Kistenweise Trödel für guten Zweck

Flohmarkt

Sie könnten es sich gemütlich machen im wohlverdienten Ruhestand, denn sie sind alle im Rentenalter. Aber einmal im Monat krempeln die Damen der Evangelischen Frauenhilfe in Heek die Ärmel hoch und packen kistenweise Trödel aus: Dann ist Flohmarkt im Gemeindesaal der Magdalenenkirche.

HEEK

, 07.12.2016, 18:11 Uhr / Lesedauer: 3 min

Heidemarie Langel lacht: "Wir wissen manchmal gar nicht, wohin." Die 71-Jährige war 22 Jahre lang Küsterin in der evangelischen Kirchengemeinde Heek. Seit fünf Jahren engagiert sie sich mit anderen aus der Evangelischen Frauenhilfe für den monatlichen Trödelmarkt. Dann werden Kisten, Kartons und Beutel hervorgeholt und für den Verkauf ausgepackt.

Ein älterer Herr tritt ein. Für die ausgestellte Ware hat er keinen Blick übrig. Stattdessen geht er zum Kaffeetisch und setzt sich zu einer alten Dame, die dort bereits ihren Kaffee trinkt. Die Damen begrüßen ihn fröhlich. Denn das gehört laut Gemeinde-Homepage zum Angebot des Flohmarkts selbstverständlich dazu: "Kaffee, Trödel - Atempause".

Gut für die Gemeinde

Edeltraud Fax erinnert sich: "Wir haben bei einer Versammlung überlegt, was wir kostengünstig auf die Beine stellen könnten für das Gemeindeleben." Die 79-Jährige ist die älteste im Kreis der sechs oder sieben Frauen, die regelmäßig den Markt organisieren. Sie hatte vor fünf Jahren die Idee für den Trödelmarkt, die von der damaligen Pfarrerin Gunda Hansen begeistert angenommen wurde. Edeltraud Fax: "Die Idee war, dass jemand, der etwas nicht mehr braucht, anderen hilft, was er braucht, für kleines Geld zu bekommen."

Gesagt, getan: Die Frauen brachten zunächst aus den eigenen Schränken und Kammern Aussortiertes mit. Doch "dann ist das ganz schnell explodiert", erzählt Heidemarie Langel. Will heißen: Menschen aus der Gemeinde brachten reichlich und regelmäßig gut erhaltene Kleidung, Spielwaren, Deko-Artikel und sogar Schmuck und Devotionalien vorbei.

Ware gespendet

Birgit Muswiek ist an diesem Tag die dritte im Bunde. "Heute Morgen stand auch wieder etwas vor der Tür", sagt die 73-Jährige, die hilft, die Waren zu sortieren, "Kunden" zu beraten und jenen, die zum Plausch kommen, einen Kaffee einzuschenken. Sie ist vor fünf Jahren von der Ostsee nach Heek gezogen und hat in der Frauengruppe Anschluss und eine Betätigung gefunden, die ihr Freude macht. "Das Geld, das wir einnehmen, kommt immer einem guten Zweck zugute", betont Edeltraud Fax. Oft fließt es in den Erhalt der Gemeinderäume oder der Kirche. "Wir haben zum Beispiel die Gardinen für den Gemeindesaal davon angeschafft."

Die Waren für den Markt werden grundsätzlich gespendet. Eben kommt eine Frau mit einem Korb unter dem Arm und reicht Heidemarie Langel einen Stoß Kleidung - Blusen, Pullis. Dann verschwindet sie zwischen Regalen und Tischen. "Ich schaue mich mal noch um", sagt sie. "Schau mal, da ist ein schöner Schal dabei", sagt Heidemarie Langel zu Edeltraud Fax. Sofort suchen die beiden nach einem Platz, um ihn gut sichtbar zu drapieren.

Neuer Raum gewünscht

Doch Platz ist Mangelware: Sogar in den Gängen drängen sich Weihnachtsdeko, Spielzeug, Schuhe und Kinderwagen und warten auf Käufer. "Wenn uns jemand einen Raum zur Verfügung stellen könnte, wo wir die Sachen auch lassen können - das wäre schön", sagt Heidemarie Langel. Denn immer, wenn der Markt abgehalten wird, muss zuvor alles aus- und anschließend wieder eingepackt und verstaut werden, was den Frauen zunehmend Probleme macht. Miete zahlen könnten sie nicht, bedauert Edeltraud Fax. Aber womöglich findet sich jemand nahe der Kirche, der Raum in Herz und Hof für die gute Sache hat.

Denn: Nicht nur die Gemeinde profitiert von dem sozialen Miteinander und den bescheidenen Einnahmen. Auch für die Besucher des Marktes ist das Angebot ein Gewinn, denn die Preise, die die Frauen verlangen, sind denkbar bescheiden. Eben sammelt eine Dame einen kleinen Stoß Kleidungsstücke zusammen, um sie mitzunehmen. Eine andere kramt in einer Schatulle mit Schmuckstücken und ersteht schließlich Haarspange und Halskette für zwei Euro. Die Dame mit dem Korb unterm Arm hat auch etwas gefunden: Ein Plüsch-Nikolaus liegt in ihrem Korb. "Der ist für meine Tochter", lacht sie.

Kleiner Obulus

Wir verschenken immer wieder etwas", erzählt Edeltraud Fax. Gerade den Flüchtlingen habe man auf diese Weise geholfen. Inzwischen aber achte sie darauf, dass ein kleiner Obulus gezahlt wird, "damit die Sachen nicht auf dem Müll landen."

Der Flohmarkt findet am ersten Mittwoch im Monat statt von 10 bis 16 Uhr in der Magdalenenkirche, Bahnhofstraße 46. Es können auch Spenden abgegeben werden.

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