Pater Joy muss seinen Heimaturlaub aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen verlängern

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Pater Joy von der Kirchengemeine Heilig Kreuz sitzt wegen der Corona-Krise in seinem Heimatland fest. Unserer Redaktion hat er berichtet, wie sich das Krisen-Szenario in Indien darstellt.

von Bernd Schäfer

Heek

, 29.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich wollte Pater Joy Anfang der vergangenen Woche in einem Flugzeug aus seinem Heimatland Indien landen und in seine Wahlheimat Nienborg zurückkehren. Aber die weltweiten Beschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus haben seine Planungen zunichte gemacht: Es gibt keinen Flug nach Deutschland mehr.

Statt sich in dörflicher Umgebung am Schreibtisch seiner Wohnung auf die nächsten Gottesdienste in der St. Peter-und-Paul-Kirche vorzubereiten, liest er im Haus seiner Eltern in der Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt Kochi täglich private Messen. Vor gut vier Wochen ist er in der Hafenstadt im indischen Bundesstaat Kerala angekommen. „Da war noch alles in Ordnung. Nach und nach hat sich die Situation aber schnell geändert“, berichtet er in einer E-Mail an diese Redaktion.

In Indien ist die Krise noch nicht so gravierend

Überall sehe er inzwischen Menschen, die sich vor einer Infektion mit dem Corona-Virus fürchten. Obwohl dessen Verbreitung in Indien noch gar nicht so stark sei. Kürzlich waren dort gerade einmal 400 Menschen infiziert – zumindest waren so viele positiv getestet. Die Dunkelziffer dürfte aber bereits jetzt wesentlich höher liegen.


Das und die Nachrichten, die die Menschen dort aus dem Rest der Welt erreichen, sorgen dafür, dass das Virus auch dort Angst verbreitet. Immerhin: „Die indische Regierung hat schon rechtzeitig Vorsichtsmaßnahmen angefangen und Menschen aufmerksam gemacht“, hat Pater Joy das Gefühl, dort keiner größeren Gefahr als in Deutschland ausgesetzt zu sein.

Der Verkehr in Indien ist lahmgelegt

Die Vorsichtsmaßnahmen bewirken aber auch ähnlich wie hier, dass das Alltagsleben stark eingeschränkt ist: „Menschen bleiben zuhause, Kirchen, Schulen, Unis, alles zu. Der Verkehr ist lahmgelegt. Kinos und große Einkaufszentren sind geschlossen.“ Und genau wie in Deutschland sind alle kirchlichen Liturgien und Feierlichkeiten zunächst bis Ostern abgesagt. „Aber es herrscht keine Panik“, sagt Pater Joy. „Und die Lebensmittelgeschäfte sind offen.“

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Auch er selbst lebe derzeit sehr häuslich und verbringe die Zeit gemeinsam mit seinen Eltern. Außerdem bete er viel. Ansonsten kann er einfach nur abwarten, bis das Ein- und Ausreiseverbot gelockert wird und der internationale Flugverkehr wieder aufgenommen wird. „Ich hoffe, dass die Lage bald besser wird und ich nach Ostern wieder zurück nach Nienborg kehren kann“, ist Pater Joy optimistisch. „Ich vermisse euch alle und hoffe auf ein baldiges Wiedersehen.“

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