Lebensbedrohliches Risiko: Warum die Haare der Giftraupe für Haustiere so gefährlich sind

mlzEichenprozessionsspinner

Seit etlichen Wochen ist der Eichenprozessionsspinner eines der bestimmenden Themen. Die Giftraupe kann Menschen das Leben zur Qual machen. Für Haustiere ist die Situation noch prekärer.

Heek

, 09.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Mit unzähligen Brennhaaren ist jede Giftraupe ab dem dritten Larvenstadium übersät. Wer mit diesen in Kontakt kommt, der hat keine Freude. Denn die Haare enthalten das Nesselgift „Thaumetopein“.

Die Folgen beim Kontakt: Juckreiz, Hautentzündungen, Schwellungen oder Reizung der Atemwege. Und das ist nur ein kleiner Auszug möglicher Folgen.

„Das ist bei Haustieren nicht anders als beim Menschen. Im Gegenteil, es ist sogar noch gefährlicher“, sagt Tierarzt Björn Becker aus Nienborg. Der Grund: Tiere kommen in der Regel schneller in Kontakt mit der Giftraupe als der Mensch.

Tiere erahnen nicht die Gefahr, die von der Giftraupe ausgeht

„Hunde schnüffeln rum, bei Katzen kann es der Spieltrieb sein“, erklärt der Tierarzt, der auch in Bad Bentheim eine Praxis betreibt. Erschwernd komme hinzu, dass man Tiere eben nicht vermitteln könne, welche Gefahr von der fiesen Raupe ausgeht.

Lebensbedrohliches Risiko: Warum die Haare der Giftraupe für Haustiere so gefährlich sind

Die Brennhaare sind die Gefahrenquelle der Giftraupe. © DPA

Besonders gefährlich wird es, wenn die Brennhaare in den Mund der Tiere gelangen. „Das führt zu Verätzungen der Zungen“, so Björn Becker. Auch könne es zu akuter Atemnot kommen. „Der Rachen schwillt an, das Atmen wird dadurch für das Tier kritisch.“ Die Atemwege sind zu. Die Lunge verkrampft.

Hat das Haustier Atemprobleme muss es unverzüglich zum Tierarzt

„Sobald man bemerkt, dass das Tier Atemprobleme hat, sollte man unverzüglich einen Tierarzt aufsuchen.“ Ganz nach der Devise: Lieber einmal zu viel als zu wenig. Zudem sei es ratsam, den Hund nur an der Leine auszuführen.

Auf freien Hautstellen kann es auch bei Tieren zu roten Pusteln kommen. „Mit Fell bedeckte Stellen sind eigentlich gut geschützt.“ Aber: Da gibt es ein anderes Problem.

Lebensbedrohliches Risiko: Warum die Haare der Giftraupe für Haustiere so gefährlich sind

Alte Gespinstnester, ob am Baum hängend oder am Boden liegend, sind eine anhaltende Gefahrenquelle - erst recht für Haustiere, die die Gefahr nicht erahnen können. © Till Goerke

„Tiere putzen sich ja auch.“ Wenn sich also zum Beispiel eine Katze das Fell leckt, in dem Brennhaare hängen, hat sie diese danach unweigerlich im Maul. „Genau das ist dabei die Gefahr“, so der Tierarzt.

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Für Katzen, die Freigänger sind, sei die Situation ohnehin besonders prekär. Denn der Tierhalter bekommt nicht zwangsläufig mit, wenn das Tier in Kontakt mit den Brennhaaren kommt und der Rachen anschwillt und Atemnot einsetzt.

Haare des Eichenprozessionsspinners können Tiere töten

All diese geschilderten Folgen hat Björn Becker in diesem Jahr schon in seinen Praxen gesehen. „Wir hatten schon einige Tierhalter hier, bei deren Tieren die Brennhaare der Grund der Beschwerden waren.“

Über Augenreizungen, Pusteln auf der Haut, verätzte Zungen bis zu akuter Atemnot – all das musste der Tierarzt in diesem Jahr schon behandeln. „Viele Tierhalter sind dann verständlicherweise sehr beunruhigt. Wir als Team müssen dann auch mental den Haltern helfen.“

„Der Rachen schwillt an, das Atmen wird dadurch für das Tier kritisch.“
Björn Becker

Auch Pferde behandelt der Tierarzt. „Da kam es auch schon zu Vorfällen, aber diese waren zum Glück nicht ganz so dramatisch.“

Brennhaare sind noch im Herbst eine Gefahr

Doch wie behandelt der Tierarzt die Haustiere? Mit Kortisonsalben, Anti-Allergiemitteln und durch eine Stabilisierung des Kreislaufes. Sorgen, dass die Medikamente ausgehen könnten, braucht sich kein Tierhalter zu machen. „Wir haben immer genug auf Vorrat.“

Und das gelte nicht nur für die akute Giftraupenzeit. Etwas sei aber in dieser prekären Zeit dann doch anders. „Als Arzt ist man da schon sensibilisierter und schaut bei der Behandlung noch mal genauer hin.“

Doch selbst nach dieser Phase stellen die Nester für Haustiere und Menschen weiterhin ein Risiko dar. „Die Brennhaare sind ja nicht auf einmal weg.“ Im vergangenen Herbst sei, so schildert es der Tierarzt, ein Hundehalter in die Praxis gekommen, dessen Tier noch unter den Folgen der Brennhaare der Giftraupe litt.

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