Neues Konzept fürs Wohnen im Alter: Wird die Gemeinde Versuchskaninchen und Vorreiter?

mlzWohnen in Heek

Wohnkonzepte gibt es viele. Jüngst stellte ein Architekturbüro ein spezielles Konzept für die Gemeinde Heek vor. Es soll Seniorenfreundlichkeit und Gemeinschaft vereinen. Die Hintergründe.

Heek

, 09.07.2019 / Lesedauer: 3 min

„Wir haben das Konzept schon lange auf dem Tableau“, sagte Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses. Eigenständiges und selbstbestimmtes Wohnen im Alter, im kleineren Maßstab und ohne Verlust der Privatsphäre – von solch einem Konzept ist hier die Rede.

Zahlreiche Bürger waren zur Ausschusssitzung gekommen, um sich die Idee der Heimspiel Architekten aus Münster erläutern zu lassen. Den Kontakt zwischen Gemeinde und dem Architekturbüro stellte Sabine Nöldemann von der Gemeindeverwaltung her.

Das Wohnkonzept setzt auf kleinere Grundstücke

Das Konzept der Architekten ist komplex, setzt im Grundsatz aber auf deutlich kleine Grundstücke für das Eigenheim sowie eine Bausteinbauweise. Das heißt, dass verschiedene vorgefertigte Wohnelemente beliebig kombiniert werden können. Je nach Bedarf und Wunsch der Eigentümer.

Gedacht ist dieses Konzept für zukünftige Baugebiete. „Diese könnte man dann mit unserem Konzept von Beginn an durchplanen“, sagte Marc Matzken vom Architekturbüro. Dazu gehören unter anderem ein spezielles Klimaschutz- und Energiekonzept sowie öffentliche Plätze oder auch ein gemeinsames Wegenetz.

Höhere Dicht soll nicht zu Lasten der Lebensqualität gehen

Am perspektivisch geplanten Baufeld Hoffstätte II in Nienborg führten die Architekten ihre Berechnungen durch. Im Durchschnitt seien die Grundstücke in der Gemeinde derzeit zwischen 500 und 600 Quadratmeter groß. Das Konzept der Architekten sieht eine drastische Verkleinerung der zukünftigen Flächen auf durchschnittlich 250 Quadratmeter vor.

Marc Matzken: „Höhere Dichte ist absolut möglich, ohne dadurch Lebensqualität zu verlieren.“ Klingt erst mal gut, aber die Nachfragen der Ausschussmitglieder ließen nicht lange auf sich warten. Wie das Ganze denn seniorengerecht sei, wollte zum Beispiel Herr Hermann-Josef Schepers (SPD) wissen. Antwort Matzken: „Da sind Sie als Gemeinde gefragt.“

Viele Fragen bleiben am Ende offen

Und Mario Strehlow (CDU) merkte an: „So ein Konzept können wir als Gemeinde nicht alleine stemmen.“ Da sei vielleicht ein Investoren-Modell die Lösung, lautete die Antwort der Architekten.

Zudem wurde die Sitzung aufgrund des großen Bürgerinteresses unterbrochen, damit diese ihre Fragen stellen konnten. Ein Bürger hakte nach: „Haben Sie dieses Konzept schon mal wo anders realisiert?“ „Nein“, antwortete Matzken. „Wir wären also ein Versuchskaninchen?“ „Eher ein Vorreiter.“

Baurechtlich ist das Konzept zumindest umsetzbar

Letztlich, so der Eindruck, warf das vorgestellte Konzept mehr Fragen als Lösungen auf. Denn auch der Frage nach den Kosten für ein Haus in Bausteinweise wichen die Architekten aus. „Das kann man pauschal nicht sagen.“

Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff stellte deshalb klar: „Was nicht geht, ist, wenn sich Bürger von ihrem Altbestand lösen und sich für das neue Heim verschulden müssten.“ Eine Nullrechnung sei da aus Sicht der Bürger schon interessanter.

Immerhin: Fachbereichsleiter Herbert Gausling ließ wissen, dass das Konzept prinzipiell baurechtlich umsetzbar sei. Ob und wie das für die Gemeinde Heek mal relevant werde, müsse sich noch zeigen. „Das wird noch sehr spannend. Der Ansatz ist interessant“, so Weilinghoff.

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