Hunderte kleine Fische einer ganz besonderen Art setzte der ASV Nienborg jetzt in die Dinkel. © Till Goerke
Wiederansiedlung

Ökologisches Experiment: Eine ganz besondere Fischart für die Dinkel

Es ist ein besonderes Projekt, an dem sich der ASV Nienborg beteiligt. Man kann es als ökologisches Experiment bezeichnen, denn in der Dinkel soll wieder eine bedrohte Fischart heimisch werden.

Hunderte von ihnen wuseln in einem großen Sack gefüllt mit Wasser. Drei bis fünf Zentimeter – mehr messen die kleinen Fische noch nicht. Behutsam hebt Rainer Borgert, Gewässerwart beim ASV Nienborg, den Sack oberhalb der historischen Wassermühle in die Dinkel. Innerhalb weniger Sekunden strömen hunderte Jungfische in den Fluss. Ihr Schicksal? Ungewiss. Es ist ein Arten-Experiment.

Mit einer Art, die in den zurückliegenden Jahrzehnten bis auf einen winzigen Restbestand in der Lippe aus den hiesigen Gewässern verschwunden war. Ausgewachsen können die bodenlebenden und nachtaktiven Fische auf ein Gewicht von bis zu 34 Kilogramm kommen. Davon sind die kleinen Quappen in der Dinkel natürlich noch weit entfernt.

Wiederansiedlung ist ein Versuch

„Es ist ein Versuch, wir hoffen, dass möglichst viele der Jungfische überleben“, so ASV-Gewässerwart Borgert. Mit der Wiederansiedlung der Quappe hat der Angelverein bereits im vergangenen Jahr begonnen. Sowohl 2020 als auch jetzt wurden 1000 Jungfische in die Dinkel gesetzt – die eine Hälfte oberhalb, die andere unterhalb der Wassermühle. Alle Jungfische sind eine Nachzucht aus dem Lippe-Restbestand.

Ganz vorsichtig setzt ASV-Gewässerwart Rainer Borgert den Sack mit den 1000 kleinen Quappen in der Dinkel ab, ehe er die Tüte öffnet und die kleinen Fische in die Dinkel lässt.
Ganz vorsichtig setzt ASV-Gewässerwart Rainer Borgert den Sack mit den 1000 kleinen Quappen in der Dinkel ab, ehe er die Tüte öffnet und die kleinen Fische in die Dinkel lässt. © Till Goerke © Till Goerke

An dem Projekt „Quappen in der Dinkel“ beteiligen sich insgesamt fünf Angelvereine aus Nienborg, Heek, Epe, Gronau und Legden. Geliefert werden die Jungfische vom Landesfischereiverband Westfalen und Lippe, der in den ersten Jahren auch die Kosten der Wiederansiedlung trägt. Später einmal sollen sich die Angelvereine finanziell beteiligen.

Vereine führen Monitoring durch

„So weit sind wir aber noch nicht“, macht Carsten Nolting vom Landesfischerverband deutlich. Der Diplom-Biologe hat in seinem Lieferwagen etliche Säcke mit Quappen dabei. „Ich fahre der Reihe nach die Angelvereine ab“, so Nolting. Nach der Übergabe liegt es dann in den Händen der Angelvereine, die Fische in die Dinkel zu entlassen und das primäre Monitoring durchzuführen. Der Landesfischereiverband unterstützt die Vereine dabei aber auch.

Carsten Nolting (r.) vom Landesfischereiverband Westfalen und Lippe hat die Quappen in Nienborg vorbeigebracht, die dann von ASV-Gewässerwart Rainer Borgert unter Aussicht von Sohn Erik in die Dinkel gesetzt wurden.
Carsten Nolting (r.) vom Landesfischereiverband Westfalen und Lippe hat die Quappen in Nienborg vorbeigebracht, die dann von ASV-Gewässerwart Rainer Borgert unter Aussicht von Sohn Erik in die Dinkel gesetzt wurden. © Till Goerke © Till Goerke

Und das Monitoring beinhaltet, obwohl die Quappe streng geschützt ist, auch eine beschränkte Befischung. Mit Sondergenehmigung versteht sich. „Es geht darum, dass wir so nachhalten können, wie sich die Quappe in den Gewässern entwickelt“, erklärt Carsten Nolting.

Eine spezielle App hilft den Anglern

Über eine speziell entwickelte App können die Angler mit wenigen Klicks an den Fischereiverband übermitteln, wenn sie eine Quappe gefangen haben. Dabei geht es dann auch um die Größe und den Gesundheitszustand der Tiere. „Wie es sich alles entwickelt, können wir noch nicht sagen, aber wir sind froh, bei solch einem wichtigen Projekt dabei zu sein“, sagt ASV-Gewässerwart Borgert.

Denn längst wissen die Fischereiexperten noch nicht alles über die Quappe und ihre Lebensweise. Klar ist aber, dass der Bestand durch den technischen Gewässerausbau sowie Schmutz- und Warmwassereinleitungen innerhalb kürzester Zeit zu einer massiv bedrohten Fischart wurde. Und klar ist auch, dass es die Quappe vor vielen Jahrzehnten schon einmal in der Dinkel gab.

500 Quappen wurden oberhalb der historischen Wassermühle und 500 unterhalb in die Dinkel gesetzt.
500 Quappen wurden oberhalb der historischen Wassermühle und 500 unterhalb in die Dinkel gesetzt. © Till Goerke © Till Goerke

„Gott sei Dank hat sich die Wasserqualität mittlerweile in vielen Gewässern deutlich verbessert“, hat Carsten Nolting Hoffnung, dass sich die Quappe auch die Dinkel nachhaltig zurückerobern kann. Laut dem Diplom-Biologen wäre eine Überlebensquote von zehn Prozent schon ein großer Erfolg. Bei 2000 in Nienborg eingesetzten Quappen wären das 200 Stück.

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