Ursula Ewigmann-Eltner findet als ehemalige sachkundige Bürgerin des Dinkelbündnisses deutliche Worte mit Blick auf das Vorgehen der DB-Führungsköpfe. © Till Goerke
Wählergruppe

Kritik am Dinkelbündnis: „Es ist eine reine Schlammschlacht“

Ursula Ewigmann-Eltner hat ihr Amt als sachkundige Bürgerin fürs Dinkelbündnis niedergelegt – auf Drängen der DB-Führung. Jetzt rechnet sie mit dieser schonungslos ab. Und hat Fürsprecher.

Auf dem Tisch liegen Tablet, Handy und ein Notizzettel. Fenster und Türen sind geschlossen. Die Nachbarn sollen nicht hören, wenn es lauter wird. Das wird es nämlich phasenweise, als Ursula Ewigmann-Eltner darüber spricht, wie man mit ihr im Dinkelbündnis umgegangen ist.

Im Gespräch mit der Redaktion rechnet sie mit einzelnen Personen der Wählergruppe und deren menschlichem Fehlverhalten ab. Direkt und schonungslos. „Was die machen, geht gar nicht. So geht man nicht mit Menschen um“, stellt die ehemalige sachkundige Bürgerin der Wählergruppe klar.

Schikane ist noch zu harmlos

Dann lehnt sie sich nach vorne auf den Tisch. Die linke Hand zu einer Faust geballt. „Schikane ist für das, was vorgefallen ist, noch zu harmlos ausgedrückt.“

Denn längst ist das, was vor der Kommunalwahl im September 2020 noch vielversprechend anfing, zu einem Spießrutenlauf für Ewigmann-Eltner geworden. Gipfel dessen war ihr jüngster Rücktritt als sachkundige Bürgerin im Bauausschuss. Eine Entscheidung, die sie letztlich nicht freiwillig fällte.

Zwar setzte Ewigmann-Eltner das notwendige Schreiben an Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff Anfang vergangener Woche auf, doch dass es überhaupt so kam, hätten andere zu verantworten. Das macht die Heekerin im Gespräch unmissverständlich klar. „Es ist eine reine Schlammschlacht gegen einzelne Personen.“

Schnell in Ungnade gefallen

Und: „Berthold Wigger, Bernhard Holtkamp, Birgit Wüsten, Anita Kruthoff und Sebastian Franzbach treffen die Entscheidungen, der Rest muss abnicken. Das ist nicht mein Verständnis von Demokratie.“

Schere mal jemand aus, zeige Eigeninitiative oder vertrete eine andere Meinung als die Führung, falle man in Ungnade. Problem: Genau das hat Ursula Ewigmann-Eltner aus Sicht der DB-Führung getan. So schildert es die Betroffene jedenfalls.

So habe ihr die Führung vorgehalten, dass sie ohne Abstimmung mit dem Fraktionsvorsitzenden Bernhard Holtkamp Kontakt zur Verwaltung aufgenommen habe, um sich auf den Bauausschuss vorzubereiten. Dass sie das habe, räumt Ursula Ewigmann-Eltner ein.

Dies bestätigt auch der DB-Fraktionsvorsitzende auf Anfrage: „Frau Ewigmann-Eltner hat wiederholt unabgestimmt und an der Fraktion vorbei die Verwaltung in politischen Fragen kontaktiert.“

Fehler bei der Abstimmung

Bei der Abstimmung über die Position des Landschaftswartes stimmte Ewigmann-Eltner aus Versehen, das betont sie, gegen den DB-Kandidaten. Auch das sei nicht gut angekommen. Mehrfache Entschuldigungen hätten die Wogen nicht glätten können.

Zu guter Letzt soll die Heekerin laut DB-Führung in der Öffentlichkeit gesagt haben, dass sie das Dinkelbündnis nicht mehr wählen würde. Dass die Worte gefallen sind, streitet sie nicht ab, aber das sei nur intern gewesen.

Prof. Dr. Berthold Wiggers Worte sollen beim Dinkelbündnis Gesetz sein, sagt Ursula Ewigmann-Eltner.
Prof. Dr. Berthold Wiggers Worte sollen beim Dinkelbündnis Gesetz sein, sagt Ursula Ewigmann-Eltner. © Bernd Schäfer © Bernd Schäfer

All dies habe jedenfalls dazu geführt, so erklärt es Ursula Ewigmann-Eltner, dass sie mehrfach zuhause Besuch vom Fraktionsvorsitzenden Holtkamp bekommen habe. Mal alleine, mal in Begleitung. Dabei sei sie bedrängt worden, ihre Arbeit im Bündnis niederzulegen.

Dass es diese Besuche gab, bestätigt Bernhard Holtkamp. „Es haben mehrere Gespräche zwischen Mitgliedern und Frau Ewigmann-Eltner stattgefunden.“ Dabei sei auch über die Niederlegung von Ämtern gesprochen worden.

Den Ort der Gespräche habe aber nicht die DB-Spitze festgelegt. „Auf Wunsch von Frau Ewigmann-Eltner haben Gespräche bei ihr zuhause und in terminlicher Abstimmung mit ihr stattgefunden“, macht Holtkamp deutlich.

Hierarchische Führung

Dem ungeachtet stellt die Heekerin klar: „Das Dinkelbündis wird hierarchisch und selbstbezogen geführt. Für mich ist das alles ein Schachspiel und Wigger ist der König.“ Der Rest seien Bauern, die auch „geopfert“ werden könnten.

Dass die DB-Führung, insbesondere Prof. Dr. Berthold Wigger einen – nennen wir es „fragwürdigen“ – Führungsstil an den Tag legen, wird dieser Redaktion gleich aus mehreren Quellen und unabhängig voneinander bestätigt.

Wohl nicht ohne Grund legten Anfang Mai Carolin Schuckenbrock, Tobias Neumann und Thomas Schultewolter ihre Arbeit im DB-Vorstand nieder. Wenig später folgten gar die Austritte aus der Wählergruppe von Rolf Baltus, Neumann und Schultewolter.

Auch Christoph Lammers soll jüngst sein Amt als sachkundiger Bürger beim Dinkelbünis niedergelegt haben. Ein entsprechendes Schreiben liegt der Verwaltung allerdings noch nicht vor, wie eine Nachfrage ergibt (Stand 5. Juli). Der DB-Fraktionsvorsitzende bedauert jedenfalls den Schritt Lammers, wie er betont.

Es geht um persönliche Fehden

Grundsätzliches Problem in der Wählergruppe ist nach Ursula Ewigmann-Eltner nicht nur der zwischenmenschlich fragwürdige Führungsstil, sondern auch die Tatsache, dass es „nur um persönliche Fehden und Dinge – nicht um gute Lokalpolitik geht“.

Auch diese Aussage wird der Redaktion aus weiteren Quellen bestätigt. Ebenso, dass alle Strippen bei Prof. Dr. Berthold Wigger zusammenlaufen. Ursula Ewigmann-Eltner formuliert es so: „Wenn Wigger da ist, schweigen die meisten. Keiner traut sich, etwas gegen ihn und seine Meinung zu sagen.“

Wie die Redaktion aus weiteren Gesprächen mit Personen aus dem Umfeld der Wählergruppe erfahren hat, sei das auch in Teilen in dem akademischen Grad von Berthold Wigger begründet. Nicht selten seien seine Ausführungen mit Fachwörtern gespickt. Da könne nicht immer jeder folgen. Also werde geschwiegen.

Für alles sind Handlanger da

„Was Wigger macht und sagt, ist Gesetz“, stellt dazu Ewigmann-Eltner klar. Das Schlimme sei: „Wigger macht sich nicht die Hände schmutzig, er hat für alles seine Handlanger.“ Dazu zähle auch der Fraktionsvorsitzende Bernhard Holtkamp, so die Heekerin. Dessen Lokalkompetenz brauche der Professor einfach.

Schließlich wohnt dieser selbst nicht in der Dinkelgemeinde. Nicht selten fehlte Wigger auch schon bei politischen Sitzungen. Und wie sieht es damit aus, Fehltritte mal einzuräumen? Ewigmann-Eltner zieht bei dieser Frage die Augenbraue hoch. „Fehler eingestehen oder sich mal entschuldigen? Das tun diese Herren nicht.“

Und noch mit Entsetzebn blickt sie auf ein Treffen am 8. Mai zurück. Holtkamp und Ralf Weichert – DB-Ratsmitglied – hätten sie an diesem Tag zuhause aufgesucht, wie sie sagt. Bei diesem Treffen sei ihr ein Ultimatum gestellt worden.

Ultimatum gestellt

Nur die sofortige Aufgabe der Tätigkeit als sachkundige Bürgerin sowie der Verzicht auf den Listenplatz würde es noch ermöglichen, dass sie Mitglied in der Wählergruppe bleiben dürfe. Dabei sei das Treffen „viel massiver als alles zuvor“ gewesen. „Die haben sich gegenseitig die Bälle zugespielt.“

Und richtig laut sei es geworden. So laut, dass sogar ein Nachbar nach dem Rechten geschaut habe. Dass dem so war, bestätigt dieser der Redaktion auf Nachfrage. Er habe laute Wortwechsel gehört, sich Sorgen gemacht und nachgesehen. Holtkamp und Weichert hätten ihn dann „wüst abgewimmelt“.

Letztlich zeigte dieses Treffen Wirkung. „Für mich war es jetzt einfach an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen. Eine weitere Zusammenarbeit mit einzelnen Personen war einfach nicht mehr möglich“, stellt Ursula Ewigmann-Eltner klar.

Auch Bernhard Holtkamp betont: „Was die politische Arbeit angeht, halte ich das Vertrauensverhältnis zu Frau Ewigmann-Eltner für beschädigt.“

Politische Arbeit macht Freude

Dabei ist der Heekerin wichtig zu betonen, dass sie sich nicht als Verliererin sehe. Doch wenn es nicht um gute Politik und das Wohl der Gemeinde gehe, sei ein weiteres Engagement unter diesen Bedingungen einfach nicht mehr zielführend.

Das grundsätzliche Interesse an der politischen Arbeit sei aber nach wie vor da. „Mir macht die Arbeit in der Lokalpolitik viel Spaß. „Ich würde gerne in irgendeiner Form weitermachen“, so Ursula Ewigmann-Eltner.

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