Skurrile Unterstützung: Ex-Straftäter (55) hilft Fußballverein im Kampf gegen Einbrecher

mlzEinbruch

Gleich zweimal wurde in den vergangenen Monaten in das Klubheim von RW Nienborg eingebrochen. Jetzt bekommt der Verein unerwartet Hilfe von einem Ex-Straftäter im Kampf gegen die Einbrecher.

Heek

, 04.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Aufgebrochene Türen, eingeschlagene Fensterscheiben und durchwühlte Schubladen – Einbrecher suchten in den vergangenen Monaten zweimal das Klubheim von Rot Weiß Nienborg heim. Die Bilanz? Enormer Sachschaden und geringe Beute. Obendrein viel bürokratische Arbeit. Der Fruststachel sitzt tief bei den Klub-Verantwortlichen. Doch jetzt sorgt eine Facebook-Nachricht für glänzende Augen. Die Mitteilung stammt von einem Ex-Straftäter (55).

Praktisch zeitgleich erhielten RWN-Vorsitzender Martin Mensing und sein Stellvertreter Heiko Niemeier vergangene Woche eine vielsagende Nachricht auf Facebook. Absender: Hermann Wenning (55), gebürtiger Legdener, Ex-Einbrecher und einst selbst Jugendtrainer Mitte der Neunziger Jahre bei RWN. Den Inhalt der Nachricht bezeichnet Martin Mensing als „absoluten Hammer.“

Hermann Wenning spendet für seinen Ex-Verein

Denn Hermann Wenning entschloss sich kurzerhand dazu, seinem Ex-Klub finanziell zu helfen. 1000 Euro überwies der 55-Jährige spontan auf das Klubkonto. Geld, das der Verein gut gebrauchen kann. Beispielsweise um die Sicherheitsmaßnahmen am Klubheim zu erhöhen oder um die Jugendarbeit zu fördern. Besonders letzteres liegt Hermann Wenning am Herzen.

Skurrile Unterstützung: Ex-Straftäter (55) hilft Fußballverein im Kampf gegen Einbrecher

Hermann Wenning hat seine dunkle Vergangenheit hinter sich gelassen und ist heute gefragter Autor. Seine „Liebe“ zu Rot Weiß Nienborg hat er nie verloren. © Privat

Ein starke Aktion, keine Frage. Aber wie kam es dazu? „Ich war wegen einer Lesung in Legden und habe über den Einbruch in der Zeitung gelesen“, berichtet Wenning im Gespräch mit dieser Redaktion. Und dann habe sich sein Gewissen gemeldet. „Das ist immer noch schlecht, wenn bei Bekannten eingebrochen wird. Schließlich habe ich das ja auch selbst lange gemacht.“ Nicht bei Bekannten, aber allgemein. Zahlreiche Einbrüche gehen auf das Konto des 55-Jährigen.

Hermann Wenning hat das Tal durchschritten

Zum besseren Verständnis: Hermann Wenning wuchs auf einem Bauernhof in Legden auf. Mitte der 90er-Jahre geriet er durch die Drogensucht auf die schiefe Bahn und verübte etliche Einbrüche. Klassische Beschaffungskriminalität. Flucht vor der Polizei gehörte zum Tagesprogramm. Doch dieses tiefe Tal hat der 55-Jährige längst durchschritten.

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Heute steht der gefragte Autor zu seinen Fehlern in der Vergangenheit. Auch zu seiner Zeit im Gefängnis. Und Hermann Wenning ist clean. Drogen und Alkoholkonsum gehören der Vergangenheit an. Seit über 20 Jahren. Drei Bücher hat Hermann Wenning mittlerweile veröffentlicht. Und er ist in der Suchtprävention tätig.

Mitte der 90er-Jahre ging es abwärts

Bevor die Drogenproblematik ihren Lauf nahm, war Wenning von Juni 1992 bis Februar 1994 als A- und B-Jugend-Trainer bei RWN im Einsatz. Fun-Fakt: Der heutige 2. Vorsitzende Heiko Niemeier wurde einst von Hermann Wenning trainiert. „Es war eine tolle, intensive Zeit. Leider ist sie viel zu früh und traurig zu Ende gegangen“, blickt der 55-Jährige zurück.

Skurrile Unterstützung: Ex-Straftäter (55) hilft Fußballverein im Kampf gegen Einbrecher

Einbrecher haben viele Möglichkeiten, in ein Gebäude zu gelangen. Aber es gibt mindestens genau so viele Möglichkeiten, den Langfingern das Leben schwer zu machen – beispielsweise mit einer Videoüberwachung. (Symbolbild) © dpa

Die Alkoholabhängigkeit ließ Wenning damals keine Wahl. Er räumte den Posten. Aus freien Stücken. „Der Alkohol hatte mich immer mehr im Griff. Es ging einfach nicht mehr. Ich musste die Reißleine ziehen und hinschmeißen.“ Wenige Monate später geriet Wenning in eine folgenschwere Abwärtsspirale. Doch die „Liebe“ zu Rot Weiß habe er nie verloren. Das betont er.

Der Wunsch, etwas Gutes tun zu wollen

„Darum war für mich auch direkt klar, dass ich dem Verein helfen will, etwas zurückgeben will.“ Der Kontakt zum Vorstand sei über die Jahre auch nie ganz abgerissen. 2017 war Wenning beispielsweise im Klubheim mit einer Lesung zum Thema Sucht(prävention) zu Gast.

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Mit Blick auf die nicht unerhebliche Spendensumme stellt sich die Frage: Warum in dieser Höhe? „Ich habe in meinem Leben und durch meine Sucht so viel Geld sinnlos verbrannt, da kann man für eine sinnvolle Sache auch mal etwas springen lassen“, stellt Wenning klar. „Ich wollte einfach auch mal etwas Gutes tun.“

Auf der Vorstandssitzung werden die Details besprochen

Und die Spende kommt an bei RWN. Im doppelten Sinne. „Das ist einfach grandios. Das Geld werden wir zeitnah und zweckgebunden einsetzen“, stellt Klubvorsitzender Martin Mensing klar. Nähres werde kommende Woche auf einer Vorstandssitzung besprochen.

„Ich wollte einfach auch mal etwas Gutes tun.“
Hermann Wenning

Und vielleicht greifen die Verantwortlichen ja auch auf Wennings „Expertise“ in Sachen Einbruchschutz zurück. Denn diesem Thema hat der Ex-Einbrecher auch ein extra Kapitel in seinem neuen Buch „Einbruch“, das am 15. September 2019 im Geistkirch-Verlag erschienen ist, gewidmet.

Das Werk von jugendlichen Tätern?

„Man kann jedem Einbrecher das Leben schwer machen“, sagt der 55-Jährige. Mal mehr, mal weniger. Mit Blick auf eine mögliche Videoüberwachung am RWN-Klubheim sagt Wenning: „Mich würde das als Täter abschrecken. Da steht das Risiko erkannt zu werden in keiner Relation zur potenziellen Beute.“ Nicht von der Hand zu weisen, denn jüngst erbeuteten der oder die Täter mal gerade eine Kiste Fanta.

Hellsehen kann Wenning zwar nicht, aber mit Blick auf die Vorfälle bei Rot Weiß hat er eine klare Vermutung. „Solche Taten sprechen eher für Jugendliche, vielleicht im Rausch.“ Nach Beschaffungskriminalität sehe das Ganze jedenfalls nicht aus. „Dann würde man dort einsteigen, wo es auch erwartbar etwas zu holen gibt.“ Und das ist im Klubheim bei RWN definitiv nicht der Fall.

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