Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff (l.), Ludger Gausling (M.) und Sergej Ledowski (Technischer Leiter FIT) freuten sich im Frühjahr 2020 darüber, dass beim „Farm Innovation Team“ die ersten Masken produziert wurden. Nun ist das Unternehmen wegen der Unterbringung von polnischen Mitarbeitern in die Kritik geraten. © Bastian Becker

Maskenproduzent droht wegen Unterbringung von polnischen Arbeitern Ärger

Dem Heeker FFP2-Maskenproduzenten „FIT“ drohen juristische Konsequenzen. Nach einem Corona-Ausbruch wurde klar, dass polnische Werksarbeiter unerlaubt in einem Bürogebäude untergebracht waren.

21 Mitarbeiter des Heeker Unternehmens „Farm Innovation Team“ (FIT), das sich auf die Produktion von FFP2-Masken spezialisiert hat, wurden Mitte März positiv auf die britische Mutation des Coronavirus getestet. In allen Fällen handelte sich um Polen, die von FIT mit Werksverträgen ausgestattet worden waren. Zwar hatte das Dezernat für Arbeitsschutz bei einer Vor-Ort-Besichtigung an den Bedingungen im Betrieb nichts auszusetzen, die Unterbringung der Arbeiter in einem Billerbecker Bürogebäude sorgt aber auch weiterhin für Diskussionen.

Marion Dirks, Bürgermeisterin der Stadt Billerbeck, erklärte am Mittwoch (31. März) im Gespräch mit der Redaktion: „Wir als Gemeinde prüfen derzeit, ob ein Verstoß gegen das Meldegesetz vorliegt. Sollte das der Fall sein, droht dem Unternehmen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren.“ Hintergrund: Die 21 infizierten Mitarbeiter waren mit weiteren Werksarbeitern in einem Gebäude untergebracht, das in einem Industriegebiet im Billerbecker Süden liegt. Ohne Sondergenehmigung darf eine solche Immobilie an dieser Stelle nicht zum Wohnen genutzt werden. Außerdem hätten die Bewohner sich in jedem Fall bei der Stadt Billerbeck melden müssen.

Sofortige Räumung wegen Infektionen keine Option

Unter normalen Umständen hätte eine sofortige Räumung gedroht, wie Marion Dirks erklärte. Weil aber bei 21 Bewohnern das Coronavirus nachgewiesen worden war, entschied der Kreis Coesfeld aus epidemiologischen Gründen, die Quarantäne abzuwarten. Die obligatorischen 14 Tage sind nun um und die Isolierung musste in keinem Fall verlängert werden. „Alle 21 Bewohner konnten aus der Quarantäne entlassen werden“, berichtete die Billerbecker Bürgermeisterin.

Nach Informationen des Kreises Coesfeld befinden sich die Polen mittlerweile in ihrer Heimat. Der Räumung des Gebäudes, die ab dem 4. April gedroht hätte, ist man damit aus dem Weg gegangen. Für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ist die Sache damit aber noch nicht erledigt. „Der DGB-Kreisverband kann sich nicht vorstellen, dass bei der illegalen Unterbringung von circa 25 polnischen Leiharbeitnehmern die geltenden Gesetze und Verordnungen eingehalten worden sind“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Der Kreisvorsitzende Ortwin Bickhove-Swiderski fordert die lückenlose Aufklärung der „ungeheuerlichen Vorgänge zur illegalen Unterbringung“. Gegen die Verantwortlichen müsse „mit aller Härte“ vorgegangen werden. Laut DGB liege der Verdacht nahe, dass auch beim Brandschutz Mängel bestehen.

FIT räumt Fehler ein, sieht sich aber auch als Opfer

Und was sagt FIT? Der geschäftsführende Gesellschafter Jens Rudolph räumt zunächst einen Fehler ein: „Was wir uns vorzuwerfen haben, ist die Nutzung des Gebäudes als Wohnraum. Das haben wir ein Stück weit zu naiv betrachtet. Wir werden die Konsequenzen akzeptieren – wie auch immer sie ausfallen werden.“ Die Kritik an seinem Unternehmen geht ihm aber dennoch deutlich zu weit. „Ich finde es ein Unding, dass wir mit einigen fleischverarbeitenden Betrieben in einen Topf geworfen werden. Eine differenzierte Betrachtung fehlt komplett, stattdessen wird an vielen Stellen vorverurteilt“, so Rudolph und nennt Beispiele.

Es handle sich eben nicht, wie vom DGB behauptet, um polnische Leiharbeiter. „Alle Mitarbeiter hatten Verträge, die ihnen eine Bezahlung deutlich über dem Mindestlohn garantiert haben. Dass nun von DGB und örtlicher SPD so getan wird, als seien Polen Beschäftigte zweiter Klasse, ist befremdlich. Es widerspricht dem Kern des europäischen Gedankens“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter.

„Wohnverhältnisse waren gut“

Zur Unterbringung der polnischen Mitarbeiter sagt er: „Die Wohnverhältnisse dort waren sehr gut. Von ‚prekären Bedingungen‘ kann keine Rede sein. Alles war renoviert, es gab genug Sozialräume und Feuermelder in jedem Zimmer.“ Als „Frechheit“ bezeichnet Jens Rudolph den Vorwurf, man habe von den Arbeitern ein sogenanntes Matratzen-Geld bezogen. „Wir haben keine Miete verlangt. Unsere Absicht war es, dass die Mitarbeiter einen höheren Nettolohn haben und ihr Geld nicht für eine Mietwohnung ausgeben müssen.“

Eine Rückkehr zum „Farm Innovation Team“ gibt es für die Polen im Übrigen nicht. Das Heeker Unternehmen hat entschieden, zukünftig nicht mehr auf Mitarbeiter mit Werksverträgen zu setzen. Konsequenz: Die Produktion, unter anderem von FFP2-Masken, wird bei FIT nicht mehr auf dem alten Niveau ankommen, sondern dauerhaft reduziert.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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