Nächtliches Campieren gehört zum Vorprogramm der Stadtranderholung

mlzStadtranderholung in Heek

Schon mitten in der Nacht stehen Eltern und Kinder jedes Jahr für die Anmeldung zur Stadtranderholung an, was nun den Ausschuss beschäftigte. Dabei ist das frühe Aufstehen gar nicht nötig.

Heek

, 10.05.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eigentlich sollten die Ausschussmitglieder nur über einen Zuschuss für die KAB beraten. Doch nutzten sie die Beratung im Haupt- und Finanzausschuss am Mittwochabend für eine grundsätzlichere Diskussion. Während man sich beim Zuschuss für die Stadtranderholung, 2000 Euro mehr gibt es künftig für die KAB, brachte Bürgermeister Weilinghoff seine Bedenken beim Anmeldeverfahren vor.

Denn jedes Jahr am Anmeldetag wiederholt sich das gleiche Schauspiel: Ab 4 Uhr nachts campieren die ersten Eltern, mit und ohne Nachwuchs, vor der Schule, um einen der begehrten Plätze zu bekommen. „Die Anmeldung ist das einzige Manko“, so Weilinghoff. „Das frühe Aufstehen ist eine Belastung für die Eltern und es werden die Kinder bestraft, deren Eltern sich nicht so bemühen.“

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass Anstehen mitten in der Nacht die beste Lösung ist“, stimmte auch Ingo Travinski (CDU) ein. Reinhard Brunsch (SPD) schlug vor, die Anmeldung auf den Nachmittag zu legen. „Das war früher so, hat aber nichts geändert“, erklärte der KAB-Vorsitzende Christian Hilbring. Im Gegenteil: Die KAB habe die Anmeldezeit vorverlegt, um die Wartezeit zu reduzieren.

Alle 248 Kinder dürfen mit

Eine befriedigende Lösung konnte niemand präsentieren. Online-Anmeldung? „Dann stellt sich immer noch die Frage, wen man zu Hause lässt und nach welchen Kriterien“, so Hilbring. Losverfahren? „Dann reißt man Cliquen auseinander.“ Den Anmeldeort erst kurz vorher veröffentlichen? „Dann wird mit dem Ellenbogen gekämpft.“ Die kleinsten ausschließen, weil sie ja noch später teilnehmen können? „Wer will denen das erklären?“, fragte der KAB-Vorsitzende.

Die Diskussion gebe es schon seit 20 Jahren, so Hilbring. „Wir halten es immer noch für das gerechteste Verfahren, dass diejenigen die zuerst da sind, auch als erste berücksichtigt werden.“ Sichergestellt werde dies durch eine Nummernvergabe bei der Anmeldung. „Jetzt geht es nach der Schmerzgrenze der Eltern“, wendete Weilinghoff ein. „Dadurch sind vielleicht die Kinder nicht dabei, die es am nötigsten hätten.“

Dabei liegen die Zeiten, in denen traurige Kinder abgewiesen mussten schon ein paar Jahre zurück. „Vor vier, fünf Jahren mussten wir Kinder zurückschicken, danach war der Trend bei den Anmeldungen eher rückläufig.“ Erst in diesem Jahr habe die Zahl der Anmeldungen wieder deutlich angezogen. 248 Kinder sind in diesem Jahr dabei - und alle haben einen Platz bekommen.

„Wir wollten es eigentlich auf 225 begrenzen, haben dann aber doch alle aufgenommen“, erklärt Hilbring. Denn zur 40. Stadtranderholung war ohnehin eine Besonderheit geplant. Erstmals dürfen auch die Kinder des 7. bis 10. Schuljahres an den Fahrten teilnehmen. Das Zeltlager selbst sei aber nicht beliebig erweiterbar. „Wenn da noch 100 Kinder dazukommen, ist das unmöglich.“ Denn mit den 45 Betreuern sei nicht noch mehr Andrang zu stemmen.

Anstehen als Happening

Ohnehin sei die Kalkulation der Teilnehmerzahlen immer schwierig. „Als wir in einem Jahr viele Kinder nach Hause schicken mussten, haben wir für das folgende Jahr einen Bus mehr organisiert und hatten dann weniger Anmeldungen.“

Was unabhängig von den Anmeldezahlen immer gleich bleibt sind die nächtlichen Schlangen bei der Anmeldung. „Die sind eigentlich gar nicht nötig, aber unsere Empfehlungen bringen nichts“, sagt Christian Hilbring. Ein großes Problem sieht er in den nächtlichen Aktionen aber nicht. „Wir können sehr früh in die Schulen, sodass man nicht in der Kälte stehen muss. Und die Kinder haben meistens Spaß daran. Negatives kommt immer nur von Eltern.“

Aber nicht von allen: „Manchen ist das vielleicht lästig, andere machen es sich mit Decken, Stühlen und Kaffee gemütlich“, berichtet Anja Glanz, die ihre Kinder schon mehrfach angemeldet hat. „Dann vergeht die Zeit auch ruck zuck.“ Anstehen als Happening.

Den 10-jährigen Silas hat sie in diesem Jahr um halb fünf an der Schule abgesetzt. Als er noch jünger war, wartete sie mit. Mann wolle eben auf Nummer sicher gehen, die nächtliche Warteaktion habe es schon immer gegeben, sagt sie. Ein Problem damit hat sie nicht: „Für die Kinder ist das ein Riesenerlebnis.“

  • Die 40. Stadtranderholung der KAB läuft vom 13. bis 20. Juli.
  • Mehrere Ausflüge stehen auf dem Programm: Am Samstag geht es zum Movie Park und am Montag zum Abenteuerpark Toverland in den Niederlanden. Schwimmen gehen die Kinder im Coebad in Coesfeld und zum Abschluss im Aaseebad Ibbenbüren.
  • Am Sonntag steht das traditionelle Kinderschützenfest an und am Dienstag der bunte Lagerabend für die gesamte Bevölkerung.
  • Während der vier Tage Zeltlager auf dem Sportplatzgelände gibt es für die Teilnehmer ein buntes Programm mit Spieleparcours, Schnitzeljagd, Disco und Nachtwanderung.
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