Käpt`n Blaubär segelt im Himmel

Drachenfest

Es ist der spannende Augenblick für Markus Kirchhoff. Zwei Fehlversuche hat der Münsteraner schon hinter sich. Der Wind war einfach nicht stark genug für seinen Centipeden, einen chinesischen Kaiserdrachen. Das 35-Meter-Ungetüm hat sich verheddert, muss Einheit für Einheit wieder ordentlich auf den Rasen gelegt werden.

HHEK

von von Kevin Schubert

, 22.08.2011, 13:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dann frischt der Wind auf, Kirchhoff gibt Helfer David das Startsignal. Die Böen fassen unter die seidenen Flächen, der Kaiserdrache macht seinem Namen alle Ehre und erhebt sich majestätisch in die Lüfte. Momente wie diese verzückten am vergangenen Wochenende zahlreiche Zuschauer und große wie kleine Drachenfans auf dem Zweiten Nienborger Drachenfest auf dem Hof Tehring in der Bauernschaft Callenbeck.  Kirchhoffs Centipede war dabei nur einer von „etwa 1.500 Drachen“, wie Veranstalter Dominik Kerkfeld schätzte. Von Hamburg bis Bonn und aus der Niederlande hatten waren 42 Drachenflieger der Einladung von ihm und seinem Onkel Hugo Tehring gefolgt.  Die Vielfalt und Pracht der Drachen konnte sich dementsprechend sehen lassen. Verschiedenste Großdrachen und 3D-Figuren machten das Event schon von weitem sichtbar, Käpt´n Blaubär, Seerobben, das Mainzelmännchen, ein Leuchtturm und sogar ein Dixi-Klo flatterten bei perfektem Sommerwetter im Wind. Daneben gab es unzählige kleinere Drachen zu bewundern.  Doch auch neben den Flugobjekten hatte das Drachenfest allerlei zu bieten. Von Samstag auf Sonntag segelten beleuchtete Drachen bei der Nachtflugshow über dem Gelände und sorgten für ein farbenfrohes Spektakel. Der begeisterte Motorradfahrer Tehring hatte für ein beachtliches Aufgebot an historischen Maschinen gesorgt. DJ Tobi und DJ Frank sorgten für Unterhaltung und Musik.  Auch für die kleinen Gäste wurde besonderes geboten: die Hüpfburg war bei dem Programm schon fast als profan zu bezeichnen. Schließlich ließ es Drachenflieger Robby Aue regelmäßig regnen, indem er seine Bonbonfähre an einem Seil aufsteigen ließ, bis ein Stopper den Flug des Drachen jäh stoppte und die mit Süßem gefüllte Tüte kippen ließ. Kerkfeld betonte: „Es ist wichtig für uns, dass das ein kleines und familiäres Fest bleibt.“ Jeder solle das Drachenfliegen ausprobieren können, so die Veranstalter.  So informierten die Drachenbauer auch gerne über die Besonderheiten ihrer Lieblinge. „Die Centipeden werden auch heute noch in China gebaut“, erklärte etwa Kirchhoff die Geschichte seines Giganten. „Bei der Geburt eines Sohnes werden sie traditionell steigen gelassen, dann wird die Schnur durchschnitten. Je höher der Drache steigt, desto mehr Glück wird der Junge im Leben haben.“ Auch sein Drache sei aus China. „Das ist echte Seide und echter Bambus – bei einer Länge von 35 Metern wäre mir das sonst zu anstrengend“, gab Kirchhoff ehrlich zu. Dafür habe er im Mai mit seiner Frau eine Manufaktur in China besucht und erfolgreich an der dortigen Drachen-Olympiade teilgenommen.  Die Veranstalter und Drachenflieger gaben auch persönliche Einblicke in ihr zeitaufwendiges Hobby. Im Winter werde meistens an neuen Drachen getüftelt, erzählte Kerkfeld. Im Sommer touren die meisten dann quer durch Deutschland, manche sogar durch Europa, wie etwa Kirchhoff. „Alleine an diesem Wochenende sind in Deutschland fünf Drachenfeste“, berichtete Kerkfeld.  Die Veranstalter dankten vor allem ihren Nachbarn und den 42 Drachenfliegern, dass sie das Fest ermöglicht und so lebendig gestaltet hätten. Im Namen der Drachenflieger dankte auch Aue den Veranstaltern. „Die haben ein sehr schönes Drachenfest veranstaltet, in zwei Jahren sind wir wieder da.“  Dann, kündete Tehring an, sei das nächste Fest  in Nienborg geplant. Neben den Drachen will Tehring dann vor allem Oldtimer und Automobile auf seinen Hof locken.

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