Lebensgefährlich: Liegen Granaten und Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg in der Dinkel?

mlzKampfmittel-Funde

Jüngst „angelten“ Magnetfischer in der Berkel Handgranaten aus dem Zweiten Weltkrieg. Ein lebensgefährlicher Fang, warnt die Polizei. Ist so etwas auch in der Dinkel möglich?

Heek

, 04.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Fund lässt aufhorchen: „Magnetfischer“ im niederländischen Eibergen haben einen lebensgefährlichen Fang gemacht. Die „Angler“ holten laut der niederländischen Zeitung „Tubantia“ unter anderem Handgranaten sowie Granaten zur Abwehr von gepanzerten Fahrzeugen aus der Berkel. Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg.

Da stellt sich die Frage, ob solch brisante Funde auch gut 20 Kilometer weiter östlich in der Dinkel möglich wären? Und wenn ja, wie sollten sich die „Finder“ solcher Objekte verhalten, um nicht ihr Leben zu riskieren?

Kampfmittel in Gewässern sind nichts Ungewöhnliches

Nachfrage bei der Bezirksregierung in Arnsberg. „Dass Kampfmittel aus dem ersten und Zweiten Weltkrieg in Gewässern gefunden werden, ist nichts ungewöhnliches“, sagt Pressesprecherin Anna Carla Springob. Man könne dementsprechend nicht ausschließen, dass solche Kampfmittel auch in der Dinkel liegen.

Lebensgefährlich: Liegen Granaten und Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg in der Dinkel?

Die Dinkel, hier auf Höhe der Brücke (B70) in Heek: Derzeit führt der Fluss nur wenig Wasser. © Till Goerke

Dass dieses Dilemma überall akut werden kann, zeigte jüngst auch ein Vorfall in Alstätte. Dort „fischte“ Christoph Uhling am Samstag, 31. August, bei Aufräumarbeiten mit der Baggerschaufel einen 250-Kilo-Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg aus der Alstätter Aa. Dass der Zünder fehlte, stellte sich erst im Nachgang heraus.

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Vorkommnisse, die Christian Schubert, Vorsitzender des Angelvereins Nienborg Dinkel, dennoch nicht aus der Ruhe bringen. „Nein, wir machen uns derzeit keine Sorgen.“ Mitbekommen habe man die Funde schon, aber sich aufgrund der Sommerpause noch nicht im Vorstand über die Thematik ausgetauscht.

Kann ein „normaler“ Angler eine Granate fischen?

Zudem sei die Frage, ob ein „normaler“ Angler mit Rute und Kescher überhaupt in der Lage sei, Kampfmittel wie Garanten bergen zu können – von einer Bombe mal ganz zu schweigen. „Irgendwie schwer vorstellbar“, so der Vorsitzende.

Lebensgefährlich: Liegen Granaten und Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg in der Dinkel?

Eine verrostete Handgranate, die 2013 im Bürgerpark in Bremen gefunden wurde. Solche Funde können auch in der Dinkel nicht ausgeschlossen werden. © dpa

Und: Durch die zum Teil erfolgte Begradigung der Dinkel sei es wahrscheinlich, mutmaßt Christian Schubert, dass im Zuge dieser Arbeiten etwaige Kampfmittel entdeckt worden wären. Zumindest in diesen Teilabschnitten. Was bleibt, ist ein Restrisiko. „Die Munition kann schließlich immer noch scharf sein. Auch wenn sie lange im Wasser lag“, warnt Anna Carla Springob.

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Etliche Kampfmittel wurden 2018 zufällig gefunden

Und schaut man auf die Zahlen der „Zufallsfunde“ 2018 im Regierungsbezirk Münster, zu dem der Kreis Borken zählt, dann wird die Dimension solcher Funde deutlich. „243 Kampfmittel dieser Art wurden von unseren Experten geborgen“, so Anna Carla Springob. Hinzu kämen 3709 geborgene Kampfmittel, die keine Zufallsfunde waren.

Verhaltensregeln beim Kampfmittelfund:
  • Möglichst nicht berühren
  • Im Falle des Aufhebens: vorsichtig ablegen
  • (Weitere) Erschütterungen vermeiden
  • Fundstelle markieren
  • Fundort räumen
  • Dritte vor der Gefahr warnen
  • Polizei und Ordnungsamt informieren
Quelle: Bezirksregierung Arnsberg

Die vom Innenministerium Nordrhein-Westfalen veröffentlichten Zahlen für 2018 sind für das gesamte Bundesland deutlich höher. 2811 Bomben aller Art, 9110 Granaten, 440 Handgranaten und 672 Sprengmittel entschärften oder sprengten die Experten der Kampfmittelräumdienste kontrolliert. Das macht eine Nettoexplosiv-Stoffmasse von 43.542,29 Kilogramm.

Die Gefahrensituation muss eingefroren werden

Und ganz gleich, ob jetzt jemand Kampfmittel in der Dinkel oder woanders finden würde, die Verhaltensregeln für den „Finder“ sind eindeutig. „Die Gefahrensituation muss eingefroren werden“, sagt Frank Rentmeister von der Polizeikreisbehörde. Heißt: Nichts mit dem Objekt machen und den Fund umgehend melden.

Lebensgefährlich: Liegen Granaten und Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg in der Dinkel?

Fischer, die ihrem Hobby in der Berkel nachgehen. In diesem Fluss angelten „Magnetfischer“ in den Niederlanden Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg. © Anne Rolvering

„Bei einer Gefahrenlage kann man sich immer an die Polizei wenden“, so Frank Rentmeister. Die Kollegen vor Ort würden dann eine Erstbegutachtung durchführen.

Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD):
  • Ist für die Entschärfung und Beseitigung von Kampfmitteln aus dem ersten und Zweiten Weltkrieg zuständig.
  • In NRW gibt es zwei Spezialisten-Teams: in Arnsberg und in Düsseldorf.
  • Der KBD wird bei „Zufallsfunden“ aktiv, sucht aber auch präventiv – zum Beispiel bei Bauvorhaben.

Die Polizei ist in der Regel schnell vor Ort

Generell ist die Kampfmittelbeseitigung eine Aufgabe der Gefahrenabwehr, für welche die örtliche Ordnungsbehörde (Ordnungsamt) zuständig ist. Aber: Die Polizei ist in der Regel schneller vor Ort und rund um die Uhr erreichbar.

Danach kommen die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) der Bezirksregierung ins Spiel. „Alles was verdächtig erscheint, wird uns gemeldet“, so Anna Carla Springob. Neben einer Absperrung zieht das nicht selten auch eine Evakuierung nach sich.

Sind die Kampfmittel „unscharf“, so wie jüngst in der Alstätter Aa, sammeln die Experten des KBD den Fund ein. Ansonsten erfolgt zunächst eine Entschärfung oder als letzte Mittel eine gezielte Sprengung.

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