Nienborger (57) verprügelt mit Sohn und Bekannten Sicherheitsmänner auf Nienborger Kirmes

mlzAmtsgericht Ahaus

Wegen einer Prügelattacke auf zwei Sicherheitsmänner auf der Nienborger Kirmes 2017 stand ein Nienborger vor Gericht. Bereits im April 2019 wurde der Fall verhandelt. Jetzt fiel ein Urteil.

Heek

, 12.11.2019, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schläge, Tritte und fiese Verletzungen – die Nienborger Kirmes wurde 2017 von einem brutalen Übergriff auf zwei Sicherheitsmänner am Sonntagabend überschattet. Verantwortlich für diesen Gewaltexzess soll ein 57-jähriger Nienborger sein.

Die Anklage: Der Nienborger soll seinen Sohn und weitere Bekannte angestachelt haben, die Security-Männer anzugreifen, da diese ihn zuvor wegen einer Pöbelei ermahnt hätten. Bei dem Übergriff soll der 57-Jährige auch selbst mehrfach zugeschlagen haben. Erst durch den Einsatz von Pfefferspray des zweiten Sicherheitsmannes seien die Angreifer in die Flucht geschlagen worden.

Rolle des Angeklagten war lange nicht genau klar

Bereits Ende April dieses Jahres wurde der Fall vor dem Amtsgericht Ahaus verhandelt. Doch seinerzeit wurde noch kein Urteil gefällt, da die Aussagen der beiden Security-Männer nicht immer deckungsgleich waren und somit die exakte Rolle des Angeklagten zunächst nicht eindeutig zu klären war.

Zudem konnte seinerzeit eine vermeintlich wichtige Zeugin (die so genannte „Pizzafrau“ aus einer nahegelegenen Pizzeria) noch nicht ermittelt werden. Dem war jetzt anders. Die Frau erschien nach Ladung als Zeugin vor Gericht. Ihre Aussagen waren zwar aus Sicht des Gerichts nicht zielführend, aber ein Urteil gab es dieses Mal dennoch.

Die Beweisaufnahme dauert fast drei Stunden

Nach einer fast dreistündigen Beweisaufnahme wurde der 57-jährige Angeklagte wegen gemeinschaftlicher Misshandlung und gefährlicher Körperverletzung zu acht Monaten auf Bewährung, einer Zahlung von 2000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung sowie 500 Euro Schmerzensgeld verurteilt.

Die Reaktion des Nienborgers auf das Urteil? Keine. Nichtmal ein Wimpernzucken. Wortlos nahm er den Schuldspruch zur Kenntnis und verließ den Gerichtssaal. Ein Verhalten, das er während des gesamten Prozesses an den Tag legte. Er verweigerte jede Aussage. Mit starrem Blick verfolgte er das Geschehen.

Das Opfer fand deutliche Worte

Dafür fand das Opfer, der Sicherheitsmann (27) , deutliche Worte: „Der Typ hat einen Blick wie Anthony Hopkins (bekannter britischer Schauspieler – d. Red.). Das vergesse ich nicht mehr. Der saß auf mir und hat immer wieder zugeschlagen.“ Der 27-Jährige trat derweil nicht nur als Zeuge, sondern auch als Nebenkläger auf.

Eigentlich, so hatten es sich Gericht und Staatsanwaltschaft ausgemalt, sollte die „Pizzafrau“ frühzeitig Licht ins Dunkel bringen. Denn in der an die Kirmesfläche angrenzende Pizzeria sollen sich sowohl die Sicherheitsleute also auch einige der Angreifer im Sanitärbereich nach der Schlägerei „verarztet“ haben.

Gab es einen Zettel mit Namen?

Dabei soll die „Pizzafrau“ einem der Sicherheitsleute einen Zettel mit dem Namen des Angeklagten überreicht haben. Dies brachte seinerzeit die Ermittlungen zusätzlich ins Rollen. Doch davon wollte die Frau in der Vernehmung nichts mehr wissen. „Ich habe nichts überreicht und ich habe nichts gesehen.“

Etwas, das dem Verteidiger des Angeklagten, merkwürdig vorkam. „Wieso sollten sich die beiden Männer das ausdenken?“, hakte der Staatsanwalt nach. „Was weiß ich denn? Mir wird das zu bunt hier“, entgegnete die Frau. „Mir scheint, sie haben vor irgendetwas Angst“, merkte der Staatsanwalt an. Problematisch: Der angebliche Zettel ist spurlos verschwunden und lag dem Gericht nicht vor.

Vieles bleibt im Unklaren und dennoch fällt ein Urteil

Letztlich konnte auch die ellenlange Beweisaufnahme nicht klären, welche Rolle die „Pizzafrau“ in diesem Fall gespielt und ob es jemals einen Zettel mit Namen gegeben hatte. Und auch die teilweise unterschiedlichen Aussagen der beiden Sicherheitsmänner blieben im Raum stehen. Denn im Gegensatz zum Geschädigten konnte sich dessen Kollegen nicht daran erinnern, den Angeklagten bei der Attacke gesehen zu haben.

Nicht zuletzt deshalb forderte der Verteidiger einen Freispruch für seinen Mandanten. Doch daraus wurde nichts. Der Richter folgte der Forderung der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Nienborger „auf Basis der Beweisaufnahme“ zu acht Monaten auf Bewährung inklusive der saftigen Geldstrafe.

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