Pater Joy feiert 25-jähriges Priesterjubiläum: „Ich liebe diesen Beruf!“

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In Nienborg ist Pater Joy Madassery mittlerweile zu einer Institution geworden. Seit 17 Jahren lebt und arbeitet der gebürtige Inder dort. Nun feiert der Priester ein besonders Jubiläum.

Heek

, 03.01.2020, 16:02 Uhr / Lesedauer: 5 min

Vor 20 Jahren kam Pater Joy Madassery nach Deutschland, um hier als Priester zu arbeiten. Nun feiert der 52-jährige Geistliche sein 25-jähriges Priesterjubiläum.
Das Festhochamt dazu findet am Samstag, 18. Januar um 17 Uhr in der St. Ludgerus Kirche in Heek statt. Im Interview spricht er über nie vorhandene Zweifel an seiner Berufswahl, über das Christsein in Indien und über das Leben auf dem Dorf.

Pater Joy. Sie arbeiten jetzt 25 Jahre als Priester. Wenn Sie auf diese Zeit zurückblicken, was hat sich in dieser Zeit verändert?

Ich bin ein bisschen älter geworden (lacht). 25 Jahre sind eine lange Zeit. Trotzdem bleibt die Arbeit die gleiche. Seelsorge. Die Kirche – ob in Indien oder in Europa ist ein bisschen anders geworden – aber die Arbeit bleibt gleich. Zum Beispiel die seelsorgerische Arbeit – besonders hier im Dorf. In den vergangenen Jahren ist die Arbeit durch die Fusion der drei Ortsteile mehr geworden.

Viel Stress für Sie?

Ja, genau. Das gehört dazu. Ich bin zwar nicht in leitender Funktion, aber trotzdem merkt man das schon, dass die Arbeit zugenommen hat.

Pater Joy feiert 25-jähriges Priesterjubiläum: „Ich liebe diesen Beruf!“

Pater Joy Madassery feiert in der St.-Peter- und Paul-Kirche regelmäßig Gottesdienste. © Martin Mensing

„Ich hatte nie die Vision, einen anderen Beruf zu ergreifen.“ Das sagten Sie einmal. Nach der Betrachtung der 25 Jahre Priesterdienst: War das die richtige Entscheidung?

Natürlich. Ja, das war meine richtige Entscheidung. Ich bereue nichts. Schon damals in der Schule bin ich von Ordensbrüdern unterrichtet worden und wir haben als Schulkinder schon Gottesdienste besucht. Wir haben auch regelmäßig die Scharen von Ordensbrüdern gesehen, die durch den Ort gegangen sind. Von Kindheit an war ich fasziniert davon, und die Bilder habe ich noch immer im Kopf. Deswegen entwickelte ich früh den Gedanken, Priester zu werden.

Gab es irgendwann mal einen Moment des Zweifels?

Eigentlich nicht. Ich freue mich, dass ich Priester bin – das war eine bewusste Entscheidung. Ich hatte Zeit während des Studiums, mich dazu zu entscheiden und ob ich das wirklich will oder nicht. Bis zur Priesterweihe hat man die Möglichkeit, eine Wahl zu treffen.

Ich freue mich, Priester zu sein. Ich liebe diesen Beruf – diese Berufung. Das ist nicht jedermanns Sache. Zum Beispiel haben mit mir 23 angehende Priester in unserem Orden angefangen zu studieren und nur zwei sind am Ende Priester geworden. Mit vielen Mitstudierenden bin ich noch regelmäßig im Kontakt.

Pater Joy feiert 25-jähriges Priesterjubiläum: „Ich liebe diesen Beruf!“

In einem Fotoalbum hat Pater Joy Bilder seiner Priesterweihe aufbewahrt. © Maximilian Konrad

Wie ist eigentlich, als Christ in Indien zu leben, beziehungsweise groß zu werden?

Momentan gibt es etwa drei Prozent Christen in Indien – das sind bei einer Bevölkerung von etwa 1,1 Milliarden zahlenmäßig sogar mehr als in Deutschland (lacht). In vielen Teilen des Landes herrscht eine Toleranz der Religionen. Aber wenn die Hindu-Partei in die Regierung kommt, versuchen sie – gerade im Norden – die Christen oder andere Minderheiten zu unterdrücken. Im Süden geht es zum Glück toleranter zu.

Pater Joy, Sie leben jetzt 20 Jahre in Deutschland. Fühlen Sie sich mittlerweile als Deutscher oder als Inder – oder schlagen bei Ihnen zwei Herzen?

Eigentlich fühle ich mich als Deutscher. Seit meinem 40. Geburtstag bin ich auch eingebürgert. Ich wollte mich integrieren und mich nicht fremd fühlen. Ich sehe mich hier in Heek und Nienborg nicht mehr als ein Fremder. Ich bin jetzt 17 Jahre hier, jeder kennt mich.

Gerade die Messdiener und Landjugendlichen aus der Zeit, in der ich hierhergekommen bin, kennen mich sehr gut. Vor allem am Anfang hatte ich viel Kontakt mit den Kindern und Jugendlichen, das hat mir die Integration erleichtert. Und mittlerweile kenne ich fast alle im Dorf.

Daher ist das hier meine zweite Heimat, und so fühle ich das auch. Wo man sich Zuhause fühlt, da ist Heimat, und ich bin hier sehr gut aufgenommen worden. Ich bin auch immer gut akzeptiert worden. Es gab nie einen fremdenfeindlichen Zwischenfall oder Ähnliches.

Sind Sie denn noch oft in der Heimat?

Ich fliege einmal im Jahr nach Indien. Früher bin ich alle zwei Jahre geflogen, aber jetzt jedes Jahr. Meine Eltern sind älter geworden, mein Vater ist über 80 Jahre. Meine Mutter ist leider krank, daher versuche ich regelmäßiger dort zu sein. Mit den Besuchen wechsele ich mich mit meinen Geschwistern ab.

In Ahaus, Stadtlohn und Epe gibt es auch indische Priester. Wie kommt das zustande, dass hier in der Region einige indische Priester arbeiten?

Die Priester arbeiten nicht nur im Münsterland, sondern im ganzen Bistum Münster. Insgesamt arbeiten zurzeit über 200 Priester der Weltkirche in der Diözese, da die Weltkirche einen Vertrag mit dem Bistum Münster hat.

Seit 2003 leben Sie in Nienborg, was ja ein sehr kleiner Ort ist. Wie ist es, in Nienborg zu leben im Vergleich zu einer Großstadt?

Als ich nach Deutschland gekommen bin, kannte ich keine großen Städte in Deutschland – die habe ich mit der Zeit erst kennengelernt. Zuerst war ich ja in Lüdinghausen, was ein bisschen städtischer ist. Leider waren die Gottesdienste innerhalb der Woche nicht so gut besucht. Das war ich nicht gewohnt.

In Indien ist um 6.30 Uhr am Morgen Gottesdienst, und da gehen die Menschen in die Messe – vor der Arbeit. Das gehört dazu. 2003 bin ich dann gefragt worden, ob ich wechseln möchte. Und dann habe ich gesagt, dass ich gerne in den ländlichen Raum möchte. Hier ist die Tradition ähnlich wie in meiner Heimat. Hier gibt es auch Volksmission, einmal im Jahr ist Kreuzwoche, dazu gibt es Feste und Prozessionen. Alles ist hier sehr lebendig. Ich freue mich, hier in einem Dorf zu sein.

Pater Joy feiert 25-jähriges Priesterjubiläum: „Ich liebe diesen Beruf!“

Pater Joy ist seit 2003 für die Gemeinde Heek/Nienborg/Ahle zuständig. © Maximilian Konrad

Sie haben bisher zweimal eine Reise mit der Gemeinde nach Indien gemacht. Wie lief das ab? Waren Sie da auch in Ihrem Heimatort?

Die erste Reise war 2007, die zweite 2012. Bei beiden Fahrten waren 40 Gemeindemitglieder mit mir vor Ort. Wir haben ganz Indien besucht und eine Rundreise gemacht. Ich wollte, dass die Gemeinde, meine Hintergründe und meine Heimat kennenlernen. Wie ist die Kirche dort, wie leben die Menschen, wie ist unsere Kultur. In Deutschland haben wir ein Bild von Indien durch Dokumentationen und Nachrichten, das ganz anders als in Indien vor Ort ist.

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Das kann ich mir vorstellen. Können Sie Ihre Worte vielleicht an einem Beispiel erklären?

Beispielsweise werden in den Nachrichten viele schlechte, negative Dinge aus Indien gebracht. Straßenkinder, viel Müll oder die Arbeitsbedingungen der Menschen. Das ist auch die Wirklichkeit. Aber es ist nicht nur das. Die technischen Entwicklungen kommen meist gar nicht zur Sprache. Indien ist mehr als das Schlechte, was gezeigt wird. Da bin ich ein bisschen traurig. Die Menschen, die mit mir in Indien waren, konnten sich selbst ein Bild machen.

Noch was ganz anderes: Was macht ein Priester eigentlich in seiner Freizeit?

Ich gehe gerne spazieren, fahre gerne Fahrrad. Mit einer Rentnergruppe treffe ich mich einmal die Woche und wir machen eine Tour für zwei oder drei Stunden. Sonst lese ich gerne. Kino oder so etwas ist nicht meins. Als Zuschauer war ich schon in verschiedenen Fußballstadien – auf Schalke, in Dortmund oder bei Twente. Fußball schaue ich gerne. Wenn die Gelegenheit da ist, fahre ich mit einigen aus der Gemeinde.

25 Jahre als Priester haben Sie geschafft. Wie sind Ihre Pläne für die Zukunft? Gibt es spezielle Projekte?

Eigentlich bin ich in erster Linie Seelsorger. Daher ist es nicht meine Aufgabe, konkrete Projekte einzubringen. Ich mache als Seelsorger das, was ich kann – mit dem Team zusammen. Für mich ist das vollkommen okay – für meine Talente und meine Begabung, was ich leisten kann, das mache ich gerne. Hausbesuche, Krankenkommunion oder Sterbende begleiten solche Dinge mache ich gerne und das mache ich weiter.

Wichtige Stationen des Priesterlebens

  • Der aus Mookkannur in Südindien stammende Pater Joy Madassery wird 1967 geboren.
  • 1987: Eintritt in die Ordensgemeinschaft „Congregation of St. Theres“, die Little flower congregation (CST)
  • 1991: Ablegen des Ewigen Gelübdes und Beginn des Theologiestudiums
  • 3. Januar 1995: Priesterweihe und im Anschluss Provinzialsekretär; danach Subregens im Internat
  • 2000: Umzug nach Deutschland, nachdem er eine Anfrage seines Ordens erhalten hatte; zunächst Tätigkeit als Kaplan in Lüdinghausen
  • 2003: Kaplan in Heek, später vicarius cooperator
  • 2007: Pastor in Heek
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