Oliver Kunath hat die Regio-Boxen – auch in Nienborg – in Eigenregie aufgebaut. © Privat
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Regio-Box in Nienborg ist „Wackelkandidat“ trotz Corona-Zulaufs

Seit gut eineinhalb Jahren ist Nienborg um eine Einkaufsmöglichkeit reicher. Die Regio-Box an der Eper Straße bietet ein breites Sortiment bei kontaktlosem Einkaufen. Doch wie lange noch?

Seit gut eineinhalb Jahren steht der blaue Verkaufsautomat im Holzgestell nun schon an der Eper Straße. Direkt vor der Tierarztpraxis Becker betreibt der Geflügelhof Biermann aus Ochtrup diese Regio-Box. Viele regionale – in den meisten Fällen sogar lokale – Produkte gibt es dort zu kaufen. Noch. Denn das Projekt wackelt.

„Unser Test in Nienborg ist noch nicht abgeschlossen“, berichtet Oliver Kunath, Schwiegersohn der Landwirte Elisabeth und Manfred Biermann. Er war es, der die Regio-Box im September 2019 in Eigenregie in der Dinkelgemeinde aufgebaut hat. Insgesamt drei dieser Boxen betreibt der Geflügelhof. Neben Nienborg noch in Ochtrup und Langenhorst.

Standort Nienborg steht auf der Kippe

Doch der Standort Nienborg steht auf der Kippe. Zumindest mit Blick auf das derzeit breitgefächerte Angebot über Eier, Marmelade, Kartoffeln, Grillfleisch, Eintöpfe und Getränke. Letztere sind übrigens die einzigen Produkte, die nicht aus der Region kommen. „Was den Umsatz angeht, fällt der Automat in Nienborg leider deutlich ab“, so Oliver Kunath.

In Nienborg steht die Regio-Box an der Eper Straße und direkt vor der Tierarztpraxis Becker.
In Nienborg steht die Regio-Box an der Eper Straße und direkt vor der Tierarztpraxis Becker. © Markus Gehring © Markus Gehring

Darum spielen die Betreiber mit dem Gedanken, die Box abzubauen und in einer anderen Kommune zu testen. „Denkbar wäre dann, in Nienborg nur noch mit einem Eierautomaten zu arbeiten.“ Denn in diesem Bereich, dem Kerngeschäft des Geflügelhofs, gab es auch in Nienborg Zulauf, wie Kunath sagt.

Corona hatte Einfluss auf den Umsatz

Aber: Noch sind dies lediglich Gedankenspiele. Schließlich entwickelte sich der Umsatz in Nienborg zwischen Februar und Mai 2021 im Vergleich zum Vorjahr in eine Richtung, die Hoffnung macht. „Das macht Mut, keine Frage, aber der Automat hinkt im Vergleich noch immer hinterher.“

In der Regio-Box gibt es natürlich auch die Eier vom Geflügelhof Biermann zu kaufen.
In der Regio-Box gibt es natürlich auch die Eier vom Geflügelhof Biermann zu kaufen. © Till Goerke © Till Goerke

Hatte denn Corona Einfluss auf den jüngsten Zuwachs in Nienborg? Stichwort kontaktloses Einkaufen. Davon geht Oliver Kunath aus. Dabei habe vor allem der Eierverkauf aus dem Automaten die Verluste in anderen Bereichen des Verkaufs während der akuten Krise etwas abgefedert.

Absatzmärkte sind weggebrochen

Andere Absatzmärkte für die Eier sind nämlich lange Zeit weggebrochen. „Es war nicht einfach“, blickt Oliver Kunath zurück. Rund 8000 Eier weniger pro Woche habe der Geflügelhof in Hochzeiten der Pandemie verkauft. Ein Beispiel: Restaurants waren monatelang lange geschlossen. Eier brauchte dort also niemand.

Das Angebot in der Regio-Box wechselt ein Stück weit je nach Saison.
Das Angebot in der Regio-Box wechselt ein Stück weit je nach Saison. Aktuell sind auch Würstchen und Grillfleisch im Verkauf. © Markus Gehring © Markus Gehring

„Der Eierverkauf über die drei Automaten hat immerhin rund ein Drittel dieser Einbußen abgefangen“, sagt Oliver Kunath. Und so hatte daran auch der Verkaufsautomat in Nienborg seinen Anteil. „Wir schauen uns jetzt dort auf jeden Fall erst mal noch die weitere Entwicklung an.“

An neuen Ideen mangelt es nicht

Und überhaupt: An Ideen mangelt es den Betreibern nicht. Noch immer lebt die Vision, selbstgemachten Apfelsaft aus regionalen Früchten über die Automaten anbieten zu können. Noch scheitert das Vorhaben an der technischen Umsetzung. „Wir haben leider noch keinen Produzenten hier in der Region dafür finden können.“

Auch, wenn der Begriff Region als solcher nicht exakt definiert ist, Oliver Kunath hat da eine klare Vorstellung. „Wenn wir Produkte hätten, die aus über 100 Kilometer Entfernung kämen, wäre das für mich definitiv nicht mehr regional.“ Genau deshalb arbeiten die Betreiber beispielsweise jetzt auch mit einem örtlichen Metzger zusammen.

Und erfreulicherweise gab es am Nienborger Automaten bisher keine Aufbruchsversuche oder größere Vandalismus-Vorfälle. „Da hatten wir bisher echt Glück, das ist viel wert“, freut sich Kunath.

Und lohnen würde sich ein Aufbruch ohnehin nicht. Die Geldkassette wird mehrmals in der Woche gelehrt. Zudem ist der Innenraum der Box videoüberwacht. „Wir bekommen also immer alles mit.“

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