Klasse Klang im Kirchenraum

Festival Retour 1716

Diese Musik gehört wirklich in eine Kirche – schließlich ist sie geistlichen Ursprungs. Aber nicht nur das: Schon in der Renaissance wurde vielen Komponisten – gerade in Italien – bewusst, dass Musik eine Kunst ist, die sich nicht nur in der Zeit entwickelt, sondern auch eine räumliche Komponente hat.

HEEK

von Martin Borck

, 16.10.2016, 16:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die räumliche Wirkung der alten Musik entfaltete sich in der St.-Peter-und-Paul-Kirche in Nienborg großartig.

Die räumliche Wirkung der alten Musik entfaltete sich in der St.-Peter-und-Paul-Kirche in Nienborg großartig.

Große Musiker wie Andrea Gabrieli und sein Neffe Giovanni in Venedig arbeiteten seit Mitte des 16. Jahrhunderts räumliche Effekte in ihre Werke ein – und die ließen sich am besten in Kirchen verwirklichen. Auch das (deutlich später entstandene) Magnificat für vier Chöre von Antonio di Nola setzt auf räumliche Wirkung, die sich beim Konzert am Samstagnachmittag in der St.-Peter-und-Paul-Kirche in Nienborg großartig entfaltete.

Teilnehmer und Dozenten des Festivals Retour 1716 hatten das Werk in der vergangenen Woche während eines Seminars an der Landesmusikakademie einstudiert. Was die Musiker – darunter sehr junge – gemeinsam erarbeitet hatten, war schon beachtlich. Sie boten einen sehr guten Eindruck davon, wie die Musik des 17. Jahrhunderts geklungen hat.

Magnificat

Ist das Magnificat allein schon von der Besetzung her ein großes Werk, wurde die feinen Strukturen der Musik aus dem 17. Jahrhundert besonders bei der Vertonung des Psalms 127 von Giovanni Antonius Rigatti hörbar. Zwei Blockflöten, Orgel und drei Stimmen reichen, um ein Tonwerk zu interpretieren, das gleichzeitig Schlichtheit und Tiefe vermittelt.

Wie sich die Musik von eher gedeckten Klangfarben bis zu strahlenden, sprühenden Barockmusik Vivaldis entwickelte (aus dessen Feder der „Frühling“ aus den „Vier Jahreszeiten“, das Concerto in C-Dur und zwei Sätzen aus „La Tempesta di Mare“ erklangen) machte der Auftritt ebenfalls deutlich. Die Instrumentierung änderte sich in jener Zeit. Blockflöten, Zinken, Gamben und Lauten verschwanden – dabei hatten diese Instrumente durchaus ihren eigenen, heute schon fast exotisch wirkenden Reiz.

Daher sind auch die Bemühungen des Vereins „Focus Alte Musik“ hervorzuheben, der das Festival organisiert. Er vermittelt die Schönheit dieser Musik jungen Menschen und regt sie dazu an, die alten Werke aufzuführen. Auf diese Weise kommen auch selten gespielte Kompositionen zu Ehren. Wie Bernardo Pasquinis Sonate für zwei Cembali oder Daniel Speer, der zwei Sonaten für drei Posaunen in sein Lehrwerk „Vierfaches musikalisches Kleeblatt“ schrieb, von denen eine im Rahmen des Magnificats erklang – hörenswert.

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