – unter den interessierten Blicken der Dorfbewohner. „Wir haben ihnen einfache Dinge gezeigt, die sie selbst machen können, etwa Leuchtmittel wechseln oder Batterien anschließen.“ Einem Elektriker aus der Provinzhauptstadt zeigten sie, wie die Anlagen gewartet und repariert werden. „Das ist wichtig für die Zukunftssicherheit des Projekts.“

Auch Weihnachten verbrachte Bröcker im Bergdorf. Die Einheimischen im buddhistischen Laos konnten damit wenig anfangen. „Das kannten die gar nicht. Wir haben dann mit unserem Team zusammengesessen und eine Kerze angezündet“, so der gebürtige Heeker. „Silvester war da schon aufregender. Wir waren in der Stadt und sind dort spontan auf eine private Party eingeladen worden.“ Der 22-jährige schwärmt von der laotischen Gastfreundschaft. „Wir wurden ständig eingeladen, sogar auf eine Hochzeit.“

„Ein Leben wie vor dem Mittelalter“

Auch eine bewegende Abschiedsfeier gab es für die Entwicklungshelfer. „Die Dorfältesten aus den umliegenden Dörfern haben uns mit laotischen Segenswünschen verabschiedet. Das werde ich nie vergessen.“

Einen Monat verbrachte Jannik Bröcker an einer der am wenigsten entwickelten Regionen der Erde. Dafür hat er einen Großteil seines Jahresurlaubs genutzt. Seine Motivation: „Ich wollte meinen Urlaub nicht am Strand verbringen, sondern etwas Sinnvolles tun.“ Gezielt suchte er nach Tätigkeiten für Elektriker und stieß dabei auf die „Elektriker ohne Grenzen“. Finanziert wurden seine Reisekosten über Spendengelder, um die er selbst warb. „Und ich habe es zu keinem Zeitpunkt bereut“, sagt er. „Im Gegenteil, das Leben dort fehlt mir jetzt schon.“

Es ist ein Leben ohne jeglichen Luxus. Sein Schlafplatz: Ein Holzgestell aus Bambus, das er sich mit fünf Anderen teilen musste. Keine Dusche, keine Toilette, kein Fernseher. „Ich hatte vorher gar kein Bild. Es ist ein Leben wie vor dem Mittelalter. Die Menschen gehen jagen und arbeiten auf dem Feld. Und alles was sie brauchen, kommt aus dem Wald.“

„Ich habe gelernt, dass man auf vieles verzichten kann“, sagt Bröcker über das Leben in Laos.

„Ich habe gelernt, dass man auf vieles verzichten kann“, sagt Bröcker über das Leben in Laos. © Privat

Bröcker hat Gefallen gefunden an dem einfachen Leben. „Es war toll zu sehen, wie die Familien und das ganze Dorf zusammenhalten. Mich hat beeindruckt, wie man mit so wenig glücklich sein kann.“ Ein Gefühl, dass er sich auch in der Heimat bewahren will. „Ich habe gelernt, dass man auf vieles verzichten kann.“ Ein bisschen Komfort darf es dann aber doch sein. „Nach der Rückkehr war die erste Dusche ein toller Moment.“

Dennoch plant Jannik Bröcker schon den nächsten Einsatz. „Das war bestimmt nicht das letzte Mal. Vielleicht geht es am Jahresende wieder los.“

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