Das Klärwerk in Wichum: Jedes Jahr fallen hier große Mengen Klärschlamm an, dessen Entsorgung nicht günstig ist. © Sarah Vortkamp
Recycling

Klärschlamm-Verwertungsanlage: Risikoabwägung steht im Fokus

Klärschlamm wird in der Regel entsorgt, sprich verbrannt. Das kostet Geld. In Heek könnte die Sache dank einer speziellen Anlage mal anders aussehen. Wenn die Risikoabwägung nicht Rot zeigt.

Es ist schnell gemacht: Einmal die Taste der Toilettenspülung gedrückt und schon verschwindet der Inhalt über die Kanalisation und landet im Klärwerk in Wichum. Dort wird das Abwasser gereinigt und aufbereitet. Zurück bleibt Klärschlamm. Dessen Entsorgung kostet die Gemeinde eine Stange Geld. Doch das könnte bald Geschichte sein.

Denn längst ist klar, dass die Verwaltung über ein innovatives Projekt im Gewerbegebiet Heek-West nachdenkt. Die Planungen laufen schon seit gut zwei Jahren. So könnte dort – am äußersten Rand – mal eine sogenannte Klärschlamm-Verwertungsanlage (KVA) gebaut werden. Nur: Wie ist der Stand der Dinge?

Eine Entscheidung steht noch aus

„Es befindet sich noch alles in der Prüfung. Es wurde darüber noch keine politische Entscheidung getroffen“, sagt Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff auf Redaktionsanfrage. Dass noch alles in der Schwebe ist, hängt auch mit der Risikoabwägung zusammen.

Dabei geht es etwa um schädliche Stoffe und Emissionen durch den Betrieb einer solchen Anlage auf dem Gemeindegebiet. „Würden uns solche als Kommune belasten? Das muss unbedingt geklärt werden“, macht der Bürgermeister deutlich.

Experten sollen offene Fragen klären

Genau deshalb soll auch noch ein Expertengremium für Klärschlammverwertung eingeladen werden, um genau diese Fragen zu klären. Klar ist, dass die Gemeinde „die Öffentlichkeit im Boot halten will“. Ob die Expertenrunde auch unter Bürgerbeteiligung stattfinden wird, muss noch geklärt werden. „Wir schauen, was möglich ist“, so Weilinghoff.

Das markierte Grundstück im Gewerbegebiet Heek-West käme für die geplante KVA in Frage.
Das markierte Grundstück im Gewerbegebiet Heek-West käme für die geplante KVA in Frage. © Gemeinde Heek © Gemeinde Heek

Und warum wird in Heek überhaupt über eine KVA-Anlage, die von einer externen Projektgesellschaft betrieben würde, nachgedacht? Weil eine solche Anlage im Idealfall viele Vorteile für Gemeinde und Bürger mit sich bringen kann.

Vorteile für Gemeinde und Bürger

So könnte die Gemeinde etwa die nicht unerheblichen Kosten der Klärschlammentsorgung (800 bis 1000 Tonnen pro Jahr) sparen. Je nach Vertrag fallen dafür sonst je Tonne 60 bis 100 Euro an. Hinzu kommen Gewerbesteuereinnahmen, welche der Anlagen-Betreiber zahlen muss.

Und der Nutzen für einen Privathaushalt? Die Konservierung der aktuellen Abwassergebühren von 2,79 Euro je Kubikmeter. So zumindest der Plan. Dass eine solche Konservierung keine Selbstverständlichkeit sei, machte Bürgermeister Weilinghoff bereits Anfang des Jahres bei der Projektvorstellung deutlich.

Für eine mögliche Betriebsaufnahme der Anlage hatte die Projektgesellschaft bei einem optimalen Verlauf bereits das dritte oder vierte Quartal 2022 ins Spiel gebracht. Ob dieser Zeitplan aufgehen könnte, ist spekulativ. Zunächst gilt es nämlich, alle offenen Fragen zu klären.

So funktioniert das Klärwerk:

  • Alle Schmutzteile, die größer als vier Millimeter sind, werden aus dem Abwasser entfernt.
  • Dann entziehen Mikroorganismen dem Abwasser die sauerstoffzehrenden Nährstoffe.
  • In der Nachklärung wird dann das klare Wasser vom Schlamm und Mikroorganismengemisch getrennt und in die Dinkel geleitet.
  • Der Klärschlamm wird wieder dem Klärprozess zugeführt und/oder aktuell durch externe Dienstleister verbrannt.
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