Schreckschusswaffe aus Vereinsheim an der B70 gestohlen – ein Grund zur Sorge?

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Das kleine Vereinsheim an der B70 – kurz vor dem Kreisverkehr am Gabelpunkt – wurde in der Nacht zu Dienstag (20. August) von Einbrechern heimgesucht. Die Beute ist gering, aber brisant.

Heek

, 23.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die erste Gartentür ist mit einem Zylinderschloss gesichert. An der zweiten, direkt links daneben, hängt ein eisernes Vorhängeschloss. Tor und Zaun sind gut 1,80 Meter hoch. Zwei Bewegungsmelder an einer Eisenstange über dem Eingang runden das Sicherheitspaket im Eingangsbereich des Vereinsheim an der B70 ab.

Die vor dem Klubheim aufgestellten blauen Plastikstühle und -tische, die gestapelten Holzscheite und das überwiegend aus Holz bestehende Haus geben durch die umgebenden Bäume ein fast schon idyllisches Bild ab. Und nur der gelegentliche Autolärm von der B70 durchbricht die Stille.

Täter benötigen drei Anläufe, um ins Klubheim zu gelangen

Auf den ersten Blick nicht vorstellbar, dass das Klubheim der Ortsgruppe Nienborg-Heek vom Verein für Deutsche Schäferhunde in der Nacht zu Dienstag (20. August) von bisher unbekannten Einbrechern heimgesucht wurde.

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„Die haben es an drei Fenstern probiert. Zweimal sind sie gescheitert, beim dritten hatten sie leider Erfolg“, berichtet der Vorsitzende der Ortsgruppe Josef Tacke-Mensing auf Nachfrage. Auf welchem Wege die Täter auf das Gelände gelangten, ist nicht bekannt.

Im Vereinsheim gibt es keine Wertgegenstände

Etwas, dass dem Vorsitzenden Sorgen bereitet, ist das Diebesgut. Denn die Täter entwendeten eine Schreckschusswaffe. Sonst machten sie keine nennenswerte Beute. „Bei uns im Vereinsheim gibt es keine Wertgegenstände. Hier ist nichts zu holen“, stellt Tacke-Mensing klar.

Bis auf die Schreckschusswaffe. Wobei der Wert der Waffe gering sei. „Aber mit so einer Waffe kann ja auch Unfug gemacht werden. Das ist das Schlimme.“ Immerhin sähe die Schreckschusswaffe einer scharfen Waffe zum Verwechseln ähnlich. Und: Mit ausreichend Fachwissen kann eine solche Waffe gegebenenfalls auch wieder scharf gemacht werden.

Schreckschusswaffe aus Vereinsheim an der B70 gestohlen – ein Grund zur Sorge?

Ein Eisenschloss sichert das zweite Gartentor am Vereinsgelände. © Till Goerke

So oder so – für das Führen einer Waffe dieser Kategorie ist ein kleiner Waffenschein nötig – in der Öffentlichkeit. Im Falle der Schäferhund-Ortsgruppe handelt es sich um ein privates Vereinsgelände. „Auf diesem darf jeder die Waffe ohne kleinen Waffenschein führen“, erklärt Frank Rentmeister von der Kreispolizeibehörde.

„Bei uns im Vereinsheim gibt es keine Wertgegenstände. Hier ist nichts zu holen.“
Josef Tacke Mensing

Die Schreckschusswaffe war nach Vorschrift gelagert

Doch warum braucht ein Hundeverein überhaupt eine Schreckschusswaffe? Die Erklärung ist denkbar einfach. Schäferhunde sind klassische Wach-, Schutz- und Hütehunde. Zur Ausbildung gehören auch Gehorsamsübungen. „Und bei diesen ist unter anderem die Schreckschusswaffe im Spiel“, so Tacke-Mensing.

Die Schäferhunde sollen durch das Abfeuern von Schüssen eine so genannte „Schussgleichgültigkeit“ entwickeln. Nur zu diesem Zweck verwende man, so der Vorsitzende, die Waffe. Und er betont: „Wir haben die auch nicht einfach so rumliegen gehabt.“

Schreckschusswaffe aus Vereinsheim an der B70 gestohlen – ein Grund zur Sorge?

Blick von der B70 auf das Vereinsheim, in das die Einbrecher in der Nacht zum 20. August einstiegen. © Till Goerke

Im Gegenteil – sie sei in einem kleinen Wandschrank gesichert gewesen. Zwar sei dies kein richtiger Kurzwaffentresor gewesen, aber eben eine Vorrichtung, die abschließbar gewesen sei. Und das reicht laut Gesetzgebung aus.

Die Täter brachen den Wandschrank auf

Das bestätigt Polizeipressesprecher Frank Rentmeister. „Die Waffe soll nicht für Jedermann sichtbar sein und muss darüber hinaus `sicher` gelagert werden.“

All das tat der Ortsverein und doch hat es nichts genutzt. Die Täter brachen den Wandschrank auf. „Ärgerlich, sehr ärgerlich“, sagt Tacke-Mensing. Auch, weil der Ortsverein über keine Einbruchversicherung verfüge.

Schreckschusswaffe aus Vereinsheim an der B70 gestohlen – ein Grund zur Sorge?

Eine Schreckschusswaffe sieht einer scharfen Waffe oft zum Verwechseln ähnlich (Symbolbild). © dpa

„Das ist für so einen kleinen Verein zu teuer.“ Somit bleiben die Vereinsmitglieder auf den Kosten der Sachbeschädigung sitzen. Man werde die entstandenen Schäden an den Fenstern in Eigenregie ausbessern. „Zum Glück haben wir Fachleute im Verein.“

Kriminal-Experten suchten den Tatort akribisch ab

Diese Experten dürfen sich dann auch mit gekappten Elektrokabeln beschäftigen. Denn laut Tacke Mensing haben die Einbrecher so die Bewegungsmelder ausgeschaltet.

„Mit so einer Waffe kann ja auch Unfug gemacht werden. Das ist das Schlimme.“
Josef Tacke Mensing

Dinge, die auch Kriminalpolizei aufgenommen hat, die am Tatort für die Spurensicherung zuständig war. Denn die Kriminal-Experten suchten den Tatort akribisch ab. Schuh- und Fingerabdrücke, Hautpartikel, Schweiß und Speichel können schließlich bei der Täter-Überführung hilfreich sein.

Konnten Spuren sichergestellt werden?

„Ein ganz normales Vorgehen“, umschreibt Frank Rentmeister die Polizeiarbeit. Ob man Spuren habe finden können, darüber schwieg er sich aus. „Dazu machen wir aus ermittlungstaktischen Gründen generell keine Angaben.“

Josef Tacke-Mensing, seit 40 Jahren im Verein, hofft, in Zukunft nie wieder Ärger mit einem Einbruch zu haben. „Die letzten Jahren hatten wir ja auch Ruhe.“

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